Eine Woche später waren sie bereits in einer anderen Wohnung. Offenbar hatte Hornsby gehalten, was er versprochen hatte. Denn der Umzug ging seit Daryls und Samanthas Aufnahme in die Commonwealth Army quasi über Nacht vonstatten. Schon am nächsten Tag, nachdem Mercer ihnen dies mitgeteilt hatte, hatte jemand vor ihrer Tür gestanden und sie gebeten, ihre Habseligkeiten zu packen, um in die neue Wohnung zu ziehen. Da sie nicht viel hatten, hatte es auch nicht sehr viel zu packen gegeben, weshalb sie sich auch sogleich auf den Weg hatten machen können.
Keine Stunde danach hatten sie sich auch schon in ihrer neuen Wohnung wiedergefunden, die mit der Einzimmerabsteige, die sie zuvor gehabt hatten, nicht im Ansatz zu vergleichen waren. Sie bestand aus einer großen Wohnküche, einem Wohnzimmer, zwei Badezimmern und drei Schlafzimmern. Außerdem war die Wohnung voll möbliert und sehr modern ausgestattet. Aber das Beste daran – sie war ruhig. Es war schon beinahe seltsam, nicht ständig die laute Musik oder das Gebrüll der Nachbarn ertragen zu müssen, sondern stattdessen einfach nur die Ruhe genießen zu können. Den Kindern gefiel es hier sehr, da es sie ein wenig an ihr Haus in Alexandria erinnerte und auch Daryl und Samantha fühlten sich wohl.
Am Abend vor ihrem offiziellen Dienstantritt, brachte ein Kurier ihre Uniformen. Während sie gerade die Kinder bereit fürs Bett machte, probierte Daryl die Uniform der Commonwealth Army an. Als Samantha ihn im Wohnzimmer sah, wo er sich gerade etwas unschlüssig im Spiegel betrachtete, hielt sie kurz inne und nickte anerkennend.
„Siehst scharf aus, Redneck", stellte sie fest.
„Ja, findest du?", fragte er und testete seine Beweglichkeit in der Rüstung aus, „meine normalen Klamotten wären mir lieber."
„Allerdings", meinte Samantha und zog eine Augenbraue hoch, „du hast echt Glück, dass ich die Kinder gleich ins Bett bringen muss, ansonsten würd ich dir die Uniform gleich wieder ausziehen."
Daryl drehte sich um und musterte Samantha, und sein Mundwinkel zuckte. Dann schüttelte er amüsiert den Kopf.
„Ich würde das ja nicht unbedingt als Glück bezeichnen", antwortete er und sah dann wieder zurück in den Spiegel.
Samantha ging auf ihn zu und schlang dann ihre Arme von hinten um Daryl. Es war ein eigenartiges Gefühl, ihn zu umarmen, während er die Rüstung trug. Der Armbrustschütze drehte sich zu ihr um und sah ihr einige Sekunden lang nur stumm in die Augen. Als er ihr schließlich eine Haarsträhne hinters Ohr schob, bildete sich ein sanftes Lächeln auf seinen Lippen.
„Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie du es aufgenommen hast, dass Rick wieder Polizist wurde, nachdem wir in Alexandria angekommen waren. Und jetzt bist du selber einer. Das nennt man wohl Ironie des Schicksals", meinte Samantha grinsend.
Daryl schnaubte, doch ehe er antworten konnte, kamen die Kinder in den Raum. Sie spielten gerade Fangen und quietschten vergnügt. Es war Zeit aufzubrechen, das war auch Daryl klar, denn er knurrte etwas widerwillig, was Samantha ein amüsiertes Glucksen entlockte.
„Na los bring die Jungs ins Bett", sagte Daryl dann und sie nickte, „ich übernehm die Mädchen."
„Danke für die Hilfe", meinte Samantha lächelnd.
„Purer Eigennutz. Je schneller die Kinder schlafen, desto schneller kannst du dein Versprechen einlösen."
Samantha unterdrückte ein Prusten und lachte schallend auf.
„Ich kann mich an kein Versprechen erinnern. Nur an einen Gedanken, den ich dir mitgeteilt habe."
„Du tust so, als hätte ich noch keine Erfahrung mit deinen ‚Gedanken', Sam", rief Daryl, der bereits die Mädchen einsammelte und in ihr Zimmer brachte.
DU LIEST GERADE
Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl Dixon
Fan-FictionDas Leben im Gefängnis hat sich für Daryl und seine Gruppe gerade etwas entspannt. Der Govenor ist verschwunden und die Bewohner von Woodbury leben nun gemeinsam mit ihnen im Gefängnis. Samantha hingegen lebt seit dem Ausbruch allein in den Wäldern...
