Vianas POV
*Zwei Jahre zuvor*
„Wow. Das hätte ich dir niemals zugetraut!"
„Schlampe!"
„Von wegen Engel!"
„Du bist echt das Allerletzte, Viana!"
Seit fast zwei Wochen musste ich mir nun schon jeden Tag unzählige Beleidigungen anhören. Es war nicht einmal übertrieben, wenn ich sagte, dass mich meine Mitschüler hassten.
Entweder machten sie einen großen Bogen um mich oder sie kamen direkt auf mich zu, um mit der nächsten Beleidigung um sich werfen zu können.
Wie ich überhaupt in diese grausame Situation geraten war?
Natürlich nur dank Cassy und Betty.
Die beiden hatten überall das Gerücht verbreitet, dass ich Betty ihren Freund ausspannen wollte und sie sogar bedroht hätte. Da die zwei Teufelsabkömmlinge deutlich beliebter waren als ich, wurde ihren Aussagen selbstverständlich auch mehr Glauben geschenkt als meinen.
Ich stand wie die letzte Idiotin da, während Betty von allen bemitleidet wurde.
Ein erleichtertes Seufzen überkam meine Lippen, als der Schulgong, der das Ende des heutigen Tages einleitete, ertönte. Sofort packte ich meine Sachen zusammen, versteckte mich unter meiner Kapuze und rannte vom Schulgelände.
Auch wenn es zu Hause nicht viel besser war, als in der Schule, freute ich mich auf mein Zimmer – meinen Zufluchtsort – und auf Flocke.
Nur leider sollte ich nicht so schnell wie geplant nach Hause kommen, da ich plötzlich mit einer anderen Person zusammenstieß.
„Oh Gott, das tut mir leid!", entschuldigte ich mich peinlich berührt. Erst danach schaute ich zu meinem Gegenüber auf und erstarrte direkt in meiner Position.
Das war ein Scherz, oder?
Warum musste ausgerechnet Percy Kingston vor mir stehen?
Mit einem süßen Grinsen erwiderte der Lockenkopf schließlich: „Alles gut. Bist du nicht diejenige, die sich an mich ranmachen wollte?" Kaum hatte er diese Frage laut ausgesprochen, schoss mir das Blut in die Wangen.
Ich wollte nicht, dass Percy den Gerüchten vertraute und mich für eine Verrückte hielt. Er sollte mein wahres Ich sehen.
„Das, was Cassy und Betty erzählen, stimmt nicht", rechtfertigte ich mich deshalb verzweifelt vor ihm. „Ich wollte mich nicht an dich ranmachen oder Betty ihren Freund ausspannen. Das musst du mir glauben!"
„Wenn ich dich gerade richtig verstehe, dann behauptest du, dass meine Freundin lügt. Korrekt?", hakte Percy mit gerunzelter Stirn nach. Ich überlegte einen kurzen Moment, doch dann nickte ich. Percy sollte ruhig wissen, dass Betty kein Engel war.
„Kannst du vielleicht mit ihr reden und diese ganzen Gerüchte richtigstellen?" Hoffnungsvoll schaute ich in diese braunen Teddybäraugen, die mir mittlerweile allzu vertraut waren.
„Natürlich", lächelte Percy sofort hilfsbereit. „Ab morgen wird sich niemand mehr über dich lustig machen. Versprochen!" Im Einklang mit seinem letzten Wort kehrte mir der Schwarzhaarige den Rücken zu und verschwand aus meinem Blickfeld.
Neben der süßen Duftwolke, die seinem Parfüm zu verschulden war, ließ er noch etwas anderes zurück.
Hoffnung.
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Amor mit Basecap
FantasyEr ist der Gott der Liebe. Sie ist ein Mädchen, das der Liebe abschwören möchte. Kann Lias es schaffen, Viana ganz ohne seine Pfeile zurück zur Liebe zu verhelfen? 💘Cover: kaynothanks
