„Da bist du ja ...", vernahm Charlie eine ihr nur allzu vertraute Stimme dicht hinter ihr, bevor sie eine hauchzarte Berührung in ihrem Nacken verspürte – Patryk. Unwillkürlich hielt sie die Luft an, wich zurück und entzog sich seiner zaghaften Berührung. Eine Tatsache, welche Patryk perplex innehalten ließ: „Was?!", entfuhr es ihm sichtlich überrascht, worauf Charlie lediglich schweigend den Kopf schüttelte. „Was ist los, Kleines?", setze er nach, seine Stimme sanft, während er langsam neben sie trat und sich ebenfalls auf der kleinen Mauer niederließ. „Gehst du so mit Menschen um, die sich in dich verlieben?", ergriff Charlie leise das Wort, ihr Blick stur auf ihre Füße gerichtet. Patryk hob eine Augenbraue, runzelte skeptisch die Stirn: „Hast du...." „Nein", warf Charlie hastig ein „...ich habe nicht gelauscht...es war Zufall, dass ich es mitbekommen habe." Patryk zog hörbar die Luft in seine Lungen: „Im beruflichen Kontext ja...es gibt Regeln ..." „...Verliebe dich niemals in deinen Herrn...diese Regel? Glaubst du man sucht sich aus in wen man sich verliebt?", sprudelten die Worte nur so aus Charlie hervor, was Patryk missmutig schnauben ließ: „Nein, sicher nicht, aber es ist an mir die Konsequenzen daraus zu ziehen." „Weil du ihr ‚Herr' bist?...die Macht über sie hast?" „Nein", erwiderte Patryk ernst, hob seinen Blick, sah sie unvermittelt an: „...weil ich kein Arschloch bin...Das, was ich tue ist eine Gradwanderung, Charlotte. Es ist mein Job Menschen glauben zu lassen sie seien etwas Besonderes, ihnen für Geld zu geben, wonach sie sich sehnen, sie zu täuschen. Ich kenne ihre dunkelsten Geheimnisse, ihre tiefsten Sehnsüchte. Sehnsüchte, von denen meist niemand außer mir weiß. Ich erschaffe eine Illusion, der sie sich hingeben können...". Erstaunt sah Charlie auf, hob fragend eine Augenbraue. „...eine Illusion, in der sich schon so manch einer verloren hat...Sie verlieren den Bezug zur Realität, vergessen, wer ich bin und was ich tue. So auch Severin...", schloss er erklärend ab, zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Hattest du Sex mit ihm?", hakte Charlie bemüht selbstsicher nach, blickte ihm dabei erwartungsvoll in die Augen. „Vertraust du mir?", konterte ihr Nebenmann unerwartet mit einer Gegenfrage, welche nun Charlie perplex innehalten ließ. Was?! Zögerlich biss sie sich auf die Unterlippe, schüttelte zaghaft den Kopf: „Ich...ich weiß es nicht, Patryk", gab sie ehrlich zu. Eine Antwort, die er offensichtlich nicht erwartet hatte, ihn hörbar schlucken ließ. „Wer sagt mir, dass du nicht auch mich täuschst, mir etwas vormachst. Du sagst, du küsst niemanden ...und doch hast du mich am ersten Abend geküsst...hattest Sex mit mir, obwohl...", sprach sie unbeirrt weiter, ihre Stimme heiser, worauf Patryk nun vehement den Kopf schüttelte: „...das ist...das kannst du nicht vergleichen. Es ist etwas vollkommen anderes". Charlie amtete tief durch: „...und bei wie vielen ist es etwas Anderes, Patryk?". „Damit habe ich dann wohl die Antwort auf meine Frage", presste ihr Nebenmann verbissen hervor, straffte seine Schultern, erhob sich und ließ sie ohne ein weiteres Wort allein auf der kleinen Steinmauer zurück. Charlie schluckte schwer, ihre Atmung zittrig, während sich einzelne heiße Tränen den Weg über ihre Wangen bahnten. Fuck! Was hatte sie getan? So hatte sie sich diesen Abend sicher nicht vorgestellt!
Aufgebracht warf Charlie ihre Handtasche in die Ecke, schlüpfte aus ihren Schuhen, welche sie ebenfalls schwungvoll von sich schleuderte. Er hatte sie tatsächlich allein auf dieser dämlichen Party zurückgelassen, hatte sich mit einer an den Haaren herbeigezogenen Ausrede davongemacht - Ein Notfall in seinem Club. Natürlich! Doch das war es nicht, was sie so wütend machte – Es war ihre eigene Dummheit. Schnaubend ließ sie sich auf das Sofa sinken, strich mit fahrigen Fingern durch ihr offenes Haar. Die unüberlegten Worte, welche sie Patryk an den Kopf geworfen hatte. Was war nur in sie gefahren? Er hatte ihr nie einen Grund gegeben ihm zu misstrauen, ihr nie das Gefühl gegeben eine von Vielen zu sein und dennoch tat sie sich schwer diesem Mann zu vertrauen. Wieso? Wie sollte sie all das abgrenzen? Wie sollte sie begreifen, was er tat. Dass er andere berührte, ihnen, wie auch ihr, unbeschreibliche Lust bereitete. Sie schluckte. Sie wollte ihn nicht teilen, wollte nicht, dass er andere Frauen, andere Männer, so berührte, wie er sie berührte.
„Fuck", fluchte sie leise, als sie die Erkenntnis traf wie ein Schlag. Sie war tatsächlich eifersüchtig und verdammt, Vanessa hatte Recht - Sie hatte sich Hals über Kopf in diesen Mann verliebt!
Geistesgegenwärtig zückte sie ihr Smartphone, atmete tief durch, bevor sie zu tippen begann:
Charlie: Patryk, können wir reden?...Bitte!
Immer und immer wieder ließ Charlie das Gerät durch ihre Finger gleiten, hoffte auf seine zarte Vibration, auf eine Antwort von ihm, doch sie blieb aus. Keine Antwort, kein Hinweis darauf, dass er ihre Nachricht überhaupt gelesen hatte. Verdammt!
DU LIEST GERADE
DarkSide - Femme Fatale
RomanceCharlotte, von allen nur Charlie genannt, gelangt lediglich durch Zufall an eine Einladung der besonderen Art. Ein Abend im ‚DarkSide'. Einer der verruchtesten, anzüglichsten Clubs der Stadt. Wer hätte ahnen können, wohin eine einfache App sie führe...
