Der Wunsch nach Rache

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In der Krankenstation blieben sie dann alle an Eugenes Seite. Er war inzwischen ärztlich versorgt worden und hatte einen Verband über seiner Wunde. Rosita saß bei ihm und hielt seine Hand. Samantha saß auf einem Stuhl, hatte den Kopf in beide Hände gestützt und starrte auf den Boden. Daryl stand beim Fenster und seufzte. Da ging plötzlich die Tür auf und Abraham kam herein.

„Rick kommt gleich", teilte er ihnen mit, „wie geht's ihm?"

„Eine Kugel hat ihn nur gestreift, aber gut, dass wir ihn hergebracht haben. Die Antibiotika, die wir besorgt haben, könnten ihn vor einer Infektion bewahren. Das könnte sein Leben retten, das verdankt er Denise", meinte Rosita und sah dann zu Eugene, der plötzlich angefangen hatte zu husten und sich zu rühren, „bist du da?"

„Anwesend", lautete seine knappe Antwort.

Abraham und Rosita lächelten.

„Ich wollte nicht, dass sie dich töten", sagte Eugene dann zu Abraham, „hab nur auf eine Gelegenheit gewartet."

„War die richtige."

„Entschuldigst du dich, weil du mich in Frage gestellt hast?"

„Entschuldige, dass ich dich in Frage gestellt habe. Du weißt, wie man in einen Schwanz beißt. Und ich sage das mit dem größten Respekt. Willkommen in Phase zwei."

Unter anderen Umständen hätte Samantha über Abrahams Worte gelacht, doch im Moment rasten so viele Gedanken durch ihren Schädel, dass er beinahe zu platzen schien.

Am Nachmittag fuhr Daryl noch einmal los, um Denise' Leiche zu holen. Carol begleitete ihn. Samantha wollte nicht noch einmal an diesen Ort zurückkehren. Anschließend begruben die beiden Denise am Friedhof, auch hiervon blieb Samantha fern. Sie wusste, dass sie sich dafür später Vorwürfe machen würde, doch im Augenblick konnte sie einfach nicht anders. Die ganze Zeit über verbrachte sie in ihrem und Daryls Schlafzimmer. Sie saß auf dem Boden, an die Wand gelehnt, hatte die Beine angezogen und ihre Arme um ihre Knie geschlungen.

Als die Sonne schließlich unterging, ging die Tür auf und Daryl kam herein. Samantha schaute nicht auf. Daryl kam auf sie zu und setzte sich neben sie, sah sie besorgt an. Dann legte er ihr die Hand auf den Arm und drückte ihn sanft.

„Bist du okay?", fragte er dann.

Samantha schüttelte den Kopf und sah Daryl dann voller Schuldgefühle an.

„Nein, bin ich nicht", sagte sie dann leise, „nichts ist okay. Ich hätte Dwight töten können, aber ich habe ihn nur in den Arm getroffen, weil ich vor den Schüssen in Deckung gegangen bin. Und Denise... sie... das letzte, was ich zu ihr gesagt hab, war, dass sie... dass sie belanglos ist. Wie konnt ich das nur sagen? Und Tara, wie sollen wir..."

„Hör auf damit", unterbrach Daryl sie dann sanft.

Samantha begann damit, den Kopf zu schütteln und sah zur Seite.

„Sieh' mich an", sagte Daryl dann und als sie seiner Bitte nicht folgte, nahm er ihr Kinn sanft zwischen Daumen und Zeigefinger und brachte sie damit dazu, ihn anzusehen, „hör auf, dir die Schuld für das alles zu geben. Nichts davon ist deine Schuld. Schluss mit den Schuldgefühlen. Wir versuchen alles, um die Welt in der wir leben, besser zu machen. Dass Scheiße passiert, können wir nicht immer verhindern. So ist es heutzutage nun mal."

Samantha sah Daryl lange an, dann nickte sie schließlich, obwohl ihr die Tränen in den Augen standen.

„Na komm her", sagte Daryl dann mit sanfter Stimme.

Er legte seinen Arm um Samanthas Schultern und drückte sie an sich. Er küsste sie sanft auf den Kopf und Samantha kuschelte sich an ihn, während er ihr beruhigend über den Arm streichelte.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt