Kapitel 22

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Camden

"Ich werde nachsehen."

Ohne auf eine Antwort zu warten, stürmte ich nach draußen in den Wald. Schon wieder wurden wir von jemanden beschattet. Irgendwann werden sie uns angreifen und daher sollten wir auf alles vorbereitet sein.

Seit Monaten bespitztelt uns jemand und ich wusste, dass sich jemand auf einen Krieg vorbereitete. Sie warteten nur darauf, in unserem Rudel eine Schwachstelle zu finden. Aber die gab es nicht und das wussten sie.

Ich hielt in meiner Bewegung inne. Ich hörte den Spion. Er war in der Nähe. Es dauerte keine Minute bis ich die kleine menschliche Gestalt fand. Sie war ein Halbwolf, doch der menschliche Teil nahm Überhand. Sie strömte einen atemberaubenden Duft aus und ich hatte eine böse Vorahnung. Als sie sich umdrehte und ich sie zwang, in meine Augen zu sehen, war es um mich geschehen. Ihre blauen Augen erinnerten mich an den Ozean und hatten dieselbe Wirkung auf mich. Der Anblick beruhigte mich. Ihr kleine Stupsnase passte zu ihren vollen, rosa Lippen. Ihre dunkelbraunen Haaren waren durchnässt und sie zitterte am ganzen Leib. War es wegen der Kälte? Hatte sie vor jemanden Angst und ist geflohen? Ihr Kleid war zerissen und neben ihren Geruch konnte ich einen weiteren ausmachen. Ich war wütend, doch diese Angelenheit würde ich später klären.

Ich hatte meine Gefährtin gefunden. Nach so vielen Jahren und der Zeitpunkt konnte nicht schlechter sein. Nicht jetzt, wo man seit Monaten nach einer Schwachstelle in meinem Rudel sucht. Nun stand diese ausgerechnet vor mir. Sie war klein, zerbrechlich und wunderschön. Mein Rudel spürte, dass ich meine Gefährtin gefunden hatte. Ich konnte niemals sicher sein, dass sich ein Verräter darunter befand. Jeder würde erfahren, dass ich sie gefunden hatte. Also hatte ich keine Wahl. Ich musste sie zwingen mit mir zukommen.

Sie wollte es nicht, doch ich konnte ihr keine Wahl lassen. Sie schwebte in Lebensgefahr und nur ich konnte sie vor den sicheren Tod bewahren. Sie musste denken, dass ich ein egoistisches Arschloch war. Dass ich sie nicht zur Gefährtin haben möchte. Obwohl dies der einzige Gedanke war. Ich wollte sie. Mit allem was ich hatte.

Ich durfte es ihr niemals zeigen. Nicht bevor ich wusste, dass niemand eine Gefahr für sie darstellte. Ich versuchte ihr gegenüber kalt zu bleiben. Der Drang sie zu markieren war kaum zu bändigen. Doch wenn ich ihr mein Mal aufsetzte, könnte ich mich niemals von ihr trennen.

Sie wollte nicht im selben Zimmer wie ich schlafen. Doch ich konnte ihr nicht fern bleiben. Selbst wenn sie mich hasste, ich musste in ihrer Nähe sein um die Gewissheit zu haben, dass sie sicher war.

Sie hatte ein freches Mundwerk und war stur. Genau wie ich stur war. Jedes Mal wurde ich wütend, aber nicht weil sie so mit mir sprach. Ich war wütend auf die ganze Situation. Ich wollte sie zum Schweigen bringen, indem ich ihre Lippen berührte. Doch ich durfte es nicht und dies machte mich wütend.

Fast hatte ich meine Beherrschung verloren, als ich sie nackt in der Gemeinschaftsdusche fand. Ich dachte darüber nach, dass sie jeder beliebige Wolf sehen konnte. Was wenn ich sie nicht zuerst entdeckt hätte?

Dann wurde sie entführt und ich sah lediglich rot. Ich konnte das Blut riechen. Sie hatte sich verletzt und wäre ich später gekommen, wäre ihr womöglich etwas viel schlimmeres zugestoßen. Der Gedanke daran, machte meinen Wolf und mich wütend. Ich musste sie mehr denn je beschützen. Man war ihr bereits auf den Fersen und das obwohl sie meine Markierung nicht trug.

Ich machte mir Sorgen, dass sie nichts aß. Also beschloss ich zu meiner Familie zu gehen. Dort würde sie vielleicht etwas essen. Doch ich hatte sie fast verloren. Weshalb? Weil ich sie nicht genug kannte. Ich wollte dies ändern. Ich dachte, sie würde sterben und den Gedanken hätte ich niemals ertragen können.

Ich hätte sie nicht von mir wegstoßen dürfen. Ich hätte von Anfang an um sie werben müssen. Sobald sie sagte, dass sie mich hasst, brach mein Herz in zwei Teilen. Diesen Gedanken ertrug ich nicht. Dieses Spiel funktionierte so nicht. Ich hatte keine Wahl, als ihr zu zeigen wie sehr ich sie wollte. Würde sie mir eine Chance geben?

Zu meinem Bedauern, erschien Raven und dies machte mich blind vor Wut. Ich konnte sie verstehen, weshalb sie dachte, ich wäre ein Heuchler. Sie dachte, ich würde ihr keine Wahl lassen und dass sie meine Gefangene wäre. Ich hätte ihr sagen müssen, wieso ich wollte, dass sie bei mir blieb. Den wahren Grund. Keine Lüge, dass ich hier nur an mich dachte und nicht durch ihren Tod geschwächt werden wollte.

Ihre Worte verletzten mich. Sie hielt mich für einen Mörder und sie fühlte sich damit bestraft, meine Gefährtin zu sein. Sie verabscheute das Monster in mir. Ihre Worte taten weh, denn sie waren war. Ich hatte so eine engelsgleiche Seele niemals verdient. Ich war ein Egoist und ein Mörder.

Als ich von meinen Mordtrip zurück kam, machte ich den nächsten Fehler. Ich lies meine Wut an ihr aus. Obwohl sie rein gar nichts dafür konnte. Vielleicht wäre es für sie einfacher, mich zu hassen. Mehr, als sie es jetzt schon tat. Ich wusste, dass ich sie nicht gegen ihren Willen hier behalten konnte. Ich musste sicher sein, dass sie sich nicht mehr in Gefahr befand. Doch niemand durfte wissen, dass ich sie gehen lassen musste.

Als sie sagte, sie wünschte sich Raven als Gefährten, sah ich rot. Ich war wütend, wollte sie aber nicht verletzen. Raven war ein Vergewaltiger und das letzte, was sie verdient hatte. Doch dann erwähnte sie Amara und ihren Tod.

Ich war nicht wegen Amara wütend. Sie war eine alte Freundin, nicht mehr. Ich konnte sie nicht beschützen und hatte Angst wieder jemanden zu verlieren. Diesmal jemanden, der mir alles bedeutet. Doch Neela's Worte riefen meinen Wolf und ich verlor die Kontrolle. Als sie darüber sprach, sich eher ihr Leben zu nehmen, anstatt mit mir zusammen zu sein, brannten bei mir alle Sicherungen durch. Ich konnte sie nicht verlieren. Ihr Tod bedeutete meinen. Unbewusst hatte ich sie verletzt, weil ich für fünf Sekunden meine Kontrolle verloren hatte.

Ich liebte Neela, seitdem ich in ihre ozeanblaue Augen sah. Wenn sie mich hasste, würde ich damit leben. Nur sie durfte sich niemals ihr Leben nehmen.

Blood Moon (Camden & Neela)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt