ERIN
Ich rutschte auf der obersten Treppenstufe aus, weil meine feuchten Schuhsohlen auf dem glatten Steinstufen rutschig waren und meine ungeweinten Tränen meine Sicht verschwimmen ließen. An die Wand gelehnt, sackte ich zusammen und rutschte an der Mauer herunter. Meinen Blick hatte ich starr an die Decke gerichtet. Das war nicht ich. Langsam zog ich meine Knie an meine Brust und legte meine Arme um meine angewinkelten Beine. Ich würde nicht weine, das wär ja noch schöner. Die letzten zehn Minuten spielten sich in Dauerschleife vor meinem geistigen Auge ab. Meine nassen Klamotten klebten an mir und ich zitterte vor Kälte, als ich meine Hände zusammenpresste um sie still zu halten und meine Augen schloss.
"Erin?", hörte ich ein kindliche Mädchenstimme fragen. Elena, Lucias kleine Schwester, stand vor mir und sah mich mit großen Augen an. Ich schniefte und rieb mir übers Auge.
"Ja?", presste ich mit einem falschen Lächeln hervor. Die Kleine sah mich skeptisch an bevor sie tief Luft holte.
"Lucia! Erin está en la escalera y está llorando!" Ich ließ den Kopf an die Wand hinter mir zurück fallen und zog scharf Luft ein. Zwar hatte ich nicht verstand was sie gesagt hatte, aber ich konnte es erahnen. Lucia würde das hier nicht gefallen. Ein paar Sekunden später streckte meine beste Freundin ihren Kopf auch schon aus der Wohnung und sah mit zusammen gezogenen Augenbrauen zu uns herüber.
"Dieses Arschloch!", zischte sie spitz. Elena sah entsetzt zu ihrer großen Schwester.
"Das sagt man nicht", flüsterte sie entgeistert, bevor sie wieder zu mir sah.
"Nicht traurig sein, Erin." Sie streckte ihre Hand aus und tätschelte meinen Kopf. Ich schloss meine Augen erneut und lächelte.
"Ich versuchs", erwiderte ich leise und presste meine Lippen aufeinander.
"¡Ayuda a tu madre!" Lucia sah Elena eindringlich an. Diese sah noch einmal zu mir bevor sie mit tollpatschigen Schritten davon rannte. Meine beste Freundin kniete sich vor mich auf den Boden und wartete bis die Apartmenttür zu war.
"Was hat er dir angetan? Muss ich ihn kastrieren?", fragte sie mit wütend. Ihre Augen schimmerten aggressiv und ich war froh das diese Wut nicht an mich gerichtet war.
"Er hat nichts falsch gemacht", antwortete ich kleinlaut. Lucia rollte mit den Augen und wandte den Blick ab.
"Wieso sitzt du dann hier, klitschnass, wie jemand der wortwörtlich im Regen stehen gelassen wurde?" Ich blinzelte die Tränen erneut weg, die sich einfach nicht vertreiben lassen wollten.
"Es ist vorbei", stieß ich verkrampft hervor und versuchte mich vom Boden aufzurappeln.
"Wie meinst du das? Es ist vorbei?", stach Lucia verwirrt nach.
"Ich kann ihm nicht geben was er will", erwiderte ich mit bitterem Unterton. Meine Freundin hielt mir ihre Hand hin und half mir auf die Beine.
"Weißt du was das heißt?" Sie versuchte das Mitleid, welches ihr eindeutig aufs Gesicht geschrieben stand zu verstecken.
"Nein?"
"Eis und Chickflicks!", verkündete sie lautstark. Ich war mehr in der Stimmung für Selbstmitleid und weinen, aber wie immer ließ ich mich von ihr mitzerren.
"Schlüssel." Lucia hielt mir ihre Hand hin und ich zog meinen Schlüsselbund aus meiner Jackentasche. Lustlos legte ich ihn ihr in die Hand und atmete laut auf.
"Nicht so mürrisch, junge Dame", mahnte meine beste Freundin mit einem aufmunternden Gesichtsausdruck. Als sie die Wohnungstür aufgesperrt hatte, stieß sie sie mit ihrem Fuß auf und schob mich ins Apartment hinein.
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PLAYING PRETEND
Teen FictionJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
