HUNTER
"Willst du mir das Eis vielleicht auch mal-" Erin fing an den Kopf zu schütteln und streckte mir ihre Hand ins Gesicht. Ich rollte mit den Augen und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken.
"Shhhh! Jetzt kommt die beste Stelle." Sie stopfte sich einen weiteren, völlig überladenden Löffel mit Erdbeereis in den Mund und sah gebannt zum Fernsehr. Das Mädchen im Film räusperte sich und hob den Kopf, Erins Begeisterung strömte förmlich aus ihr heraus. Es war verdammt niedlich.
"Ich hasse es, wie du mit mir sprichst, und deine komische Frisur", fingen die blonde Hauptperson und Erin gleichzeitig an, wenn auch Erin etwas undeutlich sprach, weil sie noch Eis im Mund hatte.
"Ich hasse, wie du Auto fährst, und deine ganze Machotour. Ich hasse deine Art mich anzuglotzen und dich ständig einzuschleimen. Ich hasse es so sehr, ich muss fast kotzen, noch mehr als bei diesen Reimen." Ich fing an zu grinsen, als das Mädchen, das ihren Kopf auf meinem Schoß hatte, jedes einzelne Wort in perfektem Timing mitsprach. Sie zog eine Augenbraue hoch und ließ sich nicht weiter von mir beirren.
"Ich hasse es, wenn du Recht behältst, und deine Lügerei." Ich schloss meine Augen und holte Luft.
"Ich hasse, wenn du mich zum Lachen bringst, noch mehr als meine Heulerei", schloss ich mich an. Erin setzte sich kerzengerade auf und starrte mich mit einem Gesichtsausdruck an den ich nur als "begeisterter Welpe" beschreiben konnte. Sie vernachlässigte sogar den nächsten Satz.
"Ich hasse, wenn du nicht da bist und dass du mich nicht angerufen hast." Wir starrten uns an, ich wäre fast in schallendes Gelächter ausgebrochen, weil sie sich so freute.
"Doch am meisten hasse ich, dass ich dich nicht hassen kann", stieg ich wieder ein, Erin sah mich an, als würde sie gleich weinen.
"Nicht mal ein wenig, nicht mal ein bisschen." Erin stellte das Eis auf den Tisch auf dem ich meine Füße hatte und setzte sich auf meinen Schoß - sogar mit dem Rücken zum Fernsehr.
"Nicht einmal fast", flüsterte sie mir ins Ohr bevor sie anfing laut zu lachen und ihre Arme um meinen Hals legte.
"Verdammt, Hayes. Du stehst auf Chick-Flick-Filme." Ihre Aufgeregtheit wärmte einen normalerweise sehr kalten Teil von mir.
"Ich nicht, aber Allison-" Ich bis mir auf die Zunge. Scheiße. Ich drückte die Augen zu und atmete langsam aus. Erins Arme wurden schlaff um meinen Hals und ich spürte wie sie meine Gesicht fragend absuchte.
"Wer ist Allison?", fragte sie vorsichtig. Sie war nicht eifersüchtig, das wars nicht, aber sie schien mir anzusehen, dass es eine Geschichte gab. Ich wusste nur nicht, ob ich dazu bereit war sie ihr zu erzählen. Ich öffnete zögerlich meine Augen und sah in Erins fragendes Gesicht. Langsam senkte ich den Blick und zog scharf Luft ein.
"Meine Schwester", presste ich durch zusammen gepresste Zähne hervor. Ich spürte wie die offene Wunde in meiner Brust, die ich nur notdürftig mit Heftklammern und Klebestreifen zusammenhielt, wieder aufriss. Erin öffnete den Mund, so als wollte sie etwas sagen, aber dann entschied sie sich dagegen.
"Ja", erwiderte ich auf die unausgesprochene Frage, die ihr praktisch aufs Gesicht geschrieben stand. Sie schluckte hart und wandte den Blick ab, als könnte sie mich nicht ansehen, während sie ihre nächste Frage stellte.
"Wie ist sie gestorben?", fragte Erin vorsichtig, ihre Stimme so sanfte wie Seide. Ich räusperte mich erneut.
"Sie hat sich umgebracht." Etwas brach hinter Erins Augen und sie legte den Kopf zur Seite, während sie die Lippen fest zusammen presste. Dann umarmte sie mich fest, vergrub ihren Kopf in der Kuhle zwischen meinem Kopf und meiner Schulter. Ich wandte meine Arme ebenfalls um sie und legte den Kopf auf die Rückenlehne der Couch zurück.
Vielleicht hasste ich sich doch immer noch. Zumindest ein bisschen. Ich hatte sie schließlich geliebt und sie hatte mich einfach verlassen.
*****
ERIN
"Was macht sie hier?" Ich schreckte auf meinem Schlaf hoch und blinzelte verwirrt die Benommenheit weg. Ich lag in Hunters Bett, angezogen, von Hunter keine Spur. Vorsichtig hob ich den Kopf und entdeckte ihn zusammen mit seinem Vater in der Zimmertür stehen.
"Schlafen. Aber nicht mehr lange, wenn du so rum schreist", erwiderte Hunter in einem aggressiven, jedoch gedämpften Ton. Sein Vater rümpfte die Nase angewidert.
"Du sollst ausziehen und nicht irgendwelches Pack anschleppen", zischte er und verschränkte die Arme. Moment mal - Was? Ich legte den Kopf wieder aufs Kissen zurück und zog die Augenbrauen zusammen.
"Was genau stört dich bitte an ihrer Anwesenheit? Sie tut doch nichts", presste Hunter hervor und ich hörte wie viel Kontrolle es von ihm verlangte ruhig zu bleiben.
"Bald werde ich mich nicht mehr mit dir herumschlagen müssen, du vorlautes-"
"Arschloch?", unterbrach Hunter ihn.
"Ach nein, für das Wort bist du ja zu kultiviert." Hunters Vater zog scharf Luft ein.
"Ich hab noch bis Freitag. Heute ist Dienstag. Also ist das noch mein Zimmer und ich will, dass du verschwindest." Hunters Vater protestierte, als er ihn durch die Tür stieß und sie laut zuschlug. Er drehte sich zu mir und ich schloss schnell meine Augen, tat so als würde ich schlafen. Ich hörte wie Hunter leise "fuck" flüsterte und sich an die Tür zurück fallen ließ. Vorsichtig öffnete ich die Augen und setzte mich auf. Er hatte sein Gesicht in seinen Händen vergraben und atmete schwer. Er würde jetzt doch wohl keine Panikattacke bekommen? Schnell stand ich auf und ging zu ihm. Als er mich kommen hörte, hob er den Kopf. Seine Augen funkelten wütend und ich bemerkte, dass er seine Hände zu Fäusten ballte.
"Ist alles okay?", fragte ich vorsichtig. Ich ging vor ihm auf die Knie und nahm besorgt sein Gesicht. Er schloss seine Augen und schob den Kiefer.
"Ich hasse ihn", hauchte er schließlich, bevor er seine Augen wieder öffnete. Ich fuhr mit meinen Händen an seinem Hals herunter und zog ihn zu mir.
"Ich weiß", murmelte ich und küsste seine rechte Braue. Er legte seine Arme um mich und zog mich an sich, sodass ich zwischen seinen Beinen saß, mit dem Rücken zu ihm.
"Wenigstens hab ich dich", sagte er leise und stützte sein Kinn auf meine Schulter. Ich ließ mich an ihn zurück fallen. Und wie er mich hatte, er hatte ja gar keine Ahnung.
"Solange, bis du mich nicht mehr willst", erwiderte ich amüsiert.
"Wird nicht passieren." Er gab mir einen Kuss auf die Wange und legte seinen Kopf wieder auf meine Schulter zurück. Was taten wir hier eigentlich? Wann hatten die Linien angefangen zu verschwimmen? Wann waren wir mehr geworden? Waren wir mehr? Was waren wir? Ich schob all die Fragen ganz weit zurück, dort wo sie mich in Ruhe lassen würden. Zumindest für die nächste Zeit.
*****
Erin my sweet summerchild is etting self conscious lol
Ich werd die Woche nich nochmal updaten können, weil ich 2-3 Exen und 2 Kurzarbeiten hab. Ich bitte um Verständnis.
Btw ich hab jetzt schon 3/4 der Geschichte fertig, also spielt schon mal mit dem Gedanken, dass ihr euch von meinen Bebs verabschieden müsst.
s/o to Herbst. Loveya❤❤
Frage des Tages: Welchen Film schaut ihr als nächstes im Kino?
Ich geh jetzt zum Arzt. Bye.
adorablemalia
DU LIEST GERADE
PLAYING PRETEND
Fiksi RemajaJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
