Erschöpft ließ Charlie sich auf das Sofa sinken, atmete tief durch. Der Tag hatte sie weitaus mehr gefordert, als sie es erwartet hatte. Zwei energiegeladene Jungs, eine alleinerziehende geifernde Mutter, deren Absichten sie nicht einmal im Ansatz durchschauen konnte und ein Mann, welcher sie mit seiner bloßen Anwesenheit bereits in den Wahnsinn trieb. „Zieh dir bitte deinen Schlafanzug an", hörte sie Patryks ruhige, dennoch unglaublich wirkungsvolle Stimme am Ende des Flures, darauf ein kurzes Schweigen, bis Filip leise das Wort ergriff: „Kann Charlie mir noch etwas vorlesen?" „Ich lese dir noch etwas vor...Charlie darf jetzt erst einmal durchatmen und eine Pause machen..." „Kuscheln ist auch Pause, Papa...", warf Filip von seinem Argument vollends überzeugt ein. Charlie konnte sich Patryks Gesichtsausdruck bildlich vorstellen. Eine Tatsache, welche sie unwillkürlich schmunzeln ließ, bevor sie sich von dem Sofa schob und leisen Schrittes auf das Badezimmer zutrat. Die Tür lediglich angelehnt, Filip in seiner bedruckten Boxershorts, seinem Unterhemd, während er seinen Vater, welcher neben der Tür lehnte, bittend, mit großen Kulleraugen ansah. Patryks schnaubte hörbar: „Ich bringe dich ins Bett, wie immer...". Charlie atmete tief durch, straffte ihre Schultern, schob die Tür behutsam mit ihrem Fuß auf: „Kuscheln zählt zweifellos auch als Pause...", stellte sie mit einem liebevollen Lächelnd fest, sah Patryk unvermittelt in die Augen, was ihren Gegenüber sichtlich schlucken ließ. Filip strahlte über beide Ohren, schlüpfte in seine Schlafhose und hechtete eilig über den Flur in sein Zimmer. Patryk zog hörbar die Luft in seine Lungen, trat langsam auf sie zu, sein Blick eindringlich: „Es ist eine Sache mir Hoffnung zu machen, Charlie, aber bitte...stelle Filip nichts in Aussicht, was du nicht halten kannst". „Hoffnung?", hakte Charlie irritiert nach, worauf Patryk lediglich schweigend die Schultern hob. Zögerlich biss sie sich auf die Unterlippe, schluckte fest, verringerte bewusst den Abstand zwischen ihnen, sodass sie die von ihm ausgehende Wärme an ihrer Haut spürte, sie angenehm kribbeln ließ : „Vertraust du mir, Patryk?" Erstaunt hielt Patryk inne, seine Augen erfüllt von Überraschung. Eine Frage, mit welcher er offensichtlich nicht gerechnet hatte, sie mit seinem Zögern, seinem Schweigen bereits beantwortete. Intuitiv hob Charlie ihre Hand, strich zaghaft über seine Wange, lächelte sanft: „...vielleicht müssen wir lernen einander zu vertrauen, Teufelchen...", hauchte sie, schob ihre Hand behutsam in seinen Nacken und überwand die letzten Millimeter zwischen ihren Lippen, küsste ihn mit unvorhergesehener Zärtlichkeit, einer Intensität, welche nicht nur ihr Gegenüber zu überwältigen schien.
„Papa...", hallte Filips ungeduldige Stimme durch den Flur, welche sie, wie auch Patryk gewaltsam in die Realität zurückriss. Atemlos löste sich Patryk von ihr, sah ihr tief in die Augen, bevor er sich von ihr löste und das Badezimmer verließ, Charlie verwirrt zurückließ. Was?!
„Na, was ist...kommst du, Kleines?", vernahm sie Patryks leise, raue Stimme auf dem Flur, der Schalk darin unüberhörbar. Dieser Teufel - IHR Teufel!
„Lorenz", grüßte Patryk knapp und trat an dem breitschultrigen Türsteher des DarkSide vorbei, welcher skeptisch eine Augenbraue hob, Charlie vollends irritiert musterte und ihr den Weg versperrte: „Entschuldigung...die Ein....", setzte er an, wurde jedoch sogleich von Patryks ruhiger Stimme unterbrochen: „Sie gehört zu mir, Lorenz. Sie braucht keine Einladung...uneingeschränkter Zutritt." Perplex runzelte der Security-Mitarbeiter die Stirn, zögerte, bevor er ohne ein Wort, sichtlich verwirrt, nickte und den Weg freigab.
