Zermürbung

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Anstatt zum Bahnhof zu fahren und die beiden Trooper auszuschalten, verfolgten Daryl, Samantha und Carol einen anderen Plan. Hätten sie sie einfach getötet, wäre das den anderen, die den Zug fuhren, aufgefallen und sie hätten Nachforschungen angestellt. Das hätte lediglich alles verzögert und vielleicht sogar dazu geführt, dass der Zug nicht wie geplant weiterfuhr, sodass sie auf der Suche nach ihren Leuten wieder von vorne anfangen mussten.

Es war also schlauer, wenn sie im Ungewissen blieben und nichts davon ahnten, dass sie verfolgt wurden. Carol steuerte den Wagen an einen Platz etwa eine halbe Meile weit von dem Bahnhof entfernt und stellte ihn im Wald ab. Von dort aus hatten sie einen guten Überblick über das Kommen und Gehen am Bahnhof.

Während sie auf die Ankunft des Zuges warteten, hatten sie dennoch ein wachsames Auge auf ihr Umfeld. Man konnte nie wissen, ob nicht plötzlich doch von irgendwoher ein Trooper kam und sie dort entdeckte. Schweigend übten sie sich in Geduld. Die ganze Nacht über passierte nichts, sie hielten in Schichten Wache, wobei niemand wirklich schlafen konnte.

Erst am späteren Vormittag hörten sie das dröhnende Signal des Zuges, das seine nahende Ankunft verkündete. Samantha hatte zwar gewusst, dass sich ein Zug nähern würde, doch trotzdem bekam sie bei dem Geräusch eine Gänsehaut. Das letzte Mal, dass sie einen intakten Zug gehört und gesehen hatte, war vor dem Fall gewesen. Nun jedoch leibhaftig einen vor sich zu sehen, wie er langsam im Bahnhof eintrudelte, fühlte sich fast schon surreal an.

Obwohl nur Daryl ein Fernglas hatte, mit dem er die Vorgänge am Bahnhof genau in Augenschein nahm, blickten auch Carol und Samantha in die Richtung. Auf den Waggons waren Wagen und Motorräder, offenbar war der Zug nicht für den Transport von Personen ausgelegt.

„Es sind sechs", stellte Daryl fest und sprach über die Trooper.

„Können wir dem Zug folgen, ohne dass sie uns bemerken?", fragte Samantha leise.

„Ja, wenn wir genug Abstand halten."

Da näherte sich ein Wagen dem Zug und Samantha deutete darauf, damit Daryl sich näher ansah, was dort passierte.

„Das ist Connie", stellte er dann fest und senkte das Fernglas.

„Was?", fragte Samantha überrascht und nahm Daryl das Fernglas ab, um selbst hindurchzusehen, „etwa nur sie?"

Sie suchte den Punkt, wo sich Connie aufhielt, und fand ihn schließlich. Ihre Handgelenke waren mit Kabelbindern gefesselt und sie stand zwischen zwei Troopern und einem Zivilisten, wie es schien. Einer der Trooper nahm sein Funkgerät und entfernte sich einige Schritte von den anderen.

„Carol, schalt das Funkgerät ein", zischte Samantha, ohne den Blick von Connie zu wenden.

Carol tat, wie ihr geheißen und zog das Funkgerät hervor, das sie im Wagen gefunden hatte. Schon im nächsten Moment knackte es.

„Der Typ sagt, sie sollen eine Exilantin mitnehmen. Das verstößt bei einem Frachttransport gegen die Vorschriften. Over."

„Ist genehmigt. Sie ist keine Arbeiterin. Sie ist eine Zwei. Bringt sie sicher hin."

„Oh scheiße. Verstanden."

Samantha wusste nicht wieso, doch bei diesen Worten lief es ihr kalt den Rücken runter. Ohne es wirklich zu wollen, senkte sie das Fernglas und starrte weiter geradeaus, während die Gedanken durch ihren Kopf rasten. Daryl nahm ihr das Fernglas aus der Hand und sah wieder selbst hindurch.

„Was heißt ‚Sie ist eine Zwei'?", fragte Carol vorsichtig.

Samantha schüttelte gedankenverloren den Kopf.

Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl DixonGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt