Ich saß seit mehreren Stunden auf der Fensterbank und dachte über alles nach. Ich vermisste mein Zuhause. Mein Zimmer. Meine einzige Familie die ich hatte. Ich konnte nicht einmal mit Alec sprechen.
Zu meinem Glück, kam Camden nicht rein und lies mich einfach allein im Schlafzimmer. Erfreulicherweise hatte er kein Interesse an mir. Immerhin könnte er mich jederzeit gewaltsam beanspruchen. Gegen ihn könnte ich mich niemals wehren. Ich hoffte nur, dass alles so blieb.
Ich erinnerte mich an Miris Worte, als sie Sam traf. Er tat alles für sie. Würde Camden mir wenigstens einen Gefallen machen?
Die Tür öffnete sich und Camden kam mit einem Stapel Kleidung rein.
"Die kannst du anziehen, bis wir dir neue Kleidung gekauft haben."
"Ich brauche keine neue Kleidung. Ich will meine alte."
"Möchtest du raus? Ich zeig dir die Stadt, dann könnten wir alles besorgen."
"Ignorierst du eigentlich alles, was ich sage?", fragte ich frustriert.
"Sei in 5 Minuten unten."
Ich warf einen Gegenstand, der in meiner unmittelbaren Nähe stand nach ihm. Doch er fing die Kerze im Flug auf und stellte sie wortlos auf die Kommode, bevor er mich allein lies.
Schnell zog ich mir die rote Spitzenunterwäsche an und anschließend die schwarze Hose, die mir zum Glück genau passte. Camdens Pullover behielt ich an. Immerhin war er schön warm.
Als ich nach unten schritt, warf mir Camden einen fragenden Blick zu, den ich gekonnt ignorierte.
Nachdem ich auf den Beifahrersitz saß und mich angeschnallt hatte, fuhr Camden los. Dies war die Chance, die Matebindung auszunutzen.
"Cam?", nannte ich ihn das erste Mal beim Namen.
Seine Augen flackerten auf und er warf mir einen kurzen Blick rüber, bevor er wieder auf den Waldweg achtete.
"Was willst du?"
"Könnten wir...könnten wir zu mir? Ich möchte nur meinen Bruder sehen. Wenigstens 5 Minuten."
"Neela...es geht nicht."
"Weshalb nicht?", fragte ich lauter als geplant.
"Ich verspreche dir, dass du bald deinen Bruder siehst. Aber jetzt nicht. Es ist viel zu früh."
"Darf ich ihn wenigstens anrufen?", flehte ich.
"2 Minuten!", sagte er und reichte mir sein Handy.
Erleichtert tippte ich schnell die Nummer von Alec ein und wartete, dass er abhob.
"Hallo?", hörte ich die Stimme die mir Halt gab.
"Alec..."
"Neela? Geht es dir gut? Stimmt es, was ich gehört habe? Ist er...er dein Gefährte?"
"Ja. Mir geht es gut, mach dir bitte keine Sorgen um mich."
"Hat er dir wehgetan?", fragte er mit brüchiger Stimme.
Ich blickte zu Camden und antwortete: "Nein, er würde mir nicht wehtun."
"Shay meinte, dass er dich rausholen wird. Nur, wenn du es willst."
"Das reicht!", sagte Camden und schnappte sich das Handy.
"Nein, ich hatte noch Zeit!", rief ich aufgebracht als er einfach auflegte.
"Wer ist Shay? Der Werwolf der dich angefasst hat?"
"Belauscht du immer Gespräche?"
Seine Finger verkrampften sich am Lenkrad.
"Wer. Ist. Shay?"
"Niemand."
...
"Probier die hier an. Ich warte draußen. Mich ruft jemand an."
Cam drückte mir einen ganzen Haufen Kleider in die Hand und lies mich zurück. Ich hatte nur diese Chance. Ich lies die Kleidung fallen und rannte in die entgegengesetzte Richtung. Es müsste doch einen Hinterausgang geben, wo die Mitarbeiter rauchten.
"M'am. Hier dürfen Sie nicht rein!", sagte die Verkäuferin und sah mich streng an.
Ich ignorierte sie und rannte durch die Tür, die - wie ich es mir gedacht hatte - nach draußen führte. So schnell, wie mich meine Beine trugen rannte ich in eine Richtung und blickte kein einziges Mal über die Schulter.
Als ein Taxi vorbeifuhr, hob ich meine Hand und stieg schnell ein.
"Bitte fahren Sie los!"
"Wohin?"
"Nach Chesterfield."
Als sich das Auto in Bewegung setzte, seufzte ich erleichtert auf. Ich war frei. Ich hatte es geschafft, zu entkommen. Je weiter wir fuhren, desto unbehaglicher wurde mir zumute.
"Sir? Ich denke nicht, dass Chesterfield in dieser Richtung liegt."
"Das tut es auch nicht. Ich bringe dich zu meinem Alpha."
Panik überkam mich und erst jetzt verfluchte ich mich, dass ich so wenig auf meine Umgebung aufgepasst hatte. Ich saß hinter einem Werwolf und ich hatte es nicht einmal bemerkt.
"Bitte bringen Sie mich nicht zurück zu Camden!", flehte ich.
"Oh, natürlich nicht. Ich bringe dich zu Alpha Raven."
"Raven?" Diesen Namen hatte ich noch nie gehört.
"Er wird mich reichlich dafür belohnen, dafür dass ich Camden's Gefährtin zu ihn führe. Endlich hat er eine Schwäche und die bist du."
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Blood Moon (Camden & Neela)
LobisomemNeela verabscheut alles, was mit Werwölfen zu tun hat. Schlimm genug, dass sie selbst ein Werwolf ist und ihr Gefährte kein anderer als der berüchtigte Alpha Camden ist. Sein blutrünstiger Ruf eilt ihm voraus und jegliche Flucht vor ihm scheint zwec...
