Neue Wege

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Seit Mercer den Job des Vize-Gouverneurs hatte, herrschte im PD das Chaos. Vickers führte sie an, so gut sie konnte, doch sie war eben nicht Mercer. Nachdem der Wiederaufbau abgeschlossen war, hatten Daryl und Samantha wieder angefangen, dort zu arbeiten. Denn gerade jetzt, wo diese neuen Beißer aufgetaucht waren, brauchten sie an den Mauern jeden einzelnen, der gut mit einem Gewehr umgehen konnte.

Vickers kümmerte sich wenig darum, wer mit wem am besten zusammenarbeitete, sie teilte oft willkürlich Leute für die Sektoren ein. Sie war mit dem Posten als General maßlos überfordert, wollte es aber nicht zugeben. Samantha hatte einmal einen Versuch gestartet, ihr Unterstützung anzubieten, doch Vickers hatte dieses Angebot stolz abgeschmettert.

Zudem weigerten Daryl und Samantha sich vehement, die Anzüge zu tragen. Nicht nur einmal waren sie deshalb mit Vickers aneinandergeraten, die darauf zu bestehen versuchte. Doch beide hatten ihr ein ums andere Mal klargemacht, dass sie entweder ohne Anzug für das PD arbeiten würden oder eben gar nicht. Das war jedes Mal der Punkt gewesen, wo sie nicht mehr viel entgegensetzen konnte. Denn das Commonwealth hatte bereits zu viele fähige Kämpfer verloren. Vickers brauchte also jeden einzelnen von ihnen.

Als Samantha eines Tages nach ihrer Schicht ins PD kam, sah sie sich suchend nach Daryl um, konnte ihn aber nirgendwo entdecken. Sie war sogar selbst spät dran, konnte sich aber nicht vorstellen, dass er schon ohne sie gegangen war. Doch auch die Dienstzeiten, waren nicht mehr das, was sie früher gewesen waren. Oft mussten sie mehrere Stunden überziehen, bis die Ablöse endlich auftauchte. Nicht etwa, weil die Soldaten unzuverlässig waren, sondern weil die ganze Organisation im Eimer war.

Doch immerhin, gab es mit der Kinderbetreuung nie Probleme. Das hatten sie jedoch auch nur Samanthas Mutter zu verdanken, die die Kinder immer mit Freuden nahm, wenn Daryl und Samantha arbeiten mussten, und der Kindergarten keine Option war. Für Janice, Annabeth, Paul und Rovia war Anna bereits ein fixer Bestandteil ihres Lebens. Die vier hielten sie ganz schön auf Trab, doch bisher hatte sie sich noch nie beschwert.

Anfangs hatte Samantha noch Bedenken gehabt, ob es wirklich eine kluge Entscheidung gewesen war, ihrer Mutter noch eine Chance zu geben. Doch sie hatte sie nicht enttäuscht. Sie hatte sich als liebevolle Großmutter herausgestellt. Außerdem behandelte sie Daryl mit dem Maß an Respekt und Wärme, das Samantha sich auch erwartet hatte, nachdem sie ihren Irrtum eingestanden hatte.

Außerdem hatten sie ihr zur Probe aufs Exempel tatsächlich Merle vorgesetzt. Samantha hatte ihrer Mutter ansehen können, dass sie nach einer Stunde mit ihm im selben Raum fix und fertig gewesen war. Doch sie hatte nichts gesagt. Und Samantha konnte ihr diese Reaktion auch kaum verübeln. Denn auch sie selbst fand Merle anstrengend. Doch im Gegensatz zu ihrer Mutter, wusste sie inzwischen ganz genau, wie sie ihn anpacken musste.

Bis auf gelegentliche Streitigkeiten zwischen Anna und Merle, die Samantha und Daryl aber insgeheim amüsierten, weshalb sie sich auch nie einmischten, kamen die beiden recht gut miteinander aus.

„Dixon, hast du einen Moment?"

Vickers' Stimme riss Samantha aus ihren Gedanken. Seit dem Zwischenfall am Tor in der Siedlung, hatte Vickers sie nie wieder mit ihrem Mädchennamen angesprochen. Und wenn Daryl und Samantha im selben Raum war, rief sie zusätzlich noch den Vornamen, um Verwechslungen zu vermeiden.

Samantha fuhr zu Vickers herum, die in der Tür zu Mercers altem Büro stand. Sie legte die Stirn in Falten, nickte aber. Denn was auch immer sie wollte, es war bestimmt kein Smalltalk. Innerlich bereitete sie sich schon auf alle möglichen Eventualitäten vor, was sie sich nun würde anhören können.

„Was gibt's?", fragte sie möglichst beiläufig, während sie auf das Büro zuging.

Vickers antwortete ihr nicht, sondern wies nur stumm in das Büro, während sie ihr die Tür aufhielt. Samantha warf ihr einen skeptischen Blick zu, als sie an ihr vorbeiging. Doch als sie das Büro betreten hatte, hellte sich ihr Blick auf, als sie Mercer an seinem alten Schreibtisch sitzend vorfand.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt