Zwischen zwei Welten

61 3 0
                                        

Ein paar Wochen später zogen Daryl und Samantha gerade ihre Uniformen an. Pamela Milton und Hornsby wollten Alexandria, Oceanside und Hilltop besuchen, vermutlich um herauszufinden, wie die Instandsetzung der Kolonien lief. Da sowohl Daryl als auch Samantha dabei sein sollten, hatten die beiden die Kinder für diesen Zeitraum bei Jerry und Nabila untergebracht. Da Nabila im Kindergarten arbeitete, stellte das kein Problem dar.

Als sie beim Treffpunkt ankamen und Mercer sie entdeckte, steuerte er direkt auf die beiden zu.

„Zieht die Anzüge wieder aus", wies er sie ruhig an.

„Sollen wir doch nicht mitfahren?", wollte Samantha wissen.

„Doch. Aber die Anzüge braucht ihr dafür nicht."

Nachdem Mercer sich wieder von ihnen abgewandt hatte, warfen sich die beiden einen unschlüssigen Blick zu. Doch schließlich taten sie, was er verlangt hatte. Mit einer gewaltigen Karawane und in ständiger Formation brachen sie schließlich auf. Daryl und Samantha fuhren in einem Wagen ganz vorne mit. Neben einigem Fußvolk gab es auch berittene Trooper und einige Wagen mit Vorräten. In einem großen Truck saßen Mercer, Pamela und Hornsby.

Die Reise dauerte mehrere Tage. Durch das viele Fußvolk kamen sie nur langsam voran. Samantha fiel es nicht leicht, so lange von den Kindern getrennt zu sein. Doch es war nun mal nicht zu ändern. Als die Umgebung endlich vertrauter wurde, wurde Samantha immerhin wieder leichter ums Herz.

Das letzte Mal, dass sie in Alexandria gewesen war, war bereits einige Zeit her. Trotzdem fühlte es sich angenehm vertraut an, durch das Tor zu treten. Seit ihrer Abreise, hatte sich in der Stadt einiges getan. Aaron und die anderen hatten bei der Instandsetzung gute Arbeit geleistet. Samantha war froh, Alexandria so vorzufinden – wieder einigermaßen intakt und geflickt. Nachdem die Flüsterer Alexandria verwüstet hatten, hatte ihr dessen Anblick einen Stich ins Herz verpasst.

Gleich nach ihrer Ankunft sahen sich alle um. Aaron empfing sie mit einem höflichen Lächeln. Samantha wäre gerne zu ihm gegangen und hätte ihn umarmt, doch zuerst mussten die Formalitäten geklärt werden. Also musste sie wohl oder übel darauf warten, um mit ihm zu sprechen.

„Bereit für die große Tour?", fragte Aaron, nachdem sich Pamela vorgestellt hatte.

„Ich kann es kaum erwarten", antwortete die Gouverneurin lächelnd.

Aaron ging mit Pamela und Hornsby voran. Mercer, Daryl und Samantha folgten ihnen mit etwas Abstand. Aaron erläuterte die Geschichte von Alexandria und wie die Dinge hier hinsichtlich der Versorgung liefen. Mercer hörte ihm nicht zu, während er sich umsah. Ihn interessierten andere Dinge über die Stadt.

„Wie kann man einen so abgeschiedenen Ort sichern?", fragte er schließlich

„Es war nicht leicht. Wir mussten oft kämpfen", antwortete Daryl ihm.

„Und ihr wart Anführer hier?"

„Ja, naja... schätze schon. Wie alle hier."

„Wir hatten einen Rat mit mehreren Mitgliedern, der über die wichtigen Dinge entschieden hat. Daryl war Teil davon", ergänzte Samantha.

„Und du nicht?"

„Nein. Aber hier ist es ohnehin eine Demokratie."

Mercer schwieg kurz und sah die beiden dann wieder von der Seite an.

„Was habt ihr eigentlich vorher gemacht?"

„Ist unwichtig", antwortete Daryl schulterzuckend, „also für uns jedenfalls."

Samantha entging Mercers Stirnrunzeln nicht, als Daryl seiner Frage auswich, weshalb sie fortfuhr, noch ehe er weiter nachfragen konnte.

„Also ich will ja nicht angeben oder so...", sagte sie mit einem bescheidenen Tonfall, „aber ich wurde früher ‚General Johnson' genannt."

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt