ERIN
Ich setzte mich ruckartig in einem Bett auf, als ich einen lauten Schlag hörte. Das Nächste war Kaelins Stimme, die in einem aggressiven Flüsterton ein paar Schimpfwörter in den Raum warf.
"Kaelin? Was machst du da?", murmelte ich müde, während ich mich in meine Kissen zurück fallen lies. Meine Cousine rappelte sich auf und tastete sich vorsichtig an meiner Wand entlang.
"Sorry, Erin. Ich seh einfach gar nichts hier drinnen." Sie setzte sich auf meine Matratze und ich rutschte näher an die Wand ran, damit wir beide genug Platz hatten. Dann fing sie an ihre Schuhe und ihre Jacke auszuziehen. Beides war nass vom Regen vorhin, weshalb es mich auch etwas wunderte, dass ihre restlichen Klamotten trocken waren.
"Wie viel Uhr ist es?", fragte ich, während ich mir den Arm übers Gesicht legte und aufstöhnte.
"Ähm, genau 3:27 Uhr." Ich nickte langsam, bevor ich stutzte.
"Kaelin?" Meine Cousine schlug meine Bettdecke um und legte sich neben mich, wo sie sich dann erstmal in meine Kissen kuschelte und laut gähnte.
"Ja?"
"Du warst bei ihm oder nicht? Hast du wieder mit ihm geschlafen?" Ich stützte mich auf meinem Ellenbogen ab und sah sie erwartungsvoll an, obwohl ich so gut wie nichts sehen konnte. Das Licht der Straßenlaterne von draußen vor dem Fenster warf dunkle Schatten im Zimmer, weshalb ich grob ihre Gesichtszüge erkennen konnte. Sie legte ihren Kopf zur Seite und nickte.
"Schon ein bisschen", antwortete sie schließlich und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Ich wusste wirklich nicht was in ihrem Kopf vorging. Wir starrten beide wortlos an die Decke. Meine Cousine war nun schon etwas länger in einer recht unkonventionellen "Beziehung" mit einem bekannten Musiker. Die beiden hatten genauso viel Sex wie persönliche Probleme und an irgendeinem Punkt hatte sie ihn sogar verklagt, weil er ihre Songs als seine verkauft hatte. Von dem letzteren wusste ich aber hauptsächlich aus den Medien, Kaelin erzählte mir ja nichts.
"Ich glaub ich werd es Hunter sagen", flüsterte ich vorsichtig. Meine Stimme war so leise, da ich hoffte, die Stille im Raum würde sie erstickt. Seit ich mit Kaelin darüber geredet hatte, hatte ich darüber nachgedacht und war nun endgültig zu dem Entschluss gekommen, dass ich ihn nicht weiter anlügen wollte, was aber nicht gleich hieß, dass ich genug Eier hatte, um es ihm tatsächlich zu sagen.
"Solltest du auch", antwortete sie knapp und drehte sich auf ihre Seite.
"Weist du was du solltest?", stichelte ich und Kaelin zog ihre Augenbrauen hoch. Sie wusste sofort was ich als nächstes sagen würde, weil ich ihr das schon sagte, seit die beiden angefangen hatten miteinander zu schlafen.
"Glaub mir, wenn wir jegliche Art von Selbstkontrolle hätten, würden wir aufhören." Ich musste grinsen, weil die Frustration in ihrer Stimme mich amüsierte.
"Weist du schon was du anziehst?", fragte sie abwesend und ich seufzte. Vermutlich eins der Kleider, die mein Vater mir geschenkt hatte.
"Ich werd schon was finden."
*****
HUNTER
Erin hatte mir mitten in der Nacht eine Nachricht geschrieben und gefragt, wann ich sie überhaupt abholen wollte. Mein Vater hatte gemeint, ich solle ja pünktlich sein, weshalb ich ihr gesagt hatte, dass ich sie eine halbe Stunde nach dem offiziellen Beginn abholen würde.
Ich parkte mein Auto wie immer am Straßenrand und wartete bis sie aus dem Gebäude kam, weil sie mir geschrieben hatte, dass ich nicht hoch zu kommen brauchte. Prinzipiell hatte ich absolut keinen Bock auf eine weiter Wohltätigkeitsveranstaltung mit mehr gefälschten Lächeln und verurteilenden Blicken, als es einem menschlich möglich war zu zählen, aber vielleicht- hoffentlich würde sich der Abend mit Erin an meiner Seite etwas angenehmer gestalten.
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PLAYING PRETEND
Teen FictionJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
