3. Gefahr eines Gefährten

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Am nächsten Tag in Lias Schule war ich etwas abwesend und spürte meinen inneren Drachen rebellieren. Was war heute nur los?

Diverse Gespräche gingen einfach an mir vorbei und ich hatte mühe, mich nicht einfach zu verwandeln.
Ich blieb im Schulhof stehen und lehnte mich an das Gebäude, als ich meinen Kopf plötzlich nach rechts drehte. Es passierte einfach. Ich spürte, wie mein innerer Drache mit einem Schlag ruhiger wurde, als ich in zwei gelbbraune Augen blickte. Ein großer, schlanker Junge mit braunen Haaren, etwa mein Alter, sah mir intensiv in die Augen und ich spürte, dass er es sein musste. Mein Gefährte...
Ein Werwolf... Ich spürte seine zweite Gestalt, aber verbarg meine vor ihm. Kurz starrten wir uns noch an, bis ich das Verlangen spürte, bei ihm zu sein. Ich hielt mir den Kopf und wandte den Blick ab. Was, wenn er es herausfand?... Was wenn er-... "Hey." ich schreckte zurück und knallte gegen die Wand der Schule. "Du hast es auch gespürt, oder?" fragte er mit leiser Stimme und drückte mich etwas von der Wand weg. Für ihn war es leichter, sein inneres Tier in Schach zu halten, als für mich. Ich hatte mich Ewigkeiten nichtmehr verwandelt. Knurrend drückte ich ihn von mir weg und begann, zu rennen. Einfach weg. Raus aus dem ganzen Trubel. All die Geräusche waren so laut, all die Verlangen zu groß und die Grenzen meines Tieres drohten, zu verschwimmen.
Keuchend blieb ich etwas von der Schule entfernt stehen und lehnte mich an das nächstbeste Haus.

𝐻𝑒𝑦! 𝑊𝑜 𝑏𝑖𝑠𝑡 𝑑𝑢?

rief plötzlich eine Stimme in meinem Kopf. Der Link zu einem Gefährten stellte sich von selbst her... das war ein großer Nachteil in meinem Fall. Plötzlich kam der junge Werwolf um die Ecke gerannt auf mich zu. "Hey, hey. Schon gut. Ich hab es ja auch gespürt. Du musst nicht vor mir wegrennen." redete er beruhigend auf mich ein und berührte mich am Arm. Sofort beruhigte ich mich und hörte auf, so schnell zu atmen. Er verstand es einfach nicht.

𝐾𝑜𝑚𝑚 ℎ𝑒𝑟 𝑢𝑛𝑑 𝑠𝑒𝑡𝑧 𝑑𝑖𝑐ℎ.

langsam ging ich zu einer Ecke der Gebäude und setzte mich, wie geheißen, hin. Zögernd griff der Junge nach meiner Hand und begann, zu reden "Ich bin Jake, ein Werwolf. Und du?" "Ich bin Charon..." flüsterte ich und drückte sanft seine Hand. "Was ist deine zweite Gestalt? Ich spüre sie nicht." fragte er vorsichtig. Ich schüttelte den Kopf und teilte ihm über den Link mit, dass ich es nicht sagen werde. Noch nicht.

𝐼𝑠𝑡 𝑒𝑠 𝑑𝑖𝑟 𝑝𝑒𝑖𝑛𝑙𝑖𝑐ℎ?

𝑁𝑒𝑖𝑛, 𝑎𝑢𝑓 𝑠𝑜 𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑠𝑡𝑜𝑙𝑧𝑒 𝐾𝑟𝑒𝑎𝑡𝑢𝑟 𝑏𝑖𝑛 𝑖𝑐ℎ 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑒𝑚𝑝𝑓𝑖𝑛𝑑𝑙𝑖𝑐ℎ, 𝑎𝑏𝑒𝑟 𝑑𝑖𝑒 𝐿𝑎𝑔𝑒 𝑖𝑠𝑡 𝑒𝑖𝑛𝑓𝑎𝑐ℎ...

verstehend nickte Jake und strich mir über den Handrücken. Das beruhigte mich etwas und ich schloss die Augen. Ein tiefes Grummeln entfuhr mir und ich schlug mir die Hand vor den Mund. "Wow. Muss was großes sein." flüsterte mein Gefährte und lächelte mich an. "Es fühlt sich komisch an, einen Gefährten zu haben." meinte ich und kuschelte mich einfach an ihn. Zufrieden grummelnd streichelte er mir über den Kopf und drückte mich näher zu sich. Dass es ein Junge werden würde, hatte ich schon gehofft, da ich schwul war und ich sie einfach leichter zu verstehen fand. Aber wieso gerade jetzt?... ich war doch glücklich mit dem Leben, das ich mir errichtet hatte.
Da wurde mir schlagartig klar, dass es kurz bevorstand. Mein Schicksal, die Welt der Wandler anzuführen. Ob im Krieg oder in Frieden... Und ich hatte Angst. Höllische Angst.

.
Zuhause verzog ich mich in mein Zimmer und nahm gleich die Zeitung mit. Mit Jake hatte ich Nummern ausgetauscht und wir haben uns wieder verabredet. Seufzend blätterte ich die Zeitung durch und blieb beim Bericht des hohen Rates stehen. Der hohe Rat war anstatt der Wächter der, der alles leitete. Ersatz sozusagen. Aber man merkte, dass es die Wächter nicht umsonst gab. Die Angriffe der Rebellion an den Fronten wurden immer mehr und verteilten sich flächenmäßig zu mehreren Dörfern hin. Die Rebellion bestand aus Wandlern, die sich gegen den Rat gestellt haben und die Dörfer oder Ratshäuser angriffen. Es wurden zeitlich immer mehr und die Strategien des Rates änderten sich nicht. Der Rat bestand derzeit aus neun Mitgliedern. Alles normale Wandler, meißtens AnführerInnen eines Rudels oder etc. Ich musste mit ihnen reden, das wusste ich aber dazu müssten sie von meiner zweiten Gestalt wissen. Im Moment war mein innerer Drache ja auch aus dem Häuschen, wegen Jake. Und eben genau jetzt. Ich sollte mich bald mal verwandeln um mich zu beruhigen. Langsam bekam ich Kopfschmerzen, weil ich den Drachen in mir immernoch unterdrückte. Frustriert warf ich die Zeitung auf den Schreibtisch und hielt mir den Kopf.
Wieso nur ich?... Hätte nicht jemand anderes diese Aufgabe bekommen können?...

𝐵𝑟𝑢𝑑𝑒𝑟ℎ𝑒𝑟𝑧, 𝑤𝑎𝑠 𝑖𝑠𝑡 𝑙𝑜𝑠? 𝐼𝑐ℎ 𝑠𝑝𝑢̈𝑟𝑒 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑧𝑤𝑒𝑖𝑡𝑒 𝐺𝑒𝑠𝑡𝑎𝑙𝑡 𝑟𝑒𝑏𝑒𝑙𝑙𝑖𝑒𝑟𝑒𝑛.

𝑁𝑖𝑐ℎ𝑡𝑠, 𝑠𝑐ℎ𝑜𝑛 𝑜𝑘. 𝐼𝑐ℎ 𝑔𝑒ℎ 𝑒𝑡𝑤𝑎𝑠 𝑟𝑎𝑢𝑠, 𝑤𝑢𝑛𝑑𝑒𝑟 𝑑𝑖𝑐ℎ 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡, 𝑤𝑒𝑛𝑛 𝑖𝑐ℎ 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑧𝑢ℎ𝑎𝑢𝑠𝑒 𝑏𝑖𝑛.

erklärte ich Lia und stand schwankend auf. Sie war noch in der Schule, aber spürte es trotzdem. Ich rannte einfach aus der Wohnung, hinunter ins Erdgeschoss, drückte die Haupttür auf und lief richtung Hügel. Ganz in der Nähe war ein Hügel, vom Wald umgeben und einsam, auf dem ich mich gut verwandeln konnte. Der Nachteil an meiner Gestalt war, dass sie so groß war. Es sollte angeblich eine Möglichkeit geben, wie die Wächter ihre Größe bei jeder Verwandlung ändern konnten, aber die musste ich erst herrausfinden.

Keuchend kam ich bei einer von Blumen verzierten Wiese an, neben der sich der Wald kilometerweit nach hinten zog. Hier kam ich öfters hin, aber nie hatte ich mich hier verwandelt.

𝑩𝒍𝒖𝒕 𝒅𝒆𝒓 𝑫𝒓𝒂𝒄𝒉𝒆𝒏  -𝐷𝑒𝑟 𝑙𝑒𝑡𝑧𝑡𝑒 𝑊𝑎̈𝑐ℎ𝑡𝑒𝑟Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt