Acht

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Samantha versteinerte mitten in der Bewegung. Ärger lag in der Luft. Gewaltiger Ärger. Sie wusste nicht, was mit Daryl passiert war, oder was der Mann mit ihm gemacht hatte, dass er ihr nicht antwortete. Doch ihr blieb keine Zeit, jetzt darüber nachzugrübeln. Samantha wusste lediglich, dass der Armbrustschütze ihr offenbar nicht helfen konnte bei dem, was auch immer sie erwartete.

„Janice, Annabeth, nehmt eure Brüder und kommt hinter mich", wies sie ihre Kinder knapp an.

Ihre Augen verweilten weiterhin auf dem Fremden, der inzwischen jedoch nicht mehr allein in der Tür stand. Zwei weitere hatten sich zu ihm gesellt. Ihre Töchter taten unverzüglich, was sie gesagt hatte. Sie hatten früh gelernt, dass sie immer tun mussten, was ihre Eltern ihnen sagten. Ohne Ausnahme.

Kaum merklich ging Samantha in die Hocke, als noch drei weitere Männer zu den bereits Anwesenden stießen. Ihre Hände glitten zu ihren Hüften, an denen die Macheten in ihren Holstern steckten. Noch zwei weitere Männer kamen mit selbstsicheren Schritten durch die Tür und stellten sich in einer Reihe mit den anderen auf. Samanthas Finger schlossen sich um die Griffe ihrer Macheten.

„Messer raus. Denkt an das, was Daddy und ich euch beigebracht haben. Kein Zögern. Keine Gnade", sagte Samantha zu ihren Kindern, ohne den Blick von den Männern vor sich zu nehmen.

Sie antworteten nicht, doch Samantha wusste, dass sie taten, was sie sagte. In dem Moment zog sie ihre Macheten aus den Holstern und hielt sie kampfbereit, während sie ihr Gewicht verlagerte und ihren Körper anspannte, wie ein Raubtier, bereit zum Sprung.

„Süß", stellte der Mann, der als erstes durch die Tür gekommen war, mit einem süffisanten Grinsen fest.

Ihr Blick glitt über die Männer, die sich in einer Reihe vor ihr aufgebaut hatten. Es waren acht. Bei dieser Anzahl lief Samantha ein kalter Schauer über den Rücken. Nicht, weil sie sich nicht aussah, gegen sie anzutreten, sondern weil sie sich plötzlich an den Tag zurückversetzt fühlte, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben Menschen hatte töten müssen.

Damals war sie in einem Army Shop gewesen und hatte sich die beiden Macheten besorgt, um sich auch im Nahkampf gegen die Toten verteidigen zu können. Der Bogen allein war dafür nicht geeignet. Plötzlich war eine Gruppe von acht Männern erschienen, die sich zuerst freundlich und hilfsbereit gegeben hatten. Doch Samantha hatte schnell erkannt, dass sie üble Absichten verfolgt hatten.

Als sie immer zudringlicher wurden und der erste versucht hatte, sie zu packen, hatte sie prompt reagiert. Sie war mit den Macheten damals noch nicht geübt gewesen, weshalb es ein völlig chaotisches Gemetzel gewesen war. Doch sie hatte es geschafft, jeden einzelnen von ihnen zu töten. Damit ihr so etwas nicht noch einmal passieren konnte, hatte sie sich in die Wälder von Georgia zurückgezogen und ein Jahr lang allein auf einem Hochstand gelebt, bis sie Daryl getroffen hatte.

Diesmal allerdings war es etwas anderes. Zwar hatte sie ihre Kampffähigkeiten mit den Macheten so weit wie möglich perfektioniert. Allerdings wirkten diese Männer nicht wie die Kerle, die sie damals überfallen hatten. Irgendwas verriet ihr, dass diese hier wussten, wie man kämpfte.

Außerdem schaffte es Samantha nicht, sich vollständig auf den bevorstehenden Kampf zu konzentrieren. Sie wusste nicht, was mit Daryl passiert war. Doch da die Männer hier drin waren und von Daryl jede Spur fehlte, musste sie schon beinahe davon ausgehen, dass er tot war. Allein daran zu denken, schmerzte so sehr, dass sie kaum einen klaren Gedanken fassen konnte.

Es ging außerdem nicht nur um ihr Leben. Es ging auch um das Leben ihrer Kinder. Sie musste kämpfen und gleichzeitig ihre Kinder beschützen. Es war kein bloßes töten oder getötet werden, wie beim letzten Mal, als sie einer solchen Übermacht gegenübergestanden hatte. Jetzt galt es alles zu verteidigen, was sie liebte. Sie durfte sich keinen Fehler erlauben, wenn sie das schaffen wollte.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt