34. Neue Nachrichten und neue Treffen

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Danke für 4k! *~*
Übrigens habe ich auf Facebook nun eine Autorenseite erstellt ;D. Wenn ihr wollt, könnt ihr vorbeischauen: Delia Muñoz - Autorin <3 (dass ich Intsa habe, wisst ihr ja, oder?)

Das war eine interessante Aussage. Klar, die Perspektive, wie die Leute sich selbst sehen, ist meistens eine andere, als wie die anderen die Leute sehen. Ich fragte mich insgeheim, wie er mich wohl abbilden würde, aber ich traute mich nicht, eine entsprechende Bemerkung zu machen. „Hast Recht", sagte ich stattdessen. „Das wäre ein spannender Vergleich." Ich deutete auf seine Mutter, die dieselben blonden Haare hatte wie er, sogar dieselbe Länge. „War das deine Idee oder ihre?"

Kyle überlegte einen Moment. „Es war meine", sagte er dann und lachte. „Sie wollte, dass ich sie zeichnete, aber sie hatte keine Lust, so lange ruhig zu stehen.

„Kann ich verstehen", grinste ich. Manche Leute hatten schon Mühe, ruhig auf die Strassenbahn zu warten, geschweige denn, ohne eine winzige Bewegung dazustehen. Meine Mutter jedoch gehörte ganz und gar nicht zu der Sorte, sie sass sowieso fast immer reglos da, wenn sie nichts zu tun hatte. Da war mein Vater völlig anders, er beschäftigte sich gerne. Und damit waren meine Gedanken bei meinem Vater gelandet und sofort spürte ich, dass meine Laune sank. Ich würde die Lebendigkeit meines Vaters nur noch selten sehen und stattdessen mit meiner Mutter am Tisch sitzen, irgendwie versuchend, ein interessantes Thema anzuschneiden, bei dem es nicht um die Kirche oder das andere Geschlecht ging. Ich holte tief Lust und hoffte, dass so der Schmerz verschwand, der sich soeben in meiner Brust breit machte, aber es brachte nichts.

„Malia, alles okay?", fragte Kyle und holte mich zum Glück aus meinen Gedanken. Ich schaute ihn an und sah, dass er mich mit fragend und etwas besorgt zugleich betrachtete. „Oh", sagte er dann bestürzt und legte schnell die Zeichnung seiner Mutter in die Mappe. „Tut mir leid, ich hätte eine andere Zeichnung nehmen sollen."

Ich schüttelte schnell den Kopf und merkte, dass ich schon wieder etwas von meinen Grübeleien abgelenkt war dadurch, dass Kyle mit mir redete. „Ist schon okay", beruhigte ich ihn. Ich wollte nicht, dass er sich deswegen schuldig fühlte, bemühte mich um eine fröhliche Miene und wechselte abrupt das Thema in eine unverfängliche Richtung und weg von meinen Eltern.  

Ich war auf dem Nachhauseweg, als Lona mir anrief. „Hallo?", fragte ich und überlegte, ob sie von irgendjemandem hätte erfahren können, dass meine Eltern sich trennten. Als ich beim Abnehmen kurz einen Blick auf das Display geworfen hatte, hatte ich gesehen, dass ich einen verpassten Anruf von Theo und einen von meinem Vater hatte, aber im Moment interessierte es mich nicht.

„Ich habe schlechte Neuigkeiten", sagte Lona atemlos und mir wäre bei ihrem drängenden Ton beinahe das Handy aus der Hand gefallen.

„Ich auch", erwiderte ich. „Aber du zuerst."

„Ich habe mit zwei Leuten abgemacht, denen es gleich erging wie mir nach der Bar am Sonntag", erklärte Lona in einem Atemzug.

Einen Moment lang wusste ich nicht, was ich sagen sollte. „Also erstens: Wie hast du die gefunden? Zweitens: Warum machst du mit ihnen ab? Drittens: ich will unbedingt dabei sein." Das war zudem eine gute Ablenkung von meinen Eltern. Seit es Lona nach dem Getränk so schlecht gegangen war, war das Feuer in mir endgültig entfacht. Ich wollte wissen, was bei der Bar falsches abging.

„Das dachte ich mir doch", lachte Lona, anscheinend antwortete sie auf meine Liste der Fragen rückwärts. „Ich mache ab, um herauszufinden, was sie gehabt hatten und wer sie bedient hatte. Und ich hab sie via Facebook gefunden..." Lona zögerte. „Aber sie gehen hier in die Schule." Sie wusste, wie misstrauisch ich in der Hinsicht Internetbeziehungen war, aber wie bei so Vielem in letzter Zeit war es mir im Moment ziemlich egal, wie gut ich sie kannte. Ich musste endlich lockerer werden.

„Gut, dann sag mir, wo ihr euch trefft", verlangte ich.

„Im Park", erwiderte Lona und ich hörte ihr an, dass ihr meine Antwort gefiel. Wahrscheinlich hatte sie eine Moralpredigt über das gefährliche Internet erwartet. „In einer halben Stunde." Ich überlegt kurz. Ich hatte keine Lust, nach Hause zu gehen, zumal ich dann sofort wieder gehen müsste, um rechtzeitig im Park zu sein. Es war also eine gute Lösung, wenn ich direkt zum Treffen ging und halt ein wenig früher dort bin.

„Okay, ich geh jetzt gleich hin", antwortete ich. „Hab keine Lust, jetzt noch nach Hause zu gehen." Mein Ton war bitter und ich erinnerte mich daran, dass Lona es ja noch nicht wusste.

„Malia, was ist denn passiert?"

Ich zögerte. Am Telefon wollte ich ihr das nicht sagen, das war keine Nachricht, die man mal so via SMS schrieb. „Kannst du auch in den Park kommen, jetzt?", fragte ich bittend. „Dann können wir noch reden."

„Ja, klar", sagte Lona sofort zu und ich hörte die Besorgnis in ihrer Stimme. „Ich mach mich gleich auf den Weg."

„Danke." Es war erleichternd gewesen, mit Kyle darüber zu reden, aber Lona war meine beste Freundin und allein die Aussicht, ihr von der Trennung erzählen zu können, erleichterte mir sofort den beengenden Gedanken daran. „Bis dann", sagte ich noch und wir legten auf. Dann legte ich einen Zahn zu, um schnell im Park anzukommen, denn Lona wohnte näher dran als ich es gerade war. Als ich ankam, sah ich Lona schon bei unserem Stammplatz bei der Bank unter einem Baum warten. Als sie mich sah, stand sie auf und kam mir schnell entgegen. Sie umarmte mich wortlos, als wir nahe genug waren. Ich hatte den ganzen Weg über den Gedanken nicht von meinen Eltern wegbringen können, egal, wie sehr ich mich auf die Bar konzentrieren wollte und ich nahm an, dass Lona mir die betrübte Laune ansah. Befreit drückte ich sie einen Moment länger an mich als sonst und Lona erkundigte sich leise: „Ich rechne grad mit allem, das weisst du, oder?"

Ich versuchte ein Lächeln. „Das ist gut. Aber ich denke nicht, dass du richtig liegst." Meine Stimmungsschwankungen heute waren echt beängstigend. Zwar fühlte ich mich erlöst, dass ich mit Lona reden konnte, aber gleichzeitig kam der Schmerz in der Brust wieder zurück, den ich langsam schon kannte. Wir setzten uns nebeneinander auf die Bank und ich begann seufzend zu erzählen, den Blick auf meine Fingerspitzen gerichtet.

* * *

Ich frag mich, warum Wattpad jeweils weniger Wörter angibt als es das Word-Dokument tut? :o

Küsse im 2/4-TaktWo Geschichten leben. Entdecke jetzt