Kapitel 20

266 14 0
                                        

„Wohin gehen wir?" Die kleine Familie hatte soeben das Westtor der Ranelle-Straße durchquert. Die Kinder wurden am frühen Morgen geweckt, weshalb es noch dunkel war. Da Faina noch recht jung war, brauchte sie den Schlaf, weshalb sie von ihrem Vater getragen wurde. Raja war aber ganz und gar nicht müde, eher war sie aufgeregt. Noch nie war sie, bevor die Sonne aufgehen würde, unterwegs. „Wir treffen eine besondere Person, die mir sehr am Herzen liegt. Nur können wir uns nicht oft sehen, da sie sehr weit weg wohnt", antwortete Rajas Mutter. Jetzt war die schwarzhaarige nicht nur aufgeregt, sondern auch neugierig. Wer konnte diese Person sein?

An der Folbluth-Ebene angekommen, steuerten die vier einen kleinen See an, der von wenigen Bäumen umringt war. Wegen der Dunkelheit konnte Raja nicht sonderlich viel erkennen, wobei ihre Seeschwäche auch nicht dabei half. Sie hatte ihre Brille auf ihrem Nachtisch vergessen. Trotzdem konnte sie schwach eine Silhouette am See sitzen erkennen. Das Gesicht ihrer Mutter erhellte sich. Die Shiekah freute sich seit Wochen schon auf das Treffen.

Die Unbekannte hörte Schritte, bei denen sie vermutete, dass es sich um ihre Familie handelte. Als sie ihren Kopf nach hinten drehte, bestätigte sich ihre Vermutung. Voller Freude umarmten sich die Schwestern. Sie hatten sich seit 7 Jahren schon nicht mehr sehen können. Durch den Austritt der Yiga der zweifachen Mutter, konnte sie sich nicht mehr in Gerudo aufhalten. Es glich fast schon an ein Wunder, dass man ihr erlaubt hatte in Kakariko zu verweilen, nachdem sie erzählte, dass sie diesem Clan mal angehörte.

„Wie geht es dir, Nisha?" „Den Umständen entsprechend, aber wie ich sehe habt ihr Nachwuchs erhalten." Sie wandte sich zu dem kleinen Mädchen, welches verwirrt zwischen den Frauen hin und her sah. Raja verstand noch nicht, weshalb genau diese Person so wichtig für ihre Mutter war. „Das ist meine Schwester. Somit auch deine Tante", klärte Rajas Mutter sie auf, worauf Nisha sich zu ihr hinkniete und ihr die Hand ausstreckte. Etwas schüchtern nahm die 6-jährige ihre Hand an.

Nachdem die Familie sich am See einen Platz aussuchten, wachte auch die jüngste Tochter auf. Faina sah sehr verwirrt aus, als sie das Unbekannte Gesicht neben ihr erblickte. „Fina. Das ist unsere Tante. Sie ist von weit her gereist. Toll, oder?", verkündete die 6-jährige ihrer Schwester. Darauf nickte sie lachend.

Sie verweilten schon Stunden auf der Ebene, die neben der Rangle-Straße lag. Solange bis der Vater sich dazu beschloss, Feuerholz zu sammeln. Da es schon Herbst war, konnte man schon den kühlen Wind spüren. Dafür ging er etwas weiter weg, da die Bäume am See etwas feucht waren, was auf den See zurück zu folgen war.

„Wo bleibt Vater? Er ist doch vor langem weggegangen." Raja fand es komisch, da ihr Vater normalerweise immer ein paar Minuten weg war, aber jetzt war er schon um die 30 Minuten unterwegs. „Ich geh mal nachsehen. Nisha, passt du auf die Kinder auf?" Die Angesprochene bejahte dies und die Mutter rannte in die Richtung, wohin ihr Ehemann zuvor ging.

Doch als die drei einen Schrei hörten, der von der Mutter kam, rannte die 6-jährige zu ihren Eltern. Nisha wollte noch sie festhalten, was ihr aber missfiel. Schnell nahm sie Faina in die Arme und rannte ihr hinterher. Was sie aber vorfanden verstörte alle Anwesenden. Noch rechtzeitig konnte sie die Augen von Faina verdecken, damit sie das Blutbad nicht ertragen musste. Raja stand nur geschockt da und sah auf den Täter. Ein silberner Leune mit einem hell leuchtenden, blauen Anhänger um seinen Hals. Dieser rannte, als er die Tante und ihre Schwester erkannte, rannte er auf die zu. Mit der Absicht die Beiden zu treffen, holte er mit seinem blutverschmierten Schwert aus. Instinktiv stellte sie sich dazwischen und wollte das Biest aufhalten. Unerwartet erzeugte sie Schallwellen. Dabei wurde der Leune, wie auch das 6-jährige Mädchen weggeschleudert. Zwar wurde das Biest für eine kurze Zeit still gelegt, jedoch blieb Raja nicht unverletzt. Sie prahlte an einem Stein ab und erlitt eine Kopfverletzung.

