14th - Vaterfreuden

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ERIN

"Elliott! Ich bin Zuhause!" Ich warf meine Schlüssel auf den Küchentisch und knallte die Wohnungstür zu. Als ich mich umdrehte, blieb ich abrupt stehen.

"Thomas?" Mein Vater lächelte mich von einem der Barhocker, die an der Küchentheke standen, an. Sprachlos starrte ich zurück. Was zur Hölle wollte er hier?

"Erin. Meinst du nicht, dass mit dem Vornamen ist ein bisschen übertrieben?" Ich schnaubte genervt auf und verschränkte die Arme vor der Brust.

"Nicht wirklich, Thomas. Was machst du hier? Wo ist Elliott?" Langsam ging ich auf den Küchentisch zu und legte meine Schultasche auf einen der Stühle.

"Er und Dora sind einkaufen gegangen." Ich drehte den Kopf in seine Richtung und musterte ihn. Sein feiner Anzug war makellos. Genauso wie seine Schuhe, seine Haare und sein falsches Lächeln.

"Nora", murmelte ich mit zusammen gezogenen Augenbrauen.

"Was?" Thomas sah mich verwirrt an.

"Elliots Verlobte heißt Nora, nicht Dora und du hast hier nichts verloren. Geh wieder zurück nach Chicago und kümmer dich um deine schwangere Sekretärin." Mein Vater wandte enttäuscht den Kopf ab. Obwohl ich eigentlich das Recht dazu hatte enttäuscht zu sein, aber ich war es ja nicht anders gewohnt.

"Würdest du mir bitte zuerst zuhören, bevor du mich aus diesem-" Er sah sich angewidert um.

"Apartment wirfst." Ich schloss genervt meine Augen und atmete tief durch.

"Was willst du hier?"

"Ich will, dass du mit mir Essen gehst. Ein bisschen Vater-Tochter-Zeit?" Genervt stöhnte ich auf und fuhr mir durch die Haare. Das würde wieder in einer Katastrophe enden und sie würden uns wieder aus dem Restaurant werfen, aber wenn ich nicht "ja" sagte, würde er mich so lange terrorisieren, bis ich doch einknickte, also konnte ich uns beide auch gleich den Aufwand ersparen.

"Na gut." Ich nickte langsam.

"Aber nur weil ich sowieso Hunger hab und wir gestern schon Pizza bestellt haben", fügte ich hinzu. Mein Vater fing an zu grinsen.

"Zieh dir was schönes an." Irritiert sah ich an mir herunter. Meine Schulklamotten waren wohl nicht gut genug für sein 5-Sterne-Restaurant. 

"Muss das sein?"

"Bitte, Kleine." Ich verzog das Gesicht. Thomas sollte endlich einsehen, dass ich nicht mehr seine naive Kleine war, die ihm jede Lüge ohne darüber nachzudenken abgekauft hatte. 

"Wir treffen übrigens noch einen alten Freund von mir." Und es geht schon wieder los.

"Natürlich tun wir das." Ich atmete scharf ein und steuerte meine Zimmertür an.

*****

Mein Vater öffnete mir die Tür seines Leihwagens und half mir aus dem Auto. Als ob ich es nicht selbst konnte. Der Wind bließ mir ein paar Haarsträhnen ins Gesicht und ich warf meine Haare über meine freie Schulter zurück. Ich hatte eins der teuren Seidenkleider an, die mein Vater mir immer zum Geburtstag schenkte, weil er immer noch nicht verstanden hatte, dass ich sowas nicht mochte. Meine Absätze machten Klick-Geräusche auf dem Boden, als ich meinem Vater zum Gebäude vor uns folgte. Ich wusste zwar nicht, was für ein Freund das war, aber er schien verdammt viel Geld zu haben. Thomas öffnete mir die Tür und betrat nach mir die Lobby. Ich steuerte sofort den Aufzug an.

PLAYING PRETENDWo Geschichten leben. Entdecke jetzt