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26. Kapitel

Montag, 1. Juni
Wütend umklammere ich die Gabel in meiner Hand und beobachte, wie Juli sich an Kadir ranmacht. Er grinst sie an und sie spielt mit ihren Haaren. Eigentlich wollte ich nur schnell eine neue Gabel holen, weil meine runtergefallen ist. Doch Juli hat gleich die Chance gesehen, mit Kadir zu flirten. Tränen steigen in meine Augen. Es kommt mir vor, wie ein Déjàvu. Ein Mädchen spannt mir meinen Freund aus und das vor meinen Augen. Ich atme tief durch und gehe wieder an den Tisch und tue so, als würde es mich nicht stören, dass die zwei so vertraut miteinander umgehen. Ich lächle Kadir an und setze mich an meinen Platz. „Hallo, Juli.", sage ich und ich klinge ganz ruhig, anders als in meinem Inneren. Dort ist es ziemlich unruhig. Mir schwirren Gedanken herum, wo ich dachte, ich hätte sie schon längst vergessen. Ängste, die ich erst nach Niklas entwickelt hab. Erinnerungen an unsere Beziehung. An Dinge, die erst jetzt einen Sinn ergeben.
Ich esse von meinem Auflauf etwas und schaue dann in die Gesichter der zwei. Kadir schaut mich mit einem stolzem Lächeln an und Juli sieht aus, als ob sie mich gleich ermorden würde. „Naja,ich muss jetzt auch los. Sehen wir uns am Freitag?", fragt sie an Kadir gewendet, Kadir schaut erst mich abwegig an und zuckt dann gelassen mit den Schultern. „Muss mal gucken, wie ich Lust hab.", antwortet er und Juli nickt mit einem aufgesetzten Lächeln. „Dann bis später vielleicht.", sagt sie und verschwindet. „Danke, dass du keine Show abgezogen hast, Maia. Ich bin so unfassbar stolz auf dich.", sagt er und beugt sich über den Tisch, um mir einen Kuss zu geben. Ich lächle ihn an und esse mein Essen weiter, was inzwischen kalt ist. „Was ist denn am Freitag?", frage ich und Kadir zuckt gelangweilt mit den Schultern. „Irgendeine Party, hab aber ehrlich gesagt keine Lust drauf.", sagt er und grinst mich an. „Hab eher überlegt, ob wir am Freitag einen Filmabend machen.", sagt er und ich fange an zu grinsen. „Das klingt spitze.", antworte ich und gebe ihm einen Kuss auf die Wange. Er grinst stolz und isst seine Pommes weiter. 

Dienstag, 2. Juni

„Und ihr seid jetzt richtig zusammen?", fragt Olivia, als wir in der Bücherei nach Büchern stöbern. „Denk schon.", sage ich und grinse wie eine Bekloppte. „Freut mich zu hören. Vorallem, wie du mit deiner Angst umgehst. Lass dich bitte nicht von Leonie provozieren, Kadir möchte bestimmt einfach nur nett zu dieser Juli sein. ", rät sie mir und ich nicke. „Hoffe ich mal.", antworte ich ihr und lese mir die Zusammenfassung von einem Buch durch, welches interessant klingt. Ich lege es auf den Stapel neben mich, zu den Büchern, die ich kaufen möchte. Es ist schon eine ganze Menge, aber ich habe zum Glück ein wenig gespart letzten Monat, da kann ich mir das leisten. Auch Olivia hat eine kleine Sammlung beiseite gelegt. Anders als ich liebt sie Fantasieromane. 

Zuhause machen wir uns eine Tiefkühlpizza und schauen einen Film. Nach einer Weile gesellt sich Luzie mit zu uns und auch Lukas. 

Am Abend kommt Kadir in mein Zimmer, gerade da, wo ich schlafen wollte. „Hey.", gibt er leise von sich und drückt mir seine Lippe auf meine eigenen. „Wie war das Essen mit deinem Vater?", frage ich neugierig und Kadir seufzt. „In letzter Zeit ist er so aufgekratzt wegen einem seiner Partner, der gerade wieder hergezogen ist. Julis Papa.", sagt er und fährt sich müde übers Gesicht. Luzie streckt den Kopf rein und lächelt uns an. „Ich will nicht stören, aber die Tür bleibt offen.", sagt sie und wirft Kadir einen strengen Blick zu. Er hebt grinsend die Arme hoch. „Ich werd ihr schon nichts tun.", sagt er und Luzie nickt wenig überzeugt und zieht sich zurück. „Gute Nacht.", hört man sie noch sagen und ich grinse. „Eine richtige Mutti.", sage ich und Kadir lacht leise auf. „Was du nicht sagst.", sagt er und zieht sich sein T-Shirt über den Kopf. Mir stockt der Atem. Es ist was anderes, wenn man ihn Ausversehen halb nackt erwischt, als wenn er sich mit Absicht vor einem auszieht. Sein Bauch ist straff, aber nicht muskulös. Er grinst mich an und streift sich seine Hose über die Beine. Dann schlüpft er unter meine Decke und ich kuschle mich an ihn dran. Bevor ich aber meine Augen schließen kann, muss ich ihn nochmal küssen. Er sieht so süß aus mit den verstrubbelten Haaren. Seine Lippen sind weich und schmecken nach Pfefferminz Zahnpasta. Er fährt mir sanft durch die Haare und beugt sich halb über mich. Meine Hände streichen über seinen nackten Oberkörper. Er ist warm und weich. Er hüllt mich in einen Kokon, aus Wärme und Müdigkeit, sodass ich ganz schläfrig werde. Als wir uns voneinander lösen schauen wir uns tief in die Augen. „Heute hören wir mal meine Playlist zum Schlafen an.", bestimmt er und holt sein Handy vom Nachtisch, was er vorhin beim Ausziehen dort hingelegt hat. Er verstöpselt uns mit der Musik und kuschelt sich an mich dran. Er ist so schön warm, dass es mir leicht fällt einzuschlafen. 

Freitag, 5. Juni
„Was wollen wir machen? Spagetti?", frage ich und krame im Schrank in unserer Küche rum. Als ich keine Antwort bekomme, drehe ich mich um und schaue zu Kadir, der auf einem Hocker unserer Kücheninsel sitzt und auf seinem Handy rum tippt. „Ich hab's gleich geschafft, Maia. Spagetti klingt gut.", sagt er, als er meinen Blick auf sich spürt. Ich schüttle leicht verärgert meinen Kopf über ihn und nehme die Spagettipackung aus dem Schrank. „Du könntest mir ja helfen.", murmle ich vor mich hin. „Was?", fragt er und seine Schritte kommen auf mich zu. „Sorry, Maia", sagt er und küsst meinen Nacken. Ich lehne mich gegen ihn und atme tief durch. „Du könntest die Soße machen", schlage ich vor. „Was für 'ne Soße?", fragt er und sammelt schon mal die Konservendosen aus dem Schrank. „Tomatensoße.", sage ich und schaue ihm dabei zu, wie er die Tomatensauce macht. Dann setze ich das Wasser auf und koche die Nudeln. Als alles fertig ist, setzen wir uns ins Wohnzimmer und schauen etwas auf Netflix. Seinen absoluten Lieblingsfilm. Ich find ihn auch nicht schlecht. Kadir hat eigentlich einen relativ guten Geschmack, was Filme angeht. Als wir beide fertig sind mit essen, dreht Kadir sich zu mir und legt seine Lippen auf meine. Ich lehne mich gegen ihn und er fährt mit seiner Zunge über meine Lippen. Meine Lippen teilen sich für ihn und ich fahre ihm durch die Haare. Ich atme tief durch und ziehe uns nach hinten, sodass er praktisch auf mir liegt. Seine linke Hand erkundet meinen Körper und seine Rechte stützt sich neben mir ab. Seine Lippen schmecken nach der Soße und ihm. Ich umklammere seinen Kopf mit meinen Händen, als ob ich Angst hätte, er würde sich zurückziehen. Aber das tut er nicht. Er drängt sein eines Knie zwischen meine Beine und seufzt. Seine Lippen lösen sich von meinen und er lehnt seine Stirn gegen meine. „Wir müssen aufhören, sonst wird es nachher noch schwerer aufzuhören.", sagt er rau und leise. Ich nicke und küsse noch mal sanft seine Lippen. „außerdem muss ich mal auf die Toilette.", sagt er und grinst. „Dann können wir ja schlafen gehen. Bin nämlich echt müde.", sagt er und steht auf.

Während er weg ist gehe ich in mein Zimmer und suche mir meine Schlafsachen und lege mich ins Bett. Nach ein paar Minuten kommt Kadir wieder ins Zimmer und küsst mich, bevor er sich neben mich legt. Wir nehmen die Löffelchenstellung ein und dann schlafe ich auch schon.

What if I trust youGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt