Für einige Minuten ist es komplett still hier. Aus Fassungslosigkeit, oder aus irgendeinem anderen Grund. Vielleicht denkt auch jeder etwas anderes.
Doch grade als ich mich zu den Jungs umdrehe, bricht der Damm. Bei Alej.
„SAG MAL, SPINNST DU EIGENTLICH?! Du hast doch keine Ahnung, was das für Typen sind! Die sind gefährlich verdammt! Ich wollte dich da raus halten und was machst du?! Du präsentierst dich ihnen auf dem Silbertablett! Was hast du dir dabei eigentlich gedacht man!"
Nein. Er würde dich nicht anschreien. Niemals. Zayn's laute Stimme kommt mir wieder in den Sinn. Seine wutentbrannten Augen und seine angriffslustige Haltung.
Was ist mit mir los? Gerade eben noch habe ich mich gegen einen gefährlichen Typen gestellt und jetzt? Jetzt stehe ich zitternd vor meinem Freund und kriege kein Wort raus? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Aber anscheinend hat mich die Sache mit Zayn unbewusst so mitgenommen, dass mich jetzt der kleinste Streit an ihn erinnert.
Alej bemerkt aber mein Zittern und meinen verängstigten Blick nicht, denn er schäumt immer noch vor Wut und er hat seine Hände nach wie vor zu Fäusten geballt. Er scheint meine Angst wirklich nicht zu sehen. Der Einzige der sanft und langsam auf mich zukommt, ist Nils. Ausgerechnet der Jüngste von ihnen merkt, dass mit mir etwas nicht stimmt.
„Alej es reicht", donnert er seinen Freund an und legt mir währenddessen vorsichtig eine Hand auf meine Schulter.
Am Anfang zucke ich stark zusammen, aber ich weiß, dass er mir nichts tun wird, weshalb ich mich wieder schnell beruhige.
„Nimm deine verdammten Finger von ihm!" Dass Nils mich berührt, scheint ihm nicht wirklich zu gefallen. Aber er hat selber Schuld.
„Das werde ich erst, wenn du dich wieder im Griff hast. Und solange verschwinde ich mit ihm. Du kannst dich wieder melden, wenn du dich beruhigt hast." Nils spricht ganz normal mit ihm und nicht wütend, wie man meinen könnte. Dafür bewundere ich ihn grade sehr. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich meine Stimme unter Kontrolle hätte.
„Bist du bescheuert?! Du wirst ihn garantiert nicht hier wegnehmen!" Oh Nils. Das hat Alej doch nur noch mehr provoziert! Er weiß doch ganz genau, dass ich sein Ein und Alles bin und er alles tun würde, um mich bei sich zu haben und mich zu beschützen. Doch ich kann ihm immer noch nicht widersprechen. Vielleicht will ich es auch gar nicht?
„Ich will ihn dir auch nicht wegnehmen, Bro. Ich will nur die Situation entschärfen, damit du nicht vielleicht noch irgendwas Unüberlegtes tust, was du im Nachhinein bereuen wirst." Und mit diesen Worten zieht er mich mit sich, direkt auf die Haustür drauf zu. Mit einer Handbewegung zeigt er mir, dass ich mir meine Schuhe anziehen und eine Jacke mitnehmen soll.
Er zieht hinter sich die Tür zu und wir beide atmen erstmal tief ein und aus. „Alles wieder gut?", fragt er mich.
Ich zucke nur mit den Schultern und richte meinen Blick auf den Boden.
„Hey Ser. Was war denn eben los? Du hast total gezittert und wie ein verschrecktes Rehkitz geguckt!"
Ich gucke immer noch nicht auf und finde meine Schuhe viel spannender.
„Na gut. Vielleicht erzählst du es mir später. Was möchtest du denn jetzt machen?"
Zuerst habe ich keine Ahnung. Aber ich wollte Alej ja eigentlich heute was fragen und warum sollte ich das nicht auch mit Nils erledigen? Also gucke ich wieder auf, direkt in sein Gesicht und öffne meinen Mund. „Ähm.. Also... Könntest du vielleicht mit mir zu Zayn fahren?"
Überrascht reißt er die Augen weit auf. „Was willst du denn jetzt...?"
„Nein! Nein! Nein! Ich will nicht wieder zu ihm zurück! Aber ich habe eben gemerkt, dass ich hier gar keine Klamotten habe. Und da will ich schnell dahin und mir eine Tasche packen. Ich kann ja nicht für immer die Sachen von Alej anziehen. Nur... Ich will da nicht alleine hin..."
Erleichtert entspannt er sich wieder und lächelt mich an. „Na klar komme ich mit. Ich kann verstehen, dass du da nicht alleine hin willst, nach allem, was ich so gehört habe. Und Alej würde dich da auch ganz sicher nicht alleine hin lassen!"
Ich steige in sein Lachen mit ein, wenn auch etwas zurückhaltend.
Nach wenigen Minuten hält der 19 Jährige auf der Einfahrt des großen Hauses und schaltet den Motor ab. Die Fahrt haben wir damit verbracht, zu den Liedern im Radio laut und falsch mitzusingen und uns danach kaputt zu lachen. Nils hat es wirklich innerhalb von 10 Minuten geschafft, meine Laune wieder auf das Maximum zu steigern.
Aber jetzt heißt es erstmal, ab in die Höhle des Löwens.
DU LIEST GERADE
Lügen (boyxboy)
RomanceSergej ist anders. Er hat zwei Gesichter. Am Anfang zumindest... Und da hilft auch nicht gerade, dass er nicht nur in eine neue Stadt ziehen muss. Er bekommt noch einen Stiefbruder und einen Stiefvater dazu! Tolle Voraussetzungen für ein harmonisc...
