Kapitel 16

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Kapitel 16

"Aps aufstehen", reißt Harrys raue Stimme mich aus dem schlaf. Ich strecke mich einmal bevor ich die Augen aufschlage. Ich weiß genau das ich ab heute wieder in die Schule muss. Und doch will ich es nicht wahr haben.

Durch die Ferien hat sich alles verändert. Ich habe mich verändert. Und das unwiederruflich. Ich spüre wie mir ein Kuss auf die Wange gehaucht wird. Genießerisch schließe ich nochmal einen Moment die Augen.

"Aufstehen, sonst kommst du zu Spät", ermahnt Harry mich nochmal. Ich zwinge mich dazu, die Augen offen zu halten und mich aus meiner schönen Hülle aus Decken zu befreien.

Meine Tasche steht schon gepackt in der Ecke. Ich schleiche ins Bad und lasse das lauwarme Wasser auf mich herunterprasseln.

Zwanzig Minuten später komme ich komplett fertig die Treppe runter. Harry sitzt ebenfalls fertig angezogen in der Küche.

"Ihr musst doch erst um zehn da sein, dachte ich?", frage ich verwundert.

"Na und? Irgendwie musst du ja auch zur Schule kommen", stellt er grinsend fest.

"Weißt du 'normale' Schüler nehmen einfach die U-Bahn wie ich es schon mein ganzes Leben mache", erkläre ich ihm ebenfalls grinsend.

"Du bist aber alles andere als 'normal'", stellt er fest.

"In gewissen Hinsichten wäre es schön normal zu sein. Zum Beispiel ist es für mich nicht normal mit 16 zu seinem Freund zu ziehen. Ich will wenigstens so ein bisschen was von Normalität in meinem Leben haben", erkläre ich ihm.

Er denkt einen Moment über meine Worte nach: "Weißt du was? Wir fangen heute nochmal von vorne an und vergessen all das schreckliche Dingen, ok?"

Ich nicke zufrieden: "Gute Idee" Wir besiegeln die Abmachmung feierlich mit einem Handschlag.

***

"Baby you light up my world like nobody else. The Way that yoh flip your hair gehts me overwhelmed. But wenn you smile at the ground it ain't hard to tell. You don't know. You don't know youre beautiful"

Laut singen wir mit. Es hat irgendwas von Schicksal das ausgerechnte heute morgen und jetzt das Lied gespielt wird. Aber auch das hilft nicht, dass ich nervöser werde, umso näher wir der Schule kommen.

Ihr Zwirble das Haargummi für den Sportunterricht immer wieder zwischen meinen Fingern. Schließlich hält Harrys schicker Sportwagen auf dem Parkplatz für die älteren Schüler und Lehrer.

Ich bin noch so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht mitbekomme wie Harry aussteigt und mir die Tür aufhält. Mein Körper sagt instinktiv Nein und doch steige ich aus.

Irgendwie freue ich mich ja doch meine Freunde wieder zu sehen. Ja man will es kaum glauben, aber ich habe neben Bev und Audrey auch noch andere Freunde. Leider ist der Kontakt diese Ferien irgendwie verschwunden, was sicherlich mit den vielen Katastrophen zu tun hatte.

Ich lehne mich mit dem Rücken an sein Auto. Immer wieder öffne und schließe ich den Knopf seines dunkelblauen Blazers.

"Lächle doch mal. Vielleicht macht dir die Schule ja heute Spaß", versucht er mich aufzumuntern. Ich ziehe bloß eine Grimasse und erkläre ihm: "Schule und Spaß dürfen nur in einem Satz stehen, wenn sie durch ein 'nicht' getrennt werden!"

"Ich muss jetzt los", meint er. Ich nicke, aber eigentlich will ich nicht das er geht. Er zieht mich kurz zu sich ran und presst sein Lippen sanft auf meine.

"Viel Spaß", säuselt er.

"Harry!", ermahne ich ihn streng. Er hebt ergebend die Hände und steigt ein. Als sein Auto verschwunden ist stehe ich ein Moment orientierungslos herum. Dann schultere ich meine Tasche.

