Kapitel 294 - Hellblaue Antwort

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Durch die Sonne, die durch das Fenster scheint, sieht es aus, als wäre der Schmetterling geradewegs aus dem Himmel entsannt worden, um uns mit seiner Schönheit zu beglücken.

„Das ist der erste Schmetterling, den ich in New York sehe", flüstert Zayn, während wir das kleine Tierchen weiterhin staunend betrachten.

Ich habe auch noch nie einen Schmetterling in New York gesehen. Ich glaube, ich habe allgemein noch nie solch einen schönen Schmetterling gesehen. Seine Flügel strahlen quasi. Es mag ein Fluch sein, aber immer wenn ich an Schmetterlinge denke, kommt mir Harry in den Sinn. Er mit seinem grausamen Schmetterlingstattoo auf dem Bauch würde mich wahrscheinlich immer plagen, wenn auch nur das Wort Schmetterling fällt.

Wir beobachten, wie der Schmetterling zu meinem Schreibtisch flattert, unten drunter und zu meinen vielen Schubladen. Hat er ein Ziel? Es sieht fast so aus. Er flattert zu einer Schublade, die ich abgeschlossen habe und bleibt auf dem Henkel sitzen. Jetzt sitzt er darauf und blickt zu uns, als würde er auf etwas warten.

Mir schießt sofort die Erinnerung in den Kopf, was in dieser Schublade drin ist. Harrys Geschenk, das ich nie geöffnet habe.

Ohne viel nachzudenken, krabble schnell ich zu der Schublade. Der Schmetterling fliegt beinahe zufrieden davon und ich krame den Schlüssel fieberhaft aus einer anderen Schublade.

„Was tust du da?", fragt Zayn verwirrt.

„Ich – Äh." Ich halte den Schlüssel in der Hand und schiebe ihn in das Schloss. Ich muss jetzt dieses Geschenk öffnen, ich hätte es viel früher tun müssen. „Das hier", sage ich und nehme das blau eingepackte, kleine Geschenk hervor, lasse mich auf mein Hinterteil fallen.

„Was ist das?"

„Mein Geburtstagsgeschenk", erkläre ich und fange an, das Geschenk schnell aufzureißen. Ich liebe es noch mehr, weil es so unordentlich eingepackt ist. Ich reiße das Papier auf, mein Herz schlägt mir bis zum Hals, denn ich war selten so aufgeregt.

Schließlich halte ich das Geschenk in der Hand.

Ein Schlüsselanhänger in Form eines hellblauen Schmetterlings. Oh, mein ...

Drunter ist ein kleiner Zettel. Mit pumpendem Herzen entfalte ich es.

Damit ich immer bei dir sein kann. H, steht darauf in Harrys Schrift.

Ich bin komplett erstarrt und sehe nur auf den Zettel und den Schmetterling in meinen Händen. Er wusste, dass ich sein Tattoo überhaupt nicht ausstehen kann und deswegen Schmetterlinge immer mit ihm verbrinde. Und ich liebe es. Er hat mir das Geschenk zu der Zeit gekauft, in der er pleite war, deswegen könnte jeder behaupten, es sei nichts Besonderes, doch das ist es. Es ist perfekt.

Zayn setzt sich neben mich und sieht auf den Zettel und den Schmetterling. „Wow", sagt er. „Das ist ... Ich bin sprachlos."

Ich sehe auf und sehe den Schmetterling, wie er wieder aus dem Fenster flattert.

Ich bin auch sprachlos, mehr als das. Es ist fast, als wollte er mir zeigen, dass ich dieses Geschenk sehen sollte. Wollte er das? Oder bilde ich mir das ein?

„Ly, du musst es dir jetzt anhören", unterbricht Zayn wieder meine Gedanken.

Ich sehe ihn an. „Was?"

Er greift nach meinem Handy, das neben mir liegt. „Du weißt ganz genau, was ich meine. Du musst es dir jetzt verdammt nochmal anhören. Das eben hat wirklich mehr als tausend Worte gesprochen."

Hektisch stehe ich auf. „Nein, Zayn!", rufe ich aus und will ihm das Handy aus der Hand nehmen. „Das kannst du jetzt nicht tun!"

Er schupst mich weg und geht von mir weg, tippt auf meinem Handy rum. „Du kannst es nicht ewig vor dich hinschieben! Diese verdammte Nachricht juckt mich schon seit Ewigkeiten in den Fingern! Hör auf Angst zu haben und hör es dir endlich an!"

„Zayn, bitte tu das nicht!", flehe ich und versuche ihm weiterhin das Handy aus der Hand zu reißen, während er es in die Luft hält. Ich springe an ihm hoch, derweil er mich wegdrücken will. Wie verrückte kämpfen wir miteinander.

„Ly", quetscht Zayn hervor und versucht mich weiter wegzudrücken. „Hör es dir verdammt nochmal an!"

Als ich gerade nach meinem Handy springe, das er hochhält, fliegt es auf den Teppichboden. Kurz halten wir inne, um zu erkennen, ob es kaputt ist.

Hi", ertönt eine Stimme aus meinem Handy. Es ist definitiv Harrys. Mir bleibt sofort das Herz stehen. „Ich bin's ... Harry. Falls dir das noch was sagt."

Hurtig versuche ich nach dem Handy zu greifen, um die Mailboxnachricht wegzudrücken, doch Zayn hält mich fest. „Hör es dir an", zischt er.


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