Schamlos

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Charlie schloss das Buch in ihrer Hand, sah hinab und betrachtete die entspannten feinen Gesichtszüge des schlafenden Kindes direkt neben sich. Filip hatte vehement darauf bestanden, dass sie ihm vorlas, sie ihn ins Bett brachte, nicht sein Vater. Sie mochte diesen kleinen Kerl. Seine offenherzige, liebenswerte Art, sein Selbstbewusstsein, seine Neugierde, seine Unbefangenheit. Er war anders als andere, irgendwie besonders, auch wenn sie nicht in Worte fassen konnte weshalb. Ein Junge, den man einfach nur in sein Herz schließen konnte.

Behutsam schob sie sich aus dem kleinen Bett, bedacht darauf ihn nicht zu wecken, verließ leisen Schrittes das Kinderzimmer und schloss die Tür hinter sich.

Schweigend trat Charlie ins Wohnzimmer, sah sich suchend um, bis sie Patryk mit seinem Laptop auf dem Sofa erblickte, sein elegantes Hemd gegen ein Langarmshirt getauscht, welches seinen Oberkörper locker umspielte. Hochkonzentriert, vollkommen vertieft, sah er auf den Bildschirm, in seinem Ohr ein kleiner schwarzer Kopfhörer. Schmunzelnd trat sie von hinten an ihn heran, bis sie schlagartig erstarrte, realisierte, was er sich da ansah. Fassungslos schüttelte sie den Kopf. War das sein scheiß ernst? Sie atmete tief durch, ihr Puls beschleunigt, beinahe verärgert über sein schamloses Verhalten. Sie betrachtete sich durchaus als offenen Menschen, sicher nicht prüde, aber das? Dicht hinter ihm kam sie zum Stehen, räusperte sich geräuschvoll: „Dein scheiß ernst, Patryk?", ergriff sie mit fester Stimme das Wort, was ihn erschrocken zusammenfahren ließ: „Verdammt, musst du mich so erschrecken?" „Ich bringe deinen Sohn ins Bett und du schaust dir Pornos an? Ernsthaft? Was stimmt nicht mit dir?". Patryk zog scharf die Luft ein, atmete tief durch, bevor er zu einer Antwort ansetzte: „Erst denken, dann sprechen, Kleines, sonst bereust du es irgendwann. Das hier...", bemerkte er und deutete auf das Gerät vor ihm „...ist mein Job". Irritiert hob Charlie eine Augenbraue, während Patryk sich den einzelnen Kopfhörer aus dem Ohr zog: „Ein junges Amateurpaar. Wir hatten heute Mittag eine Probeaufnahme, die ich angesichts unseres kleinen Zwischenfalls erst jetzt bewerten kann. Ich war im Studio und deswegen nicht erreichbar.", erklärte er überraschend nüchtern, Charlies Blick intuitiv weiter auf den Bildschirm des Laptops gerichtet, gebannt von dem, was sie dort sah. Eine junge schlanke Frau mit langem schwarzem Haar, zusammengebunden zu einem wirren, lockeren Pferdeschwanz, über ihr ein drahtiger, definierter blonder Mann, der unscheinbarer nicht hätte sein können. Andächtig ließ er seine Lippen über ihren nackten Körper streifen, liebkoste ihr Haut auf unglaublich sinnliche Weise mit seinen Lippen, mit seiner Zunge, umschloss ihre aufgerichteten Brustwarzen, worauf sie genießerisch ihre Augen schloss, ihre Hände in seinem kurzen Haar vergrub. Charlie schluckte fest, vereinnahmt von ihrer eigenen Neugierde: „Dein Job? entscheidest also, ob es gut ist?", ergriff sie das Wort, lenkte sich so von den aufreizenden Bildern direkt vor ihren Augen ab. „Ich entscheide, ob ich mit diesem jungen Paar zusammenarbeiten möchte.", erwiderte Patryk, worauf Charlie fragend die Stirn runzelte: „Und woran machst du das fest?...Daran, ob es dich..." „...scharf macht?", beendete Patryk ihre Frage grinsend, bevor er ungeachtet ihrer Irritation fortfuhr: „Meine Erregung spielt an dieser Stelle keine Rolle. Es geht um Ausstrahlung, Authentizität, um Ästhetik, das Zusammenspiel der Darsteller. Darum, welche Zielgruppe ich mit diesem Paar ansprechen könnte...Komm her", beendete er seine Erläuterung und tippte auf den Platz neben ihm, bevor ein süffisantes Lächeln seine Lippen umspielte: „...oder genierst du dich?". Charlie zögerte einen Augenblick, biss sanft auf ihre Unterlippe, während sie die aufkeimende Erregung regelrecht spüren konnte. Spüren konnte, wie sich diese unsagbare Hitze erneut einen Weg durch ihren Körper bahnte, sie dabei regelrecht erschaudern ließ. „Sicher nicht", konterte sie, rief sich, wie auch ihren Körper zur Ordnung, trat selbstsicher um das Sofa herum und ließ sich in das Kissen neben Patryk sinken. „Gut... schaust du gelegentlich Pornos?" Erstaunt über seine direkte Frage sah Charlie ihn an, ihre Augen geweitet: „Das...ähm...ich glaube nicht, dass dich das etwas angeht", druckste sie überrumpelt, was ihren Nebenmann leise lachen ließ: „Also doch schinant... das überrascht mich angesichts deines sonst so losen, frechen Mundwerks ", stichelte er amüsiert, während er sie erwartungsvoll ansah: „Sieh es als eine einfache sachliche Frage...eine Umfrage zur marktanalytischen Zwecken wenn du so willst", fuhr er zwinkernd fort. „Du willst mich auf den Arm nehmen, oder?", hakte sie ein, schüttelte dabei ungläubig den Kopf. Mit einem Mal wurde Patryks Miene ernst: „Ich will ganz andere Dinge mit dir tun, als dich nur auf den Arm zu nehmen, Charlotte. Aber jetzt möchte ich einfach eine Antwort auf meine Frage". Charlie schluckte hart, atmete tief durch, während Patryk sie mit seinen Stahlgrauen Augen nahezu durchbohrte.

DarkSide - Femme FataleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt