Zwischen Gestern und Morgen

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Die Sonne war inzwischen aufgegangen, als sich alle in Tomis Wohnung versammelt hatten. Die letzten Stunden hatten sie damit verbracht, alles, was essbar war, in ein wahres Festmahl zu verwandeln. Es war bei weitem nicht perfekt, sondern zusammengewürfelt und improvisiert, und trotzdem konnte sich Samantha nicht erinnern, wann sie das letzte Mal etwas so sehr genossen hatte.

Der Tisch war für sie alle jedoch viel zu klein. Deshalb standen die Teller mit dem Essen auch auf dem Couchtisch, dem Küchentresen und manche sogar auf der Fensterbank, durch die das warme Licht der Morgensonne schien. Samantha und Daryl hatten sich einen Platz auf dem Sofa sichern können, wo sie nun dicht nebeneinandersaßen und aßen.

Samanthas Blick glitt über die Leute. Von ihnen allen war die Anspannung abgefallen. Sie aßen, tranken und lachten. Und trotz der Traurigkeit über ihre Verluste herrschte eine wunderbare Leichtigkeit.

Während die Trooper allesamt nachhause zu ihren Familien gegangen waren, war Mercer bei ihnen geblieben. Er lachte gerade über etwas, das Princess ihm ins Ohr geflüstert hatte. Neben den beiden saßen Max und Eugene, die ebenfalls mit einer sichtbaren Leichtigkeit über etwas zu sprachen. Samantha musste lächeln bei dem Gedanken daran, dass Mercer ein Teil von ihnen geworden war.

Das vergnügte Quietschen der Kinder, die ihren Hunger längst gestillt hatten und jetzt fangen spielten, erklang, wobei sie zwischen den dicht aneinandergedrängten Leuten in Tomis Wohnung hindurchflitzten. Samantha grinste breit, als sie einen Krug mit Saft umstießen, was jedoch niemanden wirklich kümmerte.

Dann wurde Samanthas Blick von Lydia angezogen. Sie stand neben dem Tresen in der Küche und unterhielt sich mit Elijah. Als er etwas sagte, senkte sie mit geröteten Wangen den Blick. Samantha unterdrückte ein Schmunzeln und lehnte sich zu Daryl hinüber.

„Diese Zurückhaltung hat sie von dir", sagte sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.

Daryl schnaubte.

„Na von dir kann sie sie nicht haben", erwiderte er nüchtern, „wenn sie nach dir käme, hätte sie Elijah längst in die nächstgelegene Abstellkammer gezerrt."

Zuerst wollte sie Daryl einen Klaps verpassen, entschied sich dann jedoch anders. Sie hob herausfordernd eine Augenbraue und sah ihn mit vielsagendem Blick von der Seite an.

„Soll das etwa eine Aufforderung sein, Redneck?", fragte sie ihn und verbarg den lasziven Unterton in ihre Stimme gar nicht erst.

Samantha hatte erwartet, dass er ihr einen vorwurfsvollen Blick zuwerfen oder ein trockenes „Halt die Klappe" erwidern würde. Doch stattdessen lächelte er sie an. Warm und liebevoll. Ein Lächeln so breit und offen, wie sie es von ihm nur selten zu sehen bekam.

„Schön, dass du wieder da bist", sagte er schließlich mit leiser Stimme.

Samantha erwiderte sein Lächeln und legte all die Liebe hinein, die sie für ihn empfand. Dann nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn. Lang und innig. Es war ihr egal, dass sie unter so vielen Leuten waren. In dem Moment gab es nur sie und Daryl. Das Gefühl seiner Lippen auf ihren. Seinen warmen Atem, der über ihre Haut streifte. Seine Hände, mit denen er ihre Taille umfasst hielt. Und dieses warme Band zwischen ihnen, stark und unerschütterlich.

Als Samantha schließlich ihren Mund von seinem löste, wenn auch nur widerwillig, lehnte sie ihre Stirn an seine und ließ ihre Hände auf seinem Gesicht ruhen. Ihre Daumen strichen sanft über seine Wangen, während ihr all das durch den Kopf ging, was sie ihm sagen wollte.

Sie öffnete den Mund. Zögerte dann aber. Und alles, was sie schließlich hervorbrachte, war ein einziges Wort.

„Danke", hauchte sie so leise, dass niemand außer ihnen beiden es hören konnte.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt