„Sobald wir drin sind, verstecken wir die Häftlinge. Hoffentlich hilft uns Mercer. Die anderen sollen Pamela ausschalten und wir suchen nach den Kindern", fasste Rosita erneut zusammen, während der Zug über die Schienen ratterte.
Sie war den Plan schon so oft durchgegangen, dass es Daryl genervt hätte, wenn er sie nicht verstanden hätte. Er wünschte sich sogar, denselben Eifer auch bei Sam zu sehen. Seit ihrem Gespräch an den Gleisen war es besser geworden, doch sie immer noch meilenweit von ihrem alten Ich entfernt.
„Warum durch die Mietskasernen und nicht durch die Häuser?", fragte Gabriel.
„Mehr Wohlstand, mehr Patrouillen. In den Mietskasernen fallen wir nicht so auf. Über die Zufahrtsstraße kommen wir hinters Haus und von dort werden wir zuschlagen."
Daryl und Sam saßen nebeneinander auf einigen Kisten und verfolgten das Gespräch der beiden mehr oder weniger aufmerksam. Daryls Hand ruhte auf Sams Oberschenkel und seine Finger strichen ihr immer wieder gedankenverloren übers Knie. Er war nicht sicher, ob er es sich einbildete, doch ihm war so, als würden ihre Lebensgeister nun endlich wieder unter ihrer Oberfläche hervorschimmern.
Aus der anderen Ecke des Waggons erklang kurzer Jubel. Offenbar war es Tyler und Princess endlich gelungen, das Funkgerät in Gang zu bringen und sie waren auch nah genug am Commonwealth, um einen Funkspruch dorthin abzusetzen. Es dauerte jedoch eine Weile, bis eine Antwort kam. Doch schließlich ertönte Mercers Stimme.
Er schien überrascht zu sein, von Princess zu hören, und noch überraschter, als sie ihm davon erzählte, dass sie gerade in einem Zug zurück zum Commonwealth fuhr. Die Strafkolonien waren also ein sehr gut gehütetes Geheimnis gewesen, wenn nicht einmal Mercer etwas davon wusste. Doch er fragte nicht weiter nach.
„Was habt ihr vor?", wollte er wissen.
„Änderungen. Wie Pamela stürzen. Wär das okay für dich?"
„Oh ja. Wenn ihr es schafft, die Häftlinge zu mir zu bringen, hab ich Zeugen. Und etwas in der Hand, um Pamela abzusetzen."
„Wir kommen irgendwo in der Pampa an. Wenn wir es zur Stadt schaffen, kannst du uns reinlassen?"
„Unter der Westmauer führt ein alter Tunnel direkt zur Union Station. Der Zugang zum Gebäude wird bewacht, aber ich kann euch dort treffen... Wir haben einen Alarm."
Die letzten Worte sagte er in sachlich kühlem Befehlston. Also konnte er den Funkkontakt nicht länger aufrechterhalten. Daryl war erleichtert, dass Mercer ihnen helfen würde. Doch er hatte bereits damit gerechnet. Er war ein guter Mensch. Und bei allem, was in letzter Zeit passiert war, allem voran die Verhaftung seiner Schwester, war er natürlich nicht gut auf Pamela zu sprechen.
Daryl war auch nicht entgangen, mit welcher Vertrautheit Princess und Mercer zu Beginn miteinander gesprochen hatten. Er lehnte sich leicht zu Sam hinüber.
„Wie's aussieht, bist du nicht die Einzige mit einem ‚Mrs. Mercer'-Tagebuch", raunte er ihr zu.
Er beobachtete ihre Reaktion im Augenwinkel. Nicht einmal ihre Mundwinkel zuckten. Sie schlug lediglich den Blick nieder. Daryl atmete einmal tief durch, gab sich dabei allerdings Mühe, sich die Enttäuschung über das Ausbleiben ihrer Reaktion nicht anmerken zu lassen.
„Ich geb mir Mühe... wirklich."
Sams Stimme war kaum mehr als ein heiseres Krächzen. Daryl lehnte sich zurück und verstärkte den Druck an ihrem Schenkel als stille Bestätigung.
„Ja, ich weiß", antwortete er und machte eine kurze Pause, „der Haarschnitt, den du mir verpasst hast, war trotzdem scheiße."
Jetzt endlich hob Sam den Blick und suchte den seinen. Die Art wie sie ihn ansah, ließ etwas in ihm aufatmen. Da war kein Lächeln. Aber auch nicht diese erdrückende Leere. In ihren blauen Augen lag eine zarte Wärme, ein Funken Dankbarkeit und er erkannte auch ihre Liebe darin. Er fand dort genau das, wonach er gesucht hatte – Sam. Die Sam, die sie wirklich war. Versteckt und weit entfernt. Aber noch da.
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Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl Dixon
Fan-FictionDas Leben im Gefängnis hat sich für Daryl und seine Gruppe gerade etwas entspannt. Der Govenor ist verschwunden und die Bewohner von Woodbury leben nun gemeinsam mit ihnen im Gefängnis. Samantha hingegen lebt seit dem Ausbruch allein in den Wäldern...
