Samantha stand vorm Spiegel und strich sich das Shirt glatt. Es war bereits das dritte Outfit, dass sie anhatte. Sie drehte sich herum und begutachtete kritisch ihr Spiegelbild und war immer noch nicht zufrieden mit dem, was sie sah. Schließlich schnalzte sie missmutig mit der Zunge.
„Wenn du so weitermachst, ist es egal, was du anhast. Denn dann kommen wir erst an, wenn alle längst wieder zuhause sind."
Samantha erschrak und fuhr herum. Daryl lehnte lässig im Türrahmen, die Arme locker vor der Brust verschränkt, während er sie ansah. Sie wusste nicht, wie lange er schon dort gestanden und sie beobachtet hatte. Schließlich rollte sie mit einem verspielten Funkeln die Augen.
„Das wäre dir doch ohnehin lieber", konterte sie.
„Ja. Aber dir nicht."
Samantha warf erneut einen Blick in den Spiegel und zupfte am Saum ihres Shirts.
„Du siehst in allem gut aus", sagte Daryl dann.
Ein leises Lächeln erschien auf Samanthas Lippen und sie warf Daryl einen Blick im Spiegel zu. Sie wusste selbst nicht, weshalb sie so aufgeregt war. Es war nicht das erste Mal, dass sie vor einer Menschenmenge stehen und zu ihnen sprechen sollte. Wenn sie es auch noch nie vor so vielen getan hatte.
„Bist du offen für einen Vorschlag?", fragte Daryl hinter ihr.
Samanthas Mundwinkel zuckten schelmisch.
„Was für einen? Dass ich mich ausziehen sollte?", fragte sie mit gesenkter Stimme.
Daryl lachte schnaubend.
„Das sparen wir uns für später auf", erwiderte er.
Daraufhin stieß er sich vom Türrahmen ab und kam auf sie zu. Er hielt ihr etwas hin und Samantha wandte sich mit fragendem Blick zu ihm um.
„Probier das mal an", meinte er beiläufig.
Samantha nahm das zusammengefaltete Leder. Als sie es ausschüttelte und erkannte, was es war, wurde es plötzlich ganz eng in ihrer Brust. Ungläubig und mit glasigen Augen sah sie Daryl an, der ihren Blick nur mit einer ruhigen Selbstverständlichkeit erwiderte. Samanthas Brust hob und senkte sich schneller unter ihren heftiger werdenden Atemzügen, während sie ihren Blick wieder auf das kühle Leder in ihren Händen richtete.
Es war eine Lederweste, so wie Daryls. Und auf der Rückseite prangte ein großes, weißes Paar Flügel. Sie sahen etwas unterschiedlich aus und Samantha hatte keinerlei Zweifel, dass die Mädchen die Flügel aufgemalt hatten. Einen Moment lang stand sie einfach nur da, während sich eine angenehme Wärme in ihr ausbreitete.
Dann schniefte sie kurz und legte die Weste in einer einzigen, fließenden Bewegung an. Sie musste sich nicht mehr im Spiegel betrachten, sie wusste auch so, dass es nichts mehr gab, das sie noch in irgendeiner Form hätte verbessern können.
„Gefällt sie dir?", fragte Daryl.
Samantha sah ihn gerührt an, hielt sich nur noch mit Mühe im Zaum. Dann trat sie einen Schritt auf ihn zu, legte ihre Hände um seinen Nacken und zog ihn zu sich. Sie küsste ihn innig und hoffte, dass er spüren konnte, wie viel ihr dieses Geschenk bedeutete. Als sich ihre Lippen von seinen lösten, lehnte sie ihre Stirn gegen seine und atmete einmal tief durch.
„Sie ist perfekt", erwiderte sie mit brüchiger Stimme und schluckte, „du hast keine Ahnung, was mir das bedeutet."
Er nickte nur und küsste sie dann erneut. Anschließend warf er ihr einen Blick zu, der eine stumme Frage war. Sie lächelte und nickte. Als sie das Wohnzimmer betraten, fiel Samanthas Blick auf ihre Mutter, die mit den Kindern am Boden saß und spielte. Samantha ging zu Janice und Annabeth und drückte jeder von ihnen einen Kuss auf den Scheitel.
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Die Ungebrochenen - In einer sterbenden Welt - Daryl Dixon
Fan-FictionDas Leben im Gefängnis hat sich für Daryl und seine Gruppe gerade etwas entspannt. Der Govenor ist verschwunden und die Bewohner von Woodbury leben nun gemeinsam mit ihnen im Gefängnis. Samantha hingegen lebt seit dem Ausbruch allein in den Wäldern...