Schnell holte Nisha ihre Nichte und wollte fliehen. Ihr war klar, dass der Leune ihr gefolgt sein musste. Sie gab ihr die Schuld am Tod ihrer Schwester und ihrem Mann. Sie wusste nicht genau was sie machen sollte. In Kakariko Bescheid geben, dass gerade ein Leune zwei Personen umgebracht hatte und jetzt wahrscheinlich auch ihre Kinder das Leben nehmen wollte? Außerdem würden sie doch eher auf sie gehen, wenn man sie mit den zwei Kindern sehen würde. Immerhin kommt man sofort durch ihre Kleidung erkennen, dass sie eine Yiga war.

Auch wenn es riskant war, entschied sie sich die Kinder nach Kakariko zu bringen und es bei Impa zu versuchen. Hoffentlich würde sie ihr zuhören. Immerhin hatte sie auch ihrer Schwester vor ein paar Jahren geholfen. Trotzdem würde sie nicht dort einfach reinspazieren, sondern wohl oder übel heimlich in Impas Anwesen einbrechen. Wenn es überhaupt möglich war. Es war ja immerhin schon mitten am Tag gewesen.

Jetzt war sie auf dem Hügel, der im Federsee emporstieg. Glücklicherweise hatte noch niemand sie entdeckt. Vorsichtig sprang sie auf das Dach und kletterte in Fenster. „Wer bist du und wieso hast du die Kinder von Kira und Noah? Und wieso ist Raja verletzt?" Eine junge Shiekah hielt ihre Kunais entgegen der Einbrecherin. „Es ist egal wer ich bin. Ein Leune hat Kira und Noah ermordet und ist wahrscheinlich auf dem weg hierher. Die beiden sollen auf der Stelle weg von hier, aber ich darf nicht wissen wohin", erläuterte sie schnell. Ohne lange zu überlegen, nahm sie die Kinder in ihre Obhut und versandte eine Truppe, um den Leunen wenigstens in die Flucht zu schlagen.

Einige Jahre vergingen und Raja und Faina haben einen neuen Ort zum Wohnen gefunden. Impa hatte alles was in ihrer Macht stand getan, um so schnell wie möglich die Geschwister in einem anderen Dorf unterzubringen. Eine Frau in Angelstedt erklärte sich dazu bereit, sie aufzunehmen. Ihr Name war Vaila. Der Vorfall auf der Folbluth-Ebene war durch das Trauma das Raja erlitt vergessen und da Faina noch so klein war und sie nichts mitbekam hatte sie ebenfalls keine Erinnerung mehr an den Tag.

Eines Abends spazierten die Beiden am Strand. Da die beiden zuvor noch nie das Meer sahen, machten sie das oft, seit sie in Angelstedt angekommen waren. „Ich möchte kämpfen erlernen. Wenn ich das kann, dann werde ich ganz Hyrule schützen", verkündete sie aus dem Nichts. Sie hatte schon lange darüber nachgedacht. Den Schwertkampf fand sie schon immer interessant, jedoch hatte ihr das gewisse etwas gefehlt. Etwas was sie ausmachen sollte. Ein spezielles Schwert. Eine gewisse Technik. Genau wusste sie es nicht. Aber sie wollte die Zeit auf sich bringen, dieses gewisse Etwas zu suchen.

„Ich finde das Toll. Du wirst bestimmt eine tolle Schwertkämpferin, außer du willst den Bogen benutzen, denn da bist du eine vollkommene Niete. Du triffst nicht mal ansatzweise das Ziel", machte die Jüngere sich über sie lustig. Da sie ihre Brille fast nie trug, konnte sie auch nicht genau schießen, obwohl sie wusste dass ihre Sehschwäche nicht der einzige Grund war. Sie war einfach viel zu ungeschickt mit dem Bogen, aber das würde sie nie zugeben.

„Sehr witzig. Irgendwann werde ich aber für den König kämpfen und danach für Zelda. Das wirst du noch erleben. Du wirst-" „Wach auf. Du musst aufwachen, Raja. Du wirst sonst sterben." „Fina? Was meinst du?" Die Jüngere schüttelte an Raja und wiederholte immer wieder, dass sie aufwachen musste. 

Revali x OCWo Geschichten leben. Entdecke jetzt