Vianas POV
*Zwei Jahre zuvor*
Nachdem Bettys Rachefeldzug von der Schulklingel beendet wurde, rutschte ich schluchzend an der Wand hinab und bettete mein verunstaltetes Gesicht in meinen Händen.
Ich vermochte mir gar nicht auszumalen, wie schlimm ich gerade aussah.
Mindestens fünf Minuten lang hatte Betty auf mich eingeprügelt. Selbst als ihre Fingerknöchel aufplatzten und Blut aus meiner Nase rann, hörte sie nicht auf. Vermutlich hätte sie mich tatsächlich umgebracht, wenn sie nicht von dem Schulgong gestört worden wäre.
Mittlerweile war es menschenleer auf den Fluren. Das war auch der Grund, weshalb meine Schluchzer wie ohrenzerreißende Kanonenschüsse durch die Luft hallten.
Ich wollte das alles nicht mehr. Ich wollte nicht mehr leben! Länger ertrug ich diesen Schmerz nämlich nicht.
„Viana?" Bei dem Klang meines Namens zuckte ich ängstlich zusammen. „Bist du das?" Alles in mir schrie danach, den Kopf zu schütteln, doch stattdessen hob ich den Blick. Sofort vermischten sich meine Augen mit den braunen von Percy.
„Oh mein Gott!" Mit schnellen Schritten kam er zu mir geeilt und ging vor mir in die Hocke. Die Besorgnis stand ihm dabei praktisch ins Gesicht geschrieben.
„Was ist passiert?", wollte der Schwarzhaarige sorgenvoll wissen. Dass er sich die Antwort auf seine Frage nicht selber denken konnte, bewies mir, wie schlecht er seine Ex Freundin eigentlich kannte. Hatte er überhaupt den Hauch einer Ahnung, zu welchen Taten dieser Teufel fähig war?
„Viana, rede bitte mit mir!"
Dicke Tränen kullerten über meine Wangen und schnürten mir die Kehle zu.
Ich konnte nicht darüber sprechen, was passiert war – es ging einfach nicht. Wenn ich Percy von dem Angriff erzählen würde, würde er mich für einen Schwächling halten – und bekanntlich wollte niemand einen Schwächling als Freundin haben.
„Ka-Kannst du mi-mich ei-einfach umarmen?", brachte ich schließlich zwischen mehreren Schluchzern hervor. Ohne zu zögern legte Percy seine starken Arme um mich und zog mich näher an sich heran.
Unter anderen Umständen hätte ich mich sicherlich über seine körperliche Nähe gefreut, aber in jenem Moment konnte ich bloß an meine Schmerzen denken.
Wie sollte es in der Zukunft weitergehen? Würde mich Betty von nun an jeden Tag verprügeln? Wie konnte ich mich zur Wehr setzen? Ich musste doch irgendetwas machen können!
„Alles wird gut, Viana", versuchte mich Percy zu beruhigen, indem er mir behutsam über den Rücken streichelte. „Ich verspreche dir, dass ich denjenigen, der dir diese Schmerzen zugefügt hat, finden und zur Rechenschaft ziehen werde!"
Ich wollte ihm glauben – wirklich – aber ich konnte nicht. Sobald Percy erfahren würde, dass Betty für diese Qualen verantwortlich war, würde er seinen Plan – Rache zu nehmen – über Bord werfen. Ich hatte zwar schon ein paar Mal mitbekommen, dass er sich geprügelt hatte, aber gegen ein Mädchen würde er niemals seine Hand erheben.
„Bis ich diese Person gefunden habe, ist es besser, wenn wir uns voneinander fernhalten."
Was?
Meine kleine mickrige Welt, die Percy mit seiner Umarmung langsam wieder zusammengeflickt hatte, brach erneut auseinander. Er konnte mich doch jetzt nicht alleine lassen – nicht jetzt, wo ich ihn am meisten brauchte!
„Wir sehen uns bald wieder, Viana. Versprochen!"
Daraufhin löste sich Percy aus unserer Umarmung, hauchte mir einen federleichten Kuss auf den Mundwinkel und verschwand letztendlich mit schnellen Schritten aus dem Schulgebäude.
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Amor mit Basecap
FantasiEr ist der Gott der Liebe. Sie ist ein Mädchen, das der Liebe abschwören möchte. Kann Lias es schaffen, Viana ganz ohne seine Pfeile zurück zur Liebe zu verhelfen? 💘Cover: kaynothanks
