14. Kapitel

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     Meine Gedanken drehten sich, während wir das Haus betraten. Kane war angespannt, die Hand an seiner rechten Seite zur Faust geballt, während seine Schritte groß und schwer waren. Ich hatte das Gefühl, dass er wütend war. Sehr wütend.
     Nur wusste ich nicht, was ich dagegen hätte tun sollen. Denn er sprach nicht. Er schien auch nicht mehr mit Ava zu sprechen. Doch egal was er in ihrem Kopf gesehen hatte, es brachte ihn fast dazu aus der Haut zu fahren.
     Ein paar Minuten des angespannten Schweigens vergingen. Ava ging in die Küche und holte sich ein Glas Wasser, sowie auch für mich. Dankend nahm ich es an und trank einen tiefen Schluck.
     Erst dann drehte Kane sich zu uns um. »Er hat dich eine Schlampe genannt. Und das nur, weil wir uns in dem Geschäft angesehen haben.«
     Da. Da war der Grund wieso er so wütend war. Wegen dieser Beleidigung, die ich schon fast wieder hinter mir gelassen hatte.

      »Ja, das hat er, aber mich kümmert das nicht wirklich weiter. Ich habe ihm meine Meinung gesagt und der Rest spielt keine Rolle.«

      Kane schüttelte den Kopf, seine Augen glühten.

      »Für mich spielt es eine Rolle, July. Denn niemand sollte so etwas zu einer Frau sagen. Niemand.«

      Ein tiefer Seufzer kam über meine Lippen. »Natürlich sollte man das nicht sagen, Kane. Und ja, natürlich hat es mich kurzzeitig wütend gemacht aber ich habe ihm meine Meinung gesagt und habe es nicht einfach hingenommen. Er ist einfach nur in seinem Stolz verletzt und versucht mich zu verletzen. Nimm es dir nicht so zu Herzen bitte, Kane. Das ist wirklich nicht weiter wichtig. Wirklich. Es spielt doch keine Rolle. Denn das ist doch das, was er will. Er will mich wütend machen und verletzen. Jetzt schafft er das bei dir.«

       Er sah mich an und schien fast nicht zu verstehen, wie ich so ruhig an die Sache herangehen konnte. Die Wahrheit war, dass es nicht leicht war und vor ein paar Monaten hätte ich bei dieser Aussage geweint.
       Die neue July aber ließ sich so etwas nicht mehr gefallen und hatte Josh durchschaut. Er war ein verletzter Junge, der es nun an anderen auslassen musste, um sich selbst besser zu fühlen. Das aber konnte ich nicht zulassen.
      Weswegen ich ihm nicht Blöße geben würde. Ich würde nicht weinen. Nur damit das klar war. Ich würde nicht weinen. Denn es gab keinen Grund zum Weinen. Ich kannte die Wahrheit, Kane kannte die Wahrheit, Ava kannte die Wahrheit.
       Das war es, was zählte. Wir alle wussten, dass Josh nicht recht hatte. Er hatte mir den Job genommen, doch er würde mir nicht noch mehr nehmen. Nein. Das würde ich nicht zulassen. Das konnte er einfach nicht.

      »Es ist nicht die Wahrheit, Kane. Das weißt du. Also ist es auch egal, was er denkt.«

      Kane kam auf mich zu und ich spürte, wie Ava etwas von mir abrückte. In seinen Augen loderte ein Feuer. Das Herz schlug mir bis zum Hals, als er vor mir stand und mir tief in die Augen sah.

      »Ich weiß, dass es nicht die Wahrheit ist. Aber vielleicht bin ich Schuld daran, dass er dir den Job genommen hat und sich so benimmt. Denn ich weiß, wie ich dich angesehen habe und das war... wenn ich dich nicht angesehen hätte, dann-«

        Ich wusste nicht, was über mich kam, als ich meine Hand auf seinen Mund legte. Ich spürte seine Lippen an meiner Haut und den kratzenden Ansatz seines Drei-Tage-Bartes. Es störte mich allerdings nicht. Nicht im Geringsten. Er riss überrascht die Augen auf und ich spürte, wie ein heißes Prickeln über meinen Körper jagte, doch ich versuchte es mir nicht anmerken zu lassen.

       »Dann hätte Josh eine weitere Ausrede gefunden, wieso ich ihn verlassen habe. Es ist egal, ob ich dich angesehen habe und du mich. Er hätte einen anderen Mann gefunden. Oder eine Frau. Keine Ahnung, was in seinem Kopf vorgeht. Er hätte alles erfunden, nur um sich zu rechtfertigen. Du hast mich nunmal angesehen und das ist kein Verbrechen. Ich dachte nicht, dass dich das so aus der Fassung bringen würde.«

Her DestinyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt