Es zählt nicht, wie lange ihr schon vereint seid
Es zählen nur, was für Erfahrungen ihr schon gemeinsam gemacht habt.
Zögerlich trete ich der großen Eingangstür näher und würde am liebsten wieder umdrehen. Ich habe einfach mit dieser Villa abgeschlossen und ich wollte sie eigentlich nicht wieder betreten. Na klar war es wochenlang mein Rückzugsort, mein Zuhause. Aber nachdem ich nach dem Streit vor ein paar Tagen hier raus geflüchtet bin, war ich echt am Boden zerstört. Das hat meine Reaktion ja eben bewiesen.
Aber immerhin stehen die Autos von meiner Mum und Larry nicht auf der Einfahrt und auch von Zayn's keine Spur. Dann kann ich nur hoffen, dass wirklich keiner Zuhause ist und ich in aller Ruhe meine Sachen packen kann und wieder in mein neues und einziges Zuhause fahren kann.
Zwar hat mir Alej's Reaktion Angst gemacht, aber noch mehr Angst hätte ich, wenn ich ihn verlieren würde. Das wäre das Schlimmste auf der Welt. Nie wieder sein süßes Grinsen, sein herzergreifendes Lachen und auch sein götterhafter Körper, den ich berühren kann.
Nils ist sofort mit mir ausgestiegen und schiebt mich jetzt förmlich immer näher auf die Tür zu. Seine Nähe nimmt mir wieder ein bisschen meine Angst und mein Körper richtet sich selbstbewusster auf.
Nur noch wenige Schritte, die mich davon trennen, die Haustür aufzuschließen und rein zu gehen. Kurzerhand nimmt Nils mir den Haustürschlüssel ab und steckt es selbst ins Loch. Wie von selbst geht die Tür auf und wir machen Schritte vorwärts.
Nichts zu hören. Keine Schritte, die schnell in Richtung Eingangshalle laufen. Keine laute Musik aus irgendeinem Zimmer. Noch ein gutes Zeichen.
„So. Und wo ist jetzt dein Zimmer?", fragt der Ältere kurzerhand und klatscht in die Hände.
Mit einer Kopfbewegung deute ich ihm mir zu folgen. Der kurze Weg kommt mir so vertraut und doch fremd vor. Unzählige Male bin ich diesen Weg in und aus meinem Zimmer gegangen, sodass ich ihn eigentlich blind gehen könnte.
Die Selbstsicherheit ist auf dem Weg wieder zu mir zurückgekehrt und ich kann nicht anders, als die Zimmertür mit einem Lächeln aufzumachen. Alles ist noch genauso, wie ich es verlassen habe. Auf den ersten Blick steht noch alles auf dem richtigen Platz und auch sonst sieht alles vertraut aus. Nur das alte Wohlgefühl ist nicht mehr da. Trotzdem ist es aber schön, ein letztes Mal alles zu sehen.
„Hier ist es also."
Lachend nicke ich und hole gleich zwei große Taschen unter dem Bett hervor. „Am besten packst du alles ein, was dir wichtig erscheint und alles, was du deiner Meinung nach an mir findest", wende ich mich grinsend an meinen Kumpel.
„Wird gemacht!" Zusammen attackieren wir meinen großen Kleiderschrank und haben dabei sichtlich Spaß. Nils guckt sich meine ganzen Klamotten genau an und hat immer irgendein Kommentar dazu.
Wir packen grade die letzten Teile ein, als ich eine Regung an der Zimmertür wahrnehme. Mit einem unguten Gefühl, drehe ich meinen Kopf und sehe einen regungslosen Zayn, der uns anguckt.
Der andere scheint meinen Stiefbruder und Exfreund wohl jetzt auch bemerkt zu haben und hält in seiner Bewegung inne. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Nils mich anguckt und wahrscheinlich an meinem Blick erkennt, um wen es sich bei dem jungen Mann handelt.
„Was...Was machst du hier", bricht Zayn die Stille und nimmt eine andere Haltung ein.
Was soll ich ihm sagen? Die Wahrheit, die hat er verdient! „Alej hat mich gefunden, als ich nach unserem Streit raus gerannt bin und hat mich mit zu sich genommen."
Keine Gefühlsregung kann ich aus seiner Mimik erkennen. Er hat schon wieder sein Pokerface aufgesetzt, aus der man nichts erkennen kann. „Und jetzt packst du deine Sachen."
Entschlossen nicke ich. „Ja. Ich wohne jetzt bei ihm und seinen Freunden."
Jetzt ist er es, der nickt. Aber er scheint nichts mehr sagen zu wollen. Deshalb schließe ich schlussendlich die Tasche und hebe sie auf, um dieses Gebäude ein für alle Mal zu verlassen.
Doch gerade als ich an Zayn vorbeigehen will, packt er mich am Arm, aber ohne mich anzugucken. „War er es..."
Beschämt senke ich den Kopf und schließe verletzt die Augen. Ich will ihm nicht verletzen. Um nichts in der Welt will ich ihm schaden. Doch das ist wahrscheinlich eh zu spät. In diesem Moment hasse ich mich so sehr dafür, dass ich ihn betrogen habe. Inzwischen kann ich mir ja nicht mal selber erklären, warum ich das getan habe. Vielleicht ist es, weil er mich so schlecht behandelt hat. Oder weil ich Abwechslung haben wollte. Ich habe keine Ahnung. „Nein. Alej hat mit der ganzen Sache nichts zu tun." Die nächsten Worte werden mich selber zerstören. „Niall."
Zayn's Kiefer verkrampft sich, seine Hand ballt sich zu einer Faust und der Druck um meinen Arm verstärkt sich. Doch ich denke nicht mal dran, mich zu beschweren. Ich habe alles verdient, was er jetzt machen wird. So was von verdient. „Warum..?", haucht er nach einer Ewigkeit.
„Ich weiß es nicht. Ich bereue es, glaub mir. Wenn ich es könnte, würde ich es rückgängig machen Zayn. Ich würde alles dafür tun. Aber das kann ich nicht. Leider..." Meine Stimme bricht immer weiter und ich bin kurz davor, mich auf den Boden fallen zu lassen, weil meine Beine mich nicht mehr halten.
Aber bevor sie wirklich nachgeben, zieht Zayn mich fest in seine Arme und vergräbt sein Gesicht in meinem Nacken. Dieser Moment macht mich so unglaublich glücklich. Denn diese Geste von ihm, bedeutet mir so unheimlich viel. So viel. Ihn einfach noch einmal in meinen Armen zu halten und ihn an mir zu spüren. Den Jungen, den ich vor wenigen Wochen noch so sehr geliebt und vergöttert habe. Er hat mich immer beschützt und am Anfang unserer Beziehung alles getan, damit ich glücklich bin. Dabei habe ich einfach nur seine Nähe gebraucht. Doch jetzt ist alles kaputt. Und das wegen mir. Wir hätten wahrscheinlich glücklich werden können. Zumindest denke ich das.
Wenn wirklich alles so perfekt zwischen uns gewesen ist, wären wir dann nicht auch noch nach wie vor zusammen? Wenn Zayn glücklich mit mir gewesen wäre, hätte er mich dann nicht auf Händen getragen und mich nicht Wochenlang nieder gemacht? Wenn ich ihn bedingungslos geliebt hätte, wäre ich dann nicht nur bei ihm geblieben, anstatt zu Niall ins Bett zu springen?
Wir waren nicht so glücklich, wie wir es vorgespielt und uns eingeredet haben. Wir waren anscheinend nicht füreinander geschaffen. Und diese Erkenntnis treibt mir wirklich Tränen in die Augen. Ich habe es mir so sehr gewünscht, dass Zayn der Richtige für mich wäre.
DU LIEST GERADE
Lügen (boyxboy)
RomanceSergej ist anders. Er hat zwei Gesichter. Am Anfang zumindest... Und da hilft auch nicht gerade, dass er nicht nur in eine neue Stadt ziehen muss. Er bekommt noch einen Stiefbruder und einen Stiefvater dazu! Tolle Voraussetzungen für ein harmonisc...
