Ein Neuanfang

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Die nächsten Wochen flogen regelrecht an ihnen vorbei. Die Tage verschwammen miteinander. Das Commonwealth war nicht mehr das, was es einst gewesen war. Doch es stand noch. Nicht unversehrt und auch nicht vollständig. Aber es stand.

Alle waren damit beschäftigt, das Commonwealth wieder aufzubauen. Jeder half mit, völlig egal, welchen Job er vor dem Eindringen der Beißer in die Stadt gehabt hatte, und trug das bei, was er beitragen konnte. Überall wurde gearbeitet. Mauern wurden ausgebessert, die Straßen freigeräumt, Beißer aus der Stadt geschafft, Tote bestattet. Die Stimmen der Leute hallten durch die Viertel. Zuerst nur beklommen und zaghaft. Doch je mehr Zeit verging, desto leichter wurden sie. Als heilten die Menschen in demselben Tempo wie die Stadt.

Samantha war stets mitten im Geschehen. Und sie hörte den Menschen zu. Lauschte ihren Wünschen und Bedürfnissen. Jeder äußerte sich unterschiedlich. Viele waren wütend, andere fühlten sich hilflos. Im Grunde genommen wollten und brauchten sie jedoch alle dasselbe. Struktur und jemanden, der genau wusste, was er tat. Jemanden der Teil des Volks war und dennoch in der Lage, schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn erforderlich.

Sehr oft hörte Samantha den Satz, dass „die da oben" alle gleich wären. Und sie beantwortete diesen Satz jedes Mal gleich: An der Spitze sollte stets jemand stehen, der dort gar nicht sein will.

Sie hielt keine großen Ansprachen vor versammelter Menge oder versprach den Menschen eine glorreiche Zukunft. Doch sie sprach mit allen und sagte Dinge, die bei jedermann hängen blieben. Und je mehr Zeit verging, desto mehr tendierten die Menschen in eine bestimmte Richtung, zu einem bestimmten Mann, den sie eines Anführers für würdig befanden.

Samantha hatte seinen Namen nie gesagt, dennoch war es die ganze Zeit über ihr Ziel gewesen, dass die Menschen erkannten, dass es keinen besseren Mann für diese Position gab. Nicht im Commonwealth und vielleicht auch nirgendwo sonst.

Ezekiel.

Er war stets bestrebt gewesen, den Leuten zu helfen. Die Menschen waren es, für die sein Herz schlug, für die er immer kämpfte. Und genau daran erinnerten sie sich auch.

Doch es gab noch einen zweiten Namen, der immer häufiger fiel. Der Name des Mannes, der sie über Jahre hinweg immer beschützt hatte, innerhalb und außerhalb dieser Mauern. Er sprach zwar nur wenig und hielt sich gerne im Hintergrund. Doch er beobachtete stets, was vor sich ging. Und hörte aufmerksam zu.

Und genau deshalb sahen die Menschen auch zu ihm auf. Er war für sie eingestanden und hatte eingegriffen, als es nötig war. Und er hatte sich vor sie gestellt, ohne je etwas dafür zu verlangen. Immer.

Mercer.

Samantha musste niemanden beeinflussen, damit die Menschen erkannten, dass diese beiden es waren, die sie in eine sichere Zukunft führen konnten. Sie musste lediglich dafür sorgen, dass die richtigen Menschen zur richtigen Zeit die richtigen Fragen stellten. Und das konnte sie.

Irgendwann war Samantha nur noch eine stille Zuhörerin. Die Gespräche zwischen den Menschen ähnelten sich immer mehr. Die einzelnen Stimmen wurden zu einem kollektiven Einverständnis. Und als drei Monate nach dem Einfall der Beißer schließlich die Wahl stattfand, wunderte es Samantha nicht, dass sich die Bürger des Commonwealth einstimmig für eine Führung durch diese beiden Männer aussprachen. Es war wie eine Entscheidung, die längst getroffen worden war.

Samantha strahlte über beide Ohren, während sie den beiden applaudierte. Ebenso wie die anderen Menschen auf dem Platz, die ihren neuen Gouverneur und seinen Stellvertreter bejubelten. Sie beobachtete Ezekiel und Mercer, wie sie auf die improvisierte Bühne stiegen. Ezekiel war in seinem Element, während Mercer noch ein wenig Schwierigkeiten damit hatte, im Mittelpunkt zu stehen. Samantha hegte keinen Zweifel daran, dass diese beiden Männer der bestmögliche Neuanfang für das Commonwealth waren.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt