Ein unerwartetes Angebot

87 5 4
                                        

Samanthas Glücksgefühle und Zufriedenheit waren auf einen Schlag wie weggewischt. Sofort griffen die Erwachsenen zu ihren Waffen, während Samantha bereits die Leiter zum Wachturm hinaufstieg. Ihr folgten Maggie und Daryl. Ein gutes Dutzend Soldaten in auffälligen weißen Anzügen kamen auf Alexandria zu. Eine Gänsehaut kroch Samanthas Arme hinauf.

„Gehören die zu euch?", wollte Jerry wissen.

Als Antwort schnappte sich Samantha Jerrys Bogen und einen Pfeil und spannte. Daryl und Maggie, die inzwischen ebenfalls am Wachturm angekommen waren, taten es ihr gleich.

„Wohl eher nicht", murmelte Jerry dann in seinen Bart hinein.

„Alle zu den Waffen. Bereitmachen", brüllte Daryl nach unten.

Einige dieser Kerle zielten bereits mit ihren Gewehren auf sie, als eine Stimme erklang. Ein Mann lief zwischen den Soldaten hindurch und hatte die Hände beschwichtigend erhoben. Samantha kniff die Augen zusammen und erkannte schließlich Eugene.

„Nein, nein, nein! Wartet! Wir sind alle Freunde", rief er ihnen zu und lächelte, „wir sind hier, um zu helfen."

Nur zögerlich senkten sie ihre Waffen und öffneten daraufhin noch zögerlicher das Tor. Daryl schilderte Samantha in wenigen Worten, dass Eugene, Ezekiel und Yumiko kurz nach ihrer Flucht in das Krankenhaus aufgebrochen waren, um Hilfe zu suchen, da Eugene zuvor mit einer Frau aus einer größeren Gemeinschaft Funkkontakt gehalten und diese für vertrauenswürdig befunden hatte.

Die Soldaten betraten nun Alexandria. Trotz Eugenes Versicherung, waren alle angespannt und ließen die Soldaten nicht eine Sekunde aus den Augen. Sie hatten einen Planwagen dabei, der bis zum Dach hin vollbeladen war. Während die Soldaten ihre Fracht abluden, die aus Lebensmitteln und Sprit bestand, versammelten sich alle Bewohner vor der mit Brandspuren übersäten Kirche und Eugene stellte sich vor ihnen allen hin, um zu erzählen, was seit seiner Abreise passiert war.

„Ezekiel, Yumiko und ich begaben uns auf eine Reise, um in unseren dunkelsten Zeiten Hoffnung zu finden. Und wir haben buchstäblich den Jackpot geknackt. Ich trete lieber zur Seite, damit ihr es aus erster Hand erfahrt. Bitte begrüßt also jetzt Mr. Lance Hornsby, den diplomatischen Vertreter des Commonwealth."

Nun trat ein Kerl, der ein breites Lächeln aufgesetzt hatte und in einen grauen Anzug und Krawatte trug, vor sie und Eugene trat seinerseits zurück. Samantha zog die Augenbrauen skeptisch zusammen und musterte den Kerl.

„Hallo, ich bin Lance. Danke, dass ihr uns hier willkommen heißt. Ich muss sagen, ich bin beeindruckt von dem, was ihr hier alles erschaffen habt und in euren anderen Gemeinden. Und ich sehe, dass ihr viel durchgemacht habt. Und da ist das Commonwealth mehr als bereit, um zu helfen. Wenn ihr bleiben wollt, können wir euch Arbeitskräfte und Material zur Verfügung stellen, um alles wieder aufbauen zu können. Aber falls jemand Interesse hat, habe ich eine andere und vielleicht sehr viel attraktivere Möglichkeit anzubieten. Wir können allen, die sich dem Commonwealth anschließen wollen, einen Platz in unserer Gemeinschaft anbieten. Unsere Gemeinschaft ist der Welt vor dem Fall sehr ähnlich und umfasst etwa 50.000 Leute."

Als Hornsby diese Zahl sackte, holten erst einmal alle tief Luft. Ein leises Murmeln ging durch die Reihen und nicht wenige starrten in Eugenes Richtung, der jedoch nur lächelnd nickte, während Hornsby bereits weitererzählte.

„Wir haben eine Regierung, die Leute haben Jobs, es wird mit Geld bezahlt – es ist eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität, in der wir für jeden von euch einen Platz finden. Natürlich erwarte ich nicht, dass ihr euch alle jetzt sofort entscheiden werdet. Stattdessen möchte ich euch eine Nacht Bedenkzeit geben. Wir werden erst morgen den Heimweg antreten, daher können uns diejenigen von euch, die dieses Angebot annehmen wollen, gerne begleiten. Dieses Angebot bleibt aber bis auf weiteres bestehen. Sollte uns jemand morgen nicht begleiten, aber zu einem späteren Zeitpunkt entschließen, dass er im Commonwealth leben möchte, so ist er oder sie jederzeit bei uns willkommen. Ich werde nun nicht weiter eure kostbare Zeit in Anspruch nehmen und für die, die uns gerne begleiten möchten – wir reisen morgen früh ab."

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt