Die Vermissten

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Bis zum nächsten Morgen hatte Samantha wieder nicht geschlafen. So konnte es einfach nicht weitergehen. Sie musste fort von hier, und sie wusste auch schon, wohin sie gehen würde – nach Hilltop. Zwar war es schmerzhaft für sie, am selben Ort wie Maggie und ihr Sohn zu sein, doch alles war besser als hier.

Im Morgengrauen fasste Samantha ihren Entschluss. Sie stieg vom Baum herunter und machte sich auf den Weg zu ihrem Zelt. Sie ging einen Umweg, um nicht an Daryls Unterkunft vorbei zu müssen. Im Zelt angekommen packte sie ihre wenigen Habseligkeiten und machte sich auf den Weg. Sie wollte sich nicht verabschieden und keinem Bescheid sagen – sie wollte einfach nur fort von hier.

Doch ganz so einfach hatte sie es nicht. Als sie gerade zwischen den Zelten hindurch ging, kamen ihr einige Saviors entgegen. Unter ihnen waren auch Jed und Laura.

„Weißt du, wo Justin ist?", fragte Laura freundlich.

Die Saviors wussten, dass Samantha und Justin gute Freunde waren. Vermutlich hatten sie sie bereits gesucht, um ihr diese Frage stellen zu können.

„Ja, er kam gestern kurz nach Mitternacht zu mir und sagte, dass er sich auf den Weg zurück zum Sanctuary machen würde", erklärte Samantha und ließ den Teil, in dem Justin mit Rick aneinandergeraten war, absichtlich aus.

Laura nickte und bedankte sich bei ihr. Dann entdeckte sie, dass die junge Frau abreisen wollte und fragte, wohin sie ging. Da Hilltop und das Sanctuary in derselben Richtung lagen, jedenfalls eine Weile, bot die Frau Samantha an, doch mit ihnen zu kommen. Denn sie wollten sich trotzdem auf die Suche nach Justin machen. Immerhin waren schon zu viele Saviors einfach verschwunden.

Samantha willigte ein, obwohl ihr eigentlich nicht nach Gesellschaft zumute war. Ihr Weg führte sie lange durch den Wald. Als sie kurz vor der Straße waren, an der sie sich aufteilen würden, hörten sie das Klappern von Hufen. Sie beeilten sich, dorthin zu kommen und als sie aus dem Wald kamen und auf die Straße traten, entdeckten sie Maggie und einen Mann aus Hilltop, die mit dem Planwagen in Richtung Sanctuary fuhren. Auch Maggie wurde von den Saviors gefragt, ob sie Justin gesehen hatte, doch sie verneinte.

„Wohin fahrt ihr?", fragte Samantha dann.

„Zum Sanctuary, die versprochenen Vorräte liefern. Auch wenn wir den Sprit noch immer nicht bekommen haben", meinte Maggie mit einem Blick auf die Saviors, welche daraufhin versprachen, sich um dieses Problem schnellstmöglich zu kümmern.

„Kann ich bei euch mitfahren? Ich wollte sowieso nach Hilltop", fragte Samantha dann hoffnungsvoll, da sie nach inzwischen zwei schlaflosen Nächten völlig erschöpft war.

Maggie nickte. Die Saviors waren bereits weitergegangen. Doch noch bevor Maggie die Pferde wieder antrieb, hörte Samantha das Stöhnen eines Beißers. Sie wollte ihn noch erledigen, bevor sie zu Maggie auf den Planwagen sprang. Die junge Frau zog eine Machete aus ihrem Holster und ging in die Richtung, aus der sie das Geräusch näherkommen hörte.

Als der Beißer aber schließlich zwischen den Bäumen hervorgetrottet kam, hielt Samantha inne. Sie sog scharf Luft ein, legte den Kopf schief und strengte ihre Augen an, um besser sehen zu können. Doch es bestand kein Zweifel. Es war Justin, der da auf sie zukam. Sein Shirt war blutüberströmt, das Fleisch an Hals und Armen angefressen. Samantha entglitt die Machete und blieb mit einem klirrenden Geräusch am Boden liegen.

Tränen stiegen Samantha in die Augen und sie fasste sich an den Kopf, zog an ihren ungewohnt kurzen Haaren. Sie ging leicht in die Knie, konnte sich kaum auf den Beinen halten und taumelte. Hinter sich hörte sie Maggies Stimme, die immer wieder ihren Namen rief, während sie jedoch unfähig war, den Blick von dem Beißer zu wenden, der einmal Justin gewesen war. Er kam ihr immer näher und Samantha wusste, dass sie dem nun ein Ende machen musste.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt