HUNTER
Ich schloss das Schwimmbad ab und fischte in meiner Sporttasche nach meinen Zigaretten. Als ich fündig geworden war, steckte ich mir eine Kippe zwischen die Lippen und zog das Feuerzeug aus meiner Hosentasche. Abwesend zündete ich sie an und nahm erstmal einen tiefen Zug. Langsam bließ ich den Rauch aus und schloss die Augen. Meine Mutter hatte mich heute Morgen nicht einmal angesehen. Trotzdem hatte ich ihre rot umrahmten Augen bemerkt. Mein Vater natürlich nicht. Er war wie immer in seiner eigenen Welt versunken. In einer Welt in der nichts wichtig war außer dem gesellschaftlichen Ansehen und Geld.
Ich öffnete den Kofferraum meines Autos und verstaute die Sporttasche darin. Dann nahm ich meinen Rucksack vom Beifahrersitz und warf ihn mir über die Schulter. Als ich zum Schulgebäude ging, kam ich an Lucias Jeep vorbei. Das Ding war echt der reinste Schrotthaufen. Wieso sie ihr überhaupt noch erlaubten, das Teil zu fahren, würde mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Ich sah etwas genauer hin und entdeckte sie und Erin, schlafend, in ihren Sitzen. Amüsiert zog ich eine Augenbraue hoch. Lucia kümmerte mich nicht wirklich. Wir provozierten einander jetzt schon seit wir beide Freshmen waren und das wars dann auch schon, aber Erin. Erin. Ich ging auf den Wagen zu und stellte mich vor die Beifahrertür. Die Autofenster waren herunter gekurbelt und im Radio lief bring me the horizon.
Sie hatte ihre langen Beine auf das Armaturenbrett gelegt und war im Sitz nach unten gerutscht. Ihre Stupsnase kräuselte sich ein bisschen, als sich eine Strähne aus ihrem Dutt löste und ihr ins Gesicht fiel. Erin war niedlich und ich mochte es, sie nervös zu machen. Jedes Mal, wenn sie wütend wurde, sah ich aber dieses Feuer in ihren Augen. Dann erinnerte sie mich immer am meisten an Blue. Das Problem war nur, dass sie eben nicht Blue war. Sie war die Art von Mädchen, für die man das Rauchen aufgibt und keine Schimpfwörter mehr benutzt. Ich wusste, dass ich so jemanden nicht wollte, auch wenn sie gut für mich wäre. Was ich wollte, war Blue und das würde auch Erin nicht ändern.
Frustriert massierte ich mir den Nasenrücken und schloss die Augen. Ich konnte nicht glauben, dass ich sie tatsächlich gefragt hatte, ob sie mit ihrem Bruder schlief. Dieser ganze Scheiß bereitete mir Kopfschmerzen und es erinnerte mich zu sehr an Allison. Ich wollte mich an sie erinnern, aber nicht so. Plötzlich schrie jemand im Auto und ich riss die Augen wieder auf. Beide, Erin und Lucia, starrten mich entsetzt an.
"Dachtest du dir "wie ihr mir so ich euch" und stalkst uns jetzt beim Schlafen oder was?", biss mich Lucia an. Wie so viel Aggression in so einen kleinen Körper passte, würde ich wohl nie herausfinden. Erin rieb sich müde die Augen und nahm ihre Brille aus dem Getränkehalter.
"Hallo?", schob das Mädchen nach, als sie merkte, dass ich ihre Freundin beobachtete, die nebenbei total ahnungslos ihren Kaffee schlürfte.
"Dein linker Vorderreifen ist platt." Und deine Stoßstange fällt fast ab. Der Lack geht runter. Außerdem hat sich Rost durch die Kühlerhaube gefressen und eigentlich auch überall sonst. Das sparte ich mir lieber. Sie wusste es ja selbst. Lucia hob mahnend den rechten Zeigefinger. Ich zuckte mit den Schultern und machte auf dem Absatz kehrt.
ERIN
Ich sah ihm verwirrt hinterher. Er trug ein weißes Langarmshirt, durch das man deutlich das Tattoo auf seiner Brust sehen konnte. XIII-XI. Was sollte das heißen? Ein Code? Ja, natürlich Erin. Ein Teenager lässt sich einen Code auf den Oberkörper tätowieren, weil wir hier ja auch bei Prison Break sind. Ich nahm noch einen Schluck von meinem lauwarmen Kaffee und lehnte den Kopf zurück. Das mit den Tattoo hatte mich schon früher interessiert. Aber wie hätte ich denn fragen sollen? Außerdem bezweifelte ich, dass er mir gesagt hätte was es bedeutete. Schließlich war ich nur irgendein Mädchen aus irgendeinem Club. Eine von vielen. Vermutete ich zumindest.
"Leute!" Ich zuckte erschrocken zusammen und hätte fast meinen Becher fallen lassen. Sam streckte den Kopf durch mein Autofenster und grinste.
"Habt ihrs schon gehört?" Sie sah uns fragend an. Lucia und ich tauschten Blicke aus und schüttelten beide langsam den Kopf.
"Was ist denn passiert? Bitte sag mir, dass Mister Tunner von einer Teermaschine überfahren worden ist." Sprachlos starrte ich meine Freundin an. Sie zuckte mit den Schultern und spitzte die Lippen.
"Was denn? Man kann doch wohl noch Träume haben."
"Das ist-", fing ich an, entschied mich dann aber doch anders, da dieses Gespräch absolut sinnlos wäre.
"Also Sam, was ist los?", fragte ich stattdessen an das rothaarige Mädchen gewandt.
"Hunter Hayes sucht seine Cinderella." Sie lachte. Lucia stieß mich mit ihrem Fuß in die Seite. Ich schüttelte kaum merklich den Kopf, um ihr zu vermitteln, dass dieser Gedanke hirnrissig war.
"Was genau heißt das denn?", presste ich hervor.
"Rowan hat Elvis erzählt, dass er von Annie gehört, dass Hunter Ethan gesagt hat, dass er ein Mädchen sucht, mit dem er was in so einem Club hatte." Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und fing an zu husten. Mein Kopf wurde rot. Wie atmet man?
"Alles gut bei dir?" Sam sah mich irritiert an, während ich praktisch vor ihren Augen an meiner eigenen Dummheit erstickte. Lucia klopfte mir ein paar Mal fest auf den Rücken und meine Atemweg machten sich wieder frei. Atemlos lehnte ich mich nach vorne und versuchte ruhig Luft zu holen.
"Erin Rynfield. Zu dumm um Kaffee zu trinken." Meine Freundin lachte.
"Oh, Sam. Hast du jetzt nicht Mister Franklyn?" Ich hörte wie das andere Mädchen leise "scheiße" murmelte und dann schnell verschwand. In der Zwischenzeit hatte ich meine Augen geschlossen und versuchte keinen Nervenzusammenbruch zu erleiden.
"Wer hätte das gedacht? Er sucht dich, Erin." Lucia schien genauso geschockt wie ich zu sein. Sie hatte wieder den Ausdruck völliger Verwirrung auf ihrem Gesicht und ich konnte es absolut nachvollziehen. Langsam setzte ich mich wieder auf und sah sie unsicher an.
"Ist es schlimm, dass ich diese Cinderella-Sache irgendwie interessant finde?", fragte Lucia vorsichtig. Das Mädchen neben mir sah mich entschuldigend an und ich massierte mir die Schläfe.
"Das ist nicht cool. Das ist ein Desaster. Vielleicht hat er mich nicht erkannt, aber er sucht nach mir. Das heißt er wird mich vermutlich irgendwann finden, so blind kann er doch gar nicht sein. Und was soll ich dann bitte machen?" Verstört starrte ich gerade aus durch die Windschutzscheibe.
"Wird schon nicht passieren, keine Sorge. Wir müssen nur sicher gehen, dass du ihm nicht mal in den Sinn kommst, wenn er an Cinderella denkt." Frustriert fuhr ich mir durch die Haare.
"Hör bitte auf das zu sagen", murmelte ich leise vor mich hin.
"Was? Cinderella?" Lucia stutzte.
"Denk doch mal drüber nach. Genau das bist du doch. Du vögelst dreimal den heißen Kerl und verschwindest. Jetzt sucht er nach dir. Eindeutig Cinderella."
"Ich erinnere mich ein bisschen anders an das Märch-"
"Halt die Klappe. Du bist Cinderella." Meine Freundin fing an breit zu grinsen.
"Und ich bin die gute Fee."
*****
Let's get started on the actual plot, shall we?
Ich hoff euch gefällts. I'm really excited.
Okey, bye.
adorablemalia
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PLAYING PRETEND
Teen FictionJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