Im Club angekommen sah Charlie sich um, der Raum noch hell erleuchtet, die Mitarbeiter augenscheinlich vertieft in die Vorbereitungen des Abends. Zielsicher trat ihr Begleiter auf eine Gruppe junger bildhübscher Damen zu, allesamt gekleidet in alltäglichen, unspektakulären Outfits – Privatoutfits. „Guten Abend die Damen", bemerkte Patryk nüchtern, was die Gruppe schlagartig verstummen ließ. Unsicher wechselten sie die Blicke untereinander, zögerten, bis sie ihn aufmerksam ansahen und seinen Gruß zurückhaltend erwiderten: „Guten Abend, Herr Mazur". Was zur Hölle?! „Tasha auf ein Wort. Alle anderen: Umziehen. Wir öffnen in vierzig Minuten.", ergriff er erneut das Wort, sein Ton kühl, distanziert, was Charlie unwillkürlich schlucken ließ. Diese Art! Leise tuschelnd löste sich die Gruppe auf, bis nur noch eine Dame vor ihnen stand – Tasha. Charlie schluckte, als ihr die Bilder ihres ersten Abends im DarkSide in den Sinn schossen, was Patryk an diesem Abend eben genau mit dieser Frau angestellt hatte. Fuck! „Patryk, wir sind für heute Abend bereits aufgestellt, ein neues Mädchen kann ich da nicht brauchen", ergriff Tasha überraschend bestimmt das Wort, was Patryks Mundwinkel amüsiert zucken ließ. Was? War sie doch bei ihrer letzten Begegnung mehr als nur devot gewesen. „Keine Sorge, ich möchte lediglich, dass du passendes Outfit für sie findest...", grinste er verschmitzt, bevor er einen prüfenden Blick auf seine Uhr warf, mit festem Schritt auf Charlie zutrat, seine Lippen dicht an ihrem Ohr: „Ich muss los, Kleines. Wir sehen uns später", schloss er ab und verschwand in einem der Gänge hinter der Bar, ließ sie tatsächlich alleine mit dieser Tasha zurück, welche sie nun ebenso irritiert ansah.
„Keine Tänzerin also?", vergewisserte sich Tasha neugierig, während sie ihren Blick aufmerksam über ihren Körper schweifen ließ. „Nein, keine Tänzerin und auch keine...." „Nutte?", warf Tasha lachend ein und schüttelte den Kopf: „Dann hätte er dich zu Juliette gebracht, nicht zu mir." Charlie hob eine Augenbraue: „..aber du...". Schmunzelnd winkte Tasha ab: „Ich? Ach ...nein...ich helfe nur gelegentlich aus....amüsiere mich ein wenig....", erwiderte sie, bevor sie innehielt, Charlie nachdenklich betrachtete: „Jetzt erinnere ich mich an dich...du bist doch die Kleine, die Patryk geärgert hat..." „Geärgert?", entfuhr es Charlie verdutzt, bevor sie die Schultern hob: „Eher gewehrt würde ich sagen...man muss sich schließlich nicht alles gefallen lassen...auch nicht von einem arroganten Teufel, wie Patryk es ist...", konterte sie keck, was Tasha herzhaft auflachen ließ: „Du gefällst mir...na los...wir suchen dir mal ein schönes Outfit, damit der ‚arrogante Teufel' zufrieden mit uns ist...alles andere wollen wir nicht." Unwillkürlich trat ein verschmitztes Grinsen auf Charlies Lippen: „Kommt darauf an", flüsterte sie leise, ihr Körper erfüllt von einer seltsamen Sehnsucht, einer Erregung, welche sie kaum in Worte fassen konnte, ihre Nervenenden bereits bei dem Gedanken an die ‚Konsequenzen' dessen schier glühen ließ. So sehr sie ihn als liebevollen Vater mochte, so sehnte sie sich doch ebenso nach dem überheblichen, anmaßenden Mann, als den sie ihn kennengelernt hatte. Den Mann, der sie allein mit seiner unsagbar dominanten, autoritären Art in die Schranken wies, sie mit seinem festen, unnachgiebigen Griff packte, sie in eine andere, unglaublich reizvolle, von unbändiger Lust erfüllte, Welt entführte.
Skeptisch hob Charlie eine Augenbraue, als sie das vor ihr liegende Outfit betrachtete. Ein hellblaues mit weißen Punkten versehenes kurzes Kleid im Vintage-Style, dazu eine hellgraue Strickjacke und hellgraue knöchelhohe Stoffschuhe: „Was ist nochmal das Motto?", erkundigte sich Charlie mit gerunzelter Stirn, was die junge Frau neben ihr breit grinsen ließ.
- (Very) Dirty Dancing-
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DarkSide - Femme Fatale
RomanceCharlotte, von allen nur Charlie genannt, gelangt lediglich durch Zufall an eine Einladung der besonderen Art. Ein Abend im ‚DarkSide'. Einer der verruchtesten, anzüglichsten Clubs der Stadt. Wer hätte ahnen können, wohin eine einfache App sie führe...
