Sich wa(a)gen

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Die Waage ist mein größter Feind,

Weil sich auf ihr die Zahlen verein'

Die Zahlen -

Ich will sie nicht haben!

Geh weg mit diesen Zahlen -

Ich kann sie nicht ertragen!


Und doch -

Immer wieder steige ich hinauf,

Auf die Waage -

Die Waage, die die Zahlen zeigt,

Mein Selbstbewusstsein entzweit,

Und meinen Frust befreit.

Das Schicksal nimmt immer seinen Lauf.


Die Zahlen steigen rauf,

Wie eine Leiter, die zu hoch steht,

Die Zahlen steigen runter,

Wie des Meeres Wasser, das so tief steht -

Zu tief als dass ich mich noch finde,

Zu hoch als dass ich mich noch überwinde,

Weder runter noch hoch,

Weder groß noch klein,

Warum können die Zahlen nicht so sein?


Warum werde ich begrüßt mit Zeilen,

Die auf ewig meines Kopfes verweilen:

"Wow, du hast wirklich abgenommen.",

"Nein, ehrlich, du hast dazugewonnen.",

"Vielleicht isst du das lieber nicht.",

"Mensch, achte doch auf dein Gewicht!"

Eine ungesunde Sicht,

Das weiß ich.


Doch sag das den Leuten, 

Die meine Alarmglocken läuten,

Wenn ich sie auch nur seh'.


Familie, Feind und Freunde,

Allesamt vereint,

Haben allesamt gemein,

Dass sie niemals sehen, 

Wie ich mich beim Worte "Fett"

Im Kopfe übergeb'

Werden wohl niemals ganz verstehen,

Die Gedanken,

Die mich vor dem Spiegel quälen.


Und das Gewicht?

Es geht hoch und runter,

Drüber und drunter,

Traurig und nie munter,

Wird es mir den Tag versauen,

Aber nein -

Es ist kein Versehen,

Wenn ich mich auf die Waage trau'

Kunst der WorteWo Geschichten leben. Entdecke jetzt