Gar nicht mal so unähnlich

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Es wiederholt sich,

zieht mit schleppenden Schritten

den Kreis um mich zu 

Narben der Vergangenheit reißen auf

Lassen das Blut der Zeit meinen Augen entrinnen


Ich würde so gerne schreien

Hätte ich nur keine Angst davor Lügen zu sprechen

Ich wünschte so sehr ich hätte geholfen

Ich wünschte so sehr ich wäre geblieben

Ich wünschte so sehr ich könnte lieben

Ich wünschte so sehr ich hätte mich nicht angelogen


Jedes einzelne Mal, dass ich in den Spiegel sah

Jedes einzelne Mal, dass ich gesagt:

"Ich versuchte zu helfen.

Ich versuchte zu bleiben.

Ich versuchte zu lieben. 

Ich versuchte die Wahrheit zu sprechen."


Gelogen jedes einzelne Wort

Gelogen, so wie sie es getan

Gelogen, wofür ich sie verabscheute

Gelogen, weil ich nie besser sein werde


Nie besser als das Mädchen, das den Brief zuließ

Nie besser als das Mädchen, das ihn nicht zerriss

Nie besser als das Mädchen, das immerzu die Wahrheit verschwieg

Nie besser als das Mädchen, das nichts besser kann


Nichts besser als wegzulaufen

Nichts besser als zu lügen

Nichts besser als stumpf vor sich hinzudenken

Anstatt zu schreien und für die Gerechtigkeit zu kämpfen


Stellt sich nun doch heraus

Dass du und ich

Dass wir beiden, die uns so hassen

Dass wir beiden, die uns so lieben

Uns gar nicht mal so unähnlich sind?



Kunst der WorteWo Geschichten leben. Entdecke jetzt