Auflehnung

638 17 0
                                        

In der Nacht lehnte Samantha im Türrahmen von Carls Zimmer. Er schlief und atmete ruhig. Die junge Frau beobachtete ihn eine Zeit lang, war froh, dass er trotz der furchtbaren Ereignisse an diesem Tag schlafen konnte. Sie konnte es nicht, ebenso wenig wie manche andere.

Nach einer Weile trat Michonne an sie heran, die inzwischen wieder zurück in Alexandria war und ebenfalls kein Auge zubekam. Sie gab Samantha ein Handzeichen und diese folgte ihrer Freundin daraufhin nach unten. Michonne hatte bereits von anderen erfahren, was vorgefallen war. Nachdem sich die beiden Frauen auf dem Sofa hingesetzt hatten, sah Michonne Samantha eindringlich an.

„Es kann so nicht weitergehen", begann sie dann, „wir müssen irgendetwas tun. Ich kann so nicht leben. Und es würde mich wundern, wenn du es könntest."

„Wenn wir uns gegen die Saviors auflehnen, dann wird Negan Daryl töten", sagte Samantha und ihre Lippe begann zu beben, als sie es laut aussprach, „versteh doch, ich kann Daryl nicht verlieren. Ich kann nicht. Ich kann... es ist einfach nicht möglich, verstehst du das?"

„Du wirst ihn nicht verlieren", sagte Michonne und nahm Samanthas Hände in ihre, „du wirst ihn zurückbekommen. Du musst mir das einfach glauben."

Samantha starrte auf die Hände ihrer Freundin hinab, die ihre eigenen fest umschlossen hielten. Zwei Tränen liefen an ihren Wangen hinab und sie schluchzte kurz auf.

„Ich hab Angst, Michonne", flüsterte sie dann.

Michonne küsste sie daraufhin auf die Stirn, und lehnte schließlich ihre eigene dagegen.

„Ich auch. Aber wir müssen stark sein."

In dem Moment schien etwas in Samantha aufzubrechen. Sie erinnerte sich daran, was sie zu Daryl gesagt hatte. Sofort machte sich ein schlechtes Gewissen in ihr breit. Wie konnte sie ihm sagen, dass er stark bleiben sollte, wenn sie selbst nicht dazu in der Lage war. Samanthas Schluchzen verebbte und sie sah Michonne ernst an.

„Suchen wir Rick", meinte sie dann.

Die beiden Frauen erhoben sich vom Sofa und gingen nach draußen. Es dauerte eine Weile, doch schließlich fanden sie Rick in der ehemaligen Waffenkammer. Michonne teilte ihm mit, dass sie den ganzen Tag draußen verbracht hatte, um zu erkennen, was das richtige war, was sie tun musste. Sie erklärte ihm, dass sie als Überlebende kämpfen mussten und sich den Saviors nicht einfach unterwerfen durften. Rick schien jedoch nicht überzeugt. Er hatte Angst, das konnte Samantha ihm genau ansehen. Nachdem Michonnes Stimme verstummt war, sah er in Samanthas Richtung.

„Du willst Daryls Leben riskieren?", fragte er sie beinahe schon verzweifelt.

„Wenn Daryl hier wäre, dann wär er derselben Meinung. Er würde kämpfen wollen. Er würde stark sein und nicht zögern. Also müssen wir das auch."

Rick sah Samantha eine Zeit lang an, dann schniefte er. Er sah auf den Boden vor sich, hatte die Hände in die Hüften gestemmt, doch schließlich sah er die beiden Frauen wieder an und nickte grimmig.

Daraufhin verloren die drei keine Zeit. Rick ging ins Haus und weckte Carl auf. Samantha holte Tara und Michonne Rosita. Gemeinsam machten sie sich kurz vor Sonnenaufgang auf den Weg nach Hilltop, um dessen Bewohner dazu zu überreden, sich ihnen anzuschließen und die Saviors zu bekämpfen. Den anderen erzählten sie, dass sie zum Plündern rausfuhren. Rick drückte das Gaspedal scheinbar die ganze Zeit über durch, sodass sie am frühen Vormittag in Hilltop ankamen. Sie ließen den Wagen im Wald zurück, dann gingen sie auf die Tore von Hilltop zu.

Als sie sich näherten, hörten sie plötzlich Maggies laute Stimme, die vom Wachturm aus nach Enid und Sasha rief. Als das Tor vor ihnen geöffnet wurde, gingen die sechs hinein und auf Maggie zu. Samantha war froh, dass sie Maggie wohlauf sah. Rick umarmte sie sogleich und erkundigte sich, ob alles mit ihr in Ordnung war. Sie meinte, dass sowohl sie als auch das Baby okay waren.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt