Der Knall des Schusses durchschnitt die Luft. Kurz darauf folgte ein überraschtes Aufkeuchen von Daryl. Samanthas Blick schnellte zu ihm und die Zeit schien plötzlich einzufrieren. Er trat zurück. Stolperte. Wie in Zeitlupe fiel Daryl nach hinten. Sein Kopf schlug auf der Bank auf. Dann landete er am Boden. Und blieb dort reglos liegen.
In diesem Moment setzte Samanthas Herzschlag aus. Sie öffnete den Mund und schrie Daryls Namen, so laut, dass es sogar das Krachen der Schüsse übertönte und in ihrer Kehle brannte. Doch ihr Schrei war stumm. Wie auch die Schüsse stumm waren. Die ganze Welt war auf einmal still geworden. Nur ein ferner Pfeifton in Samanthas Ohren war verblieben.
Ohne über die Konsequenzen nachzudenken, sprang sie hoch und hetzte zu Daryl. Kugeln schlugen überall um sie herum ein und verfehlten sie nur um Haaresbreite, doch nichts davon bemerkte sie. Sie sah nur Daryl, der sich nicht mehr bewegte und den dunklen Fleck auf seinem Hemd, der sich rasch ausbreitete.
Instinktiv drückte Samantha ihre Hände fest auf die Wunde, die auf Daryls Bauch klaffte. Doch das Blut sickerte zwischen ihren Fingern hervor. Panik stieg in ihr auf. Ihr Blick wanderte zu seinem Gesicht. Seine Augen waren geschlossen und Samantha spürte, wie ihre Sicht verschwamm.
Samantha bekam nichts davon mit, wie sich nun alle anderen ihrer Leute gleichzeitig aus der Deckung stürzten und auf Pamela und ihre Männer feuerten. Sie bemerkte auch nicht, dass diese sich unter dem heftigen Widerstand zurückzogen. Ihre ganze Aufmerksamkeit lag bei Daryl.
Im nächsten Moment tauchte Merle neben ihr auf und zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. In seinem Gesicht stand Furcht und er rief ihr etwas zu. Doch sie starrte ihn nur an. Ein weiteres Mal schrie er etwas. Aber Samantha reagierte nicht. Sie konnte es nicht.
Schließlich reagierte er einfach. Er stand auf, schnappte sich Daryl und legte einen seiner Arme über seine Schulter. Samantha tat es ihm aus Reflex nach und umfasste dabei Daryls Rumpf, um weiterhin Druck auf die Schusswunde ausüben zu können. Als Merle losging, folgte Samantha ihm mit mechanischen Schritten.
Gemeinsam schleppten sie Daryl in Deckung und zu den anderen. Samanthas panischer Blick schweifte zwischen ihren Leuten hin und her. Schließlich sah sie Ezekiel an.
„Tomi", sagte Samantha.
Mehr als diesen Namen brachte sie nicht über die Lippen. Zuerst dachte sie, dass er sie nicht gehört hatte, dass sie gar keinen Ton herausgebracht hatte. Doch als er ihrem Blick begegnete und nickte, wusste sie, dass er verstanden hatte. Er wandte sich an Yumiko, die wissen musste, wo ihr Bruder war. Sie verschwendeten nicht viel Zeit mit Reden, sondern brachen fast augenblicklich auf. Jemand warf einen Feuerlöscher in die Mitte der Union Station und schoss darauf. Eine weiße Staubwolke explodierte über ihren Köpfen und verschlechterte die Sicht, sodass sie den Rückzug antreten konnten.
Jeder Schritt fühlte sich schwer an. Manchmal schien es, als würde Merle Daryl allein durch die Straßen schleppen. Doch sie gab ihr Bestes, und tat, was sie konnte. Was um sie herum geschah, bekam sie kaum mit. Sie erkannte nur, was sich vor ihr befand, als wäre sie in einem dunklen Tunnel gefangen.
Samantha warf Daryl einen Blick zu. Sein Kopf war auf seine Brust gesunken und wippte schlaff bei jedem von ihren und Merles Schritten. Ein Schluchzen stieg in ihrer Kehle auf, doch es blieb ihr im Hals stecken.
Plötzlich blieb Merle abrupt stehen. Samantha folgte seinem Blick und entdeckte einen Wagen mit Troopern, der auf sie zukam. Die Gruppe kehrte um, doch auch von hinten näherte sich ein Trupp. Eilig bogen sie in die nächste Straße ein. Sogar dort hatten sich die Trooper bereits positioniert. Sie waren eingekesselt.
Alle sahen sich hektisch nach einem Ausweg um, doch es gab keinen. Sie hoben schon die Waffen, bereit gegen die Trooper zu kämpfen. Allerdings mussten sie dann feststellen, dass sich die Soldaten gar nicht für sie interessierten. Stattdessen errichteten sie nur Straßensperren und fuhren dann weiter. Alle beobachteten das Geschehen ungläubig. Und in Samantha stieg ein beunruhigender Gedanke auf. Wenn die Trooper sie, die inzwischen Staatsfeinde Nr. 1 waren, völlig ignorierten – was war es dann, das ihre Aufmerksam auf sich zog?
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Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl Dixon
Fan-FictionDas Leben im Gefängnis hat sich für Daryl und seine Gruppe gerade etwas entspannt. Der Govenor ist verschwunden und die Bewohner von Woodbury leben nun gemeinsam mit ihnen im Gefängnis. Samantha hingegen lebt seit dem Ausbruch allein in den Wäldern...