Eigentlich habe ich mich wegen des Geldes immer für ein graues Mäuschen gehalten. Ich hatte meinen festen Freudeskreis und mir passierte, mal abgesehen von meiner großen Klappe, selten was spannendes.

Jetzt komme ich mir vor wie ein bunter Hund. Auch wenn sie es nicht auffällig machen wollen, schauen fast alle Mädchen und auch einige Jungs zu mir.

Ich bin froh als ich endlich Daves freundliches Gesicht mit den vielen Sommersprossen ausmachen kann. Direkt neben ihm taucht Josh auf. Locker schüttelt er sich die blonden Surferhaare aus dem Gesicht und winkt mir zu.

Audrey, Beverly, Josh, Dave und ich. Wir waren fast immer zusammen. Gingen am Wochenende fast immer zusammen weg. Aber in den Ferien zog jeder sein eigenes Ding durch. Beide ziehen mich sofort in ihre Arme. Es ist unglaublich schön sie wieder zu sehen.

"April. Schön das du wieder unter den lebenden bist! Warum hast du dich nie gemeldet?", fragt Dave prompt. Ich mag ihn, weil er ähnlich direkt ist wie ich.

"Meine Ferie waren ein wenig...", ich suche verzweifelt nach dem richtigen Wort: "...chaotisch" Ich denke das trifft es ganz gut.

"Und du bist jetzt wirklich mit ihm zusammen?", fährt Josh die ausfragerei fort. "Woher wisst ihr -", setze ich an, werde aber unterbrochen.

"Zum einen habt ihr euch eben geküsst und zum anderen kennt das Internet und vorallem Facebook kein anderes Thema. Jeder von unserer Schule gibt damit an dich zu kennen. Hast du in letzter Zeit mal auf FB geguckt? Dich kann man jetzt nur noch abonnieren und keine Freundschaftsanfrage mehr verschicken, es sei denn man war schon vorher mit dir befreundet", klärt er mich auf. Ich nicke langsam. Das muss ich erstmal sacken lassen.

"Ist es echt so schlimm?", versichere ich mich nochmal. Beide Jungs nicken aufrichtig.

"Das ist wohl das Schicksal der Freundin von Harry Styles. Alle Gruppen stellen auch verrückte Vermutungen an. Ein Beispiel: Du bist die erste nicht blonde Freundin und das soll wohl heißen, dass du bisher am besten für ihn bist. Krank oder?", schmunzelt Josh und schüttelt abwertend den Kopf.

Ich kann es ihm nur gleichtun und will eigentlich noch was sagen, aber das Läuten unterbricht unser Gespräch.

Schnell gehen wir Richtung Sporthalle.

Vor der Umkleide kann ich schon den Lärm der Mädchen zu hören. Ich weiß genau wie unangenehm das gleich wird. Blondie war schon immer in Harry verknallt. Sie wird mich köpfen und vierteilen.

Ich Gegensatz zu mir, war sie nämlich so unrealistisch und hat tatsächlich geglaubt, dass ihre 'Beziehung' eine Chance hätte oder überhaupt erst zu Stande kommen würde. Für mich war das alles auch irgendwie nur Schwärmerei gewesen.

Josh nickt mir aufmunternd zu. Ich atme tief durch und drücke die Klinke herunter. Sofort vernehme ich das übliche Geschrei der Mädchen, die sich bereits umziehen.

Als sie erkennen umarme ich einige Leute. Ich bin zwar nicht direkt mit ihnen befreundet, aber wenn man sich so lange nicht gesehen hat, ist man doch froh sich wieder zu haben.

Schnell wechsle ich die wirklich hässliche Schuluniform, gegen meinen dunkelblauen Short und knallrotes T-shirt. Ich höre Bev, die neben mir fröhlich alles mögliche erzàlt, nur mit halbem Ohr zu.

Erst als ich aufstehen und in Richtung Halle gehen will, bemerke ich, dass alle Blicke auf mich gerichtete sind und mir zudem noch der Weg versperrt wird.

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