Aus dem Ruder

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Es dämmerte bereits, als Samantha mit dem letzten Bürger vom Commonwealth sprach. Daryl hatte den ganzen Tag über mit den Kindern auf dem Spielplatz neben ihnen verbracht und trotzdem wirkte er nicht ausgelaugt. Die Mädchen schaukelten und die Jungs spielten im Sandkasten, als Daryl auf sie zukam.

„Na, hast du's geschafft?", wollte er wissen.

„Ja", antwortete Samantha erschöpft, „ich glaube so heiser war ich schon seit meinem ersten Unterrichtsjahr nicht mehr."

„So schlimm kann's gar nicht sein. Du quatscht doch immer so viel."

Samantha sah ihn mit gespielt beleidigter Miene an und gab ihm einen Klaps gegen den Oberarm. Daryl schmunzelte in sich hinein.

„Wenn du mich für so eine Quasselstrippe hältst, könntest du dir ja mehr Mühe geben, mich vom Reden abzuhalten", sagte sie dann leise und zog herausfordernd eine Augenbraue hoch, „und wenn ich dir dazu nicht genug Anreiz gebe, sollte ich dich vermutlich einfach noch mehr bequatschen."

Daryl warf ihr einen Blick von der Seite zu und musterte sie einen Moment, als stellte er sich gerade das vor, was sie zwischen den Zeilen angedeutet hatte. Dann schnaubte er amüsiert.

„Wie denn? Du hältst doch nur die Klappe, wenn du zwischendrin mal Luft holen musst", gab er zurück.

Samantha lachte schallend auf und auch Daryl musste grinsen. Gerade wollte sie sich zu den Kindern umdrehen und sie zu sich rufen, als sie ihren Namen hörte. Innerlich rechnete sie bereits damit, dass noch jemand vom Commonwealth das Gespräch mit ihr suchte. Doch als sie sich umwandte, blickte sie in das Gesicht ihrer Mutter.

Schlagartig war ihre gute Laune verflogen und das Lächeln wie aus ihrem Gesicht gewischt. Samantha zog die Augenbrauen zusammen, verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust und sah ihre Mutter kalt an.

„Ich hol dann mal die Kinder", sagte Daryl leise und ging zurück auf den Spielplatz.

„Was willst du?", fragte Samantha knapp.

„Was zwischen uns vorgefallen ist, tut mir schrecklich leid", begann Anna.

Samantha erwiderte ihren Blick stumm. Nicht ein einziger Muskel in ihrem Körper zuckte.

„Ich hatte gehofft, dass du mir vielleicht noch eine Chance...", fuhr Samanthas Mutter fort.

„Nein", schnitt Samantha ihr das Wort ab.

„Ich habe einen Fehler gemacht, das weiß ich jetzt."

„Das war kein Fehler. Das war deine Einstellung. Und zwar eine, die unverzeihlich ist."

Ehe Anna noch etwas sagen konnte, drehte Samantha am Stand um und ging auf ihre Kinder am Spielplatz zu. Daryl hatte die Zwillinge bereits auf dem Arm und sah ihr entgegen, während sie die Mädchen an der Hand nahm, als sie von der Schaukel gestiegen waren.

Samantha gab sich Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Und vor den Kindern gelang es ihr auch einigermaßen. Doch Daryl gegenüber war das natürlich unmöglich. Immer wieder spürte sie seinen Blick auf sich ruhen.

Nachdem sie die Kinder ins Bett gebracht hatten und Daryl sich neben sie auf die Couch fallen ließ, wusste sie bereits, dass er sie darauf ansprechen würde. Er sah sie eingehend an und suchte ihren Blick. Samantha erwiderte ihn und setzte in schwaches Lächeln auf.

„Ich nehme an, sie hat sich bei dir entschuldigt und um eine zweite Chance gebeten?", fragte Daryl geradeheraus.

Samantha schnaubte freudlos.

„Ja, allerdings. Nicht zu fassen, oder?", schimpfte Samantha leise, „aber ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben."

Daryl nickte langsam, während er sie musterte.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt