15th - Die Putzfrau

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ERIN

"Mach jetzt keine Szene, Erin." Ich blieb ruckartig stehen und drehte mich zu meinem Vater um. Das war nicht ich, aber er machte mich immer zur schlechtesten Version von mir selbst und er war die einzige Person, die mich derart wütend machen konnte.

"Du willst, dass ich keine Szene mache? Ich mach keine Szene, Thomas. Willst du sehen, wie es aussieht, wenn ich eine verdammte Szene mache?" Ich war mit jedem Wort weiter auf ihn zu gegangen und nun starrte ich ihm direkt in die Augen mit vielleicht zehn Zentimetern zwischen uns. Er sah wie wütend ich war und ich wusste, dass er das nur als Unannehmlichkeit betrachtete, es war ihm egal was ich sagte, also konnte ich aufs Ganze gehen.

"Ich verstehe nicht, wieso du so wütend bist, Kleine." Ich schloss meine Augen und presste meine Zähne zusammen.

"Du hast Elliott beleidigt. Elliott, deinen Sohn, der so viel besser ist als du es jemals sein wirst. Er ist wie der Vater, den ich nie hatte. Er war immer da, wenn du es nicht warst, er liebt mich, Thomas", zischte ich durch meine Zähne hindurch. Tränen sammelten sich in meinen Augen, aber nicht weil ich traurig war, oder wegen der nagenden Enttäuschung, sondern aus Wut. Er hatte mich zu dem Punkt getrieben, an dem ich vor lauter Wut heulen wollte.

"Du überreagierst, Kleine." Ich wollte schreien, er versuchte mich ruhig zu stellen, um keinen schlechten Eindruck zu machen.

"Ich bin nicht deine Kleine. Verstanden?", presste ich atemlos hervor.

"Erinnerst du dich noch, als du 7 warst und ich dich-"

"Nein, aber ich erinnere mich noch als ich 14 war und dich in der Kanzlei besuchen wollte. Du hast deine Sekretärin Sherry auf dem Rezeptionstisch gevögelt, Dad. Daran erinnere ich mich", unterbrach ich ihn. Mir rannten schon heiße Tränen übers Gesicht, aber das war mir egal. Darum ging es nicht. Es ging um ihn. Wie immer ging es um ihn.

"Erin, bitte. Wir können das Zuhause klären", versuchte er mich zu beruhigen. Zuhause. Zuhause.

"Du hast gesagt, dass du es besser machen würdest. Dass du dich mehr um Mom und Elliott und um mich kümmern würdest. Und was tust du stattdessen? Du vögelst die Sekretärin", fuhr ich ihn an. Hunter stand in der geöffneten Esszimmertür und starrte mich mit angespanntem Kiefer an. Ich richtete meinen Blick wieder auf meinen Vater. Er schien ernsthaft geschockt zu sein.

"Die verdammte Sekretärin. Was für ein Klischee ist das bitte? Wie wärs mit der Putzfrau hm?", warf ich hinterher.

"Erin-"

"Obwohl bei dir würde es mich nicht wundern, wenn du die auch gefickt hast. Hast du ausgelost welche von beiden du heiraten sollst?", flüsterte ich, meine Stimme war so spitz, ich könnte Glas damit schneiden.

"Erin." Plötzlich tauchte Hunter neben mir auf und ergriff sanft meinen Unterarm. Mein Vater sah mich an als hätte ich ihm in den Magen getreten. Das brachte mir ein bisschen Genugtuung.

"Nein, Hunter. Lass es. Ich will, dass er mir zuhört", fauchte ich, mit dem Blick auf meinen Vater gerichtet. Zum ersten mal in Jahren hatte ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Und ich würde jede Sekunde davon genießen.

"Du bist ein rücksichtsloser Arsch, der sofort rennt, wenn es ein bisschen schwerer wird und die anderen seinen Dreck aufräumen lässt. Du bist egoistisch und narzisstisch, manchmal glaube ich nicht, dass dir bewusst ist, dass es auch noch andere Menschen außer dir auf der Welt gibt. Es ist mir peinlich deine Tochter zu sein, also Thomas verschwinde ein für alle mal aus meinem Leben, aus Elliotts Leben. Ich bete inständig, dass dein Flittchen von Ehefrau dich betrogen hat, weil ich keinem Kind dich als Vater wünsche." Hunter hielt immer noch mein Handgelenk fest und mein Vater starrte seine Hand ausdruckslos an.

"Schläfst du mit meiner Tochter, Carter?" Er richtete seine kühlen Augen auf Hunter.

"Vielleicht. Zu dumm, dass dich das nichts angeht", antwortete ich für ihn. Mein Vater sah mich nicht an, er starrte wieder auf Hunters Hand, die meinen Arm nicht loslassen wollte.

"Okay, es reicht. Ich gehe. Das war deine letzte Chance, Dad, ich hoffe du respektierst meinen Wunsch wenigstens dieses eine Mal und ich muss dich nie wieder sehen." Ich riss mich von Hunter los und steuerte den Aufzug an.

"Erin!" Die Aufzugtüren fingen an sich zu schließen, als Hunter sie erreicht hatte und ich starrte ihn kalt an. Ich konnte seinen Gesichtsausdruck nicht zuordnen, aber er erwiderte mein emotionsloses Starren und vielleicht verstand er mich. Vielleicht verstand ich ihn. Meine Augen brannten, mein Kopf tat weh, Tränen rannten mir übers Gesicht. Danke, Dad.

HUNTER

Kurz bevor die Türen zu gingen, machte ich einen Schritt vorwärts und stoppte sie mit dem Fuß. Ich stellte mich neben Erin in den Aufzug. Sie hatte ihre Augen geschlossen und weinte stumm, während sie sich selbst umarmte. Frustriert fuhr ich mir durch die Haare. Ich wusste nicht was ich machen sollte.

"T-Tut mir l-leid", murmelte sie unter Schluchzen begraben. Ich presste meine Lippen aufeinander.

"Wofür entschuldigst du dich?" Unsicher hob sie den Kopf und wischte sich übers Gesicht. Sie sah schrecklich aus.

"I-Ich h-hab euer E-Essen v-ver-saut." Sie holte tief Luft um sich zu beruhigen.

"So ein Blödsinn. Erin, sag sowas nicht." Anstatt dass es sie erleichterte, weinte sie nur noch mehr. Ich ging auf sie zu und nahm sie in den Arm. Ich wusste wie sie sich fühlte, so fühlte ich mich jeden Tag. Erins Arme lagen auf meiner Brust und ich drückte sie fest an mich. Ich spürte wie ihr zierlicher Körper zitterte, als sie leise weiter in mein Hemd weinte und ich wollte ihr so gerne helfen. Ich wusste nur nicht wie. Ich konnte mir ja nicht mal selbst helfen.

Die Aufzugtüren schlossen sich wieder und wir fuhren ins Erdgeschoss runter. Ich ließ sie nicht los. Sie weinte weiter. Die Türen öffneten sich und Misses Grander aus dem 6. Stock stieg ein. Sie sah Erin besorgt an und ich holt tief Luft. Ich nahm Erins Gesicht in meine Hände und brachte sie dazu mich anzusehen.

"Ich fahr dich nach Hause." Sie nickte schwach und wir verließen den Aufzug und durchquerten die Lobby. Der Concierge ignorierte uns gekonnt und schaute weiter in seinen Computer. Erin schniefte und wischte sich Tränen aus dem Gesicht.

"D-Danke." Sie versuchte zu lächeln. Ich schüttelte langsam den Kopf.

"Nicht der Rede wert. Das alles ist die Schuld meines Vaters." Wie so vieles.

*****

Die ganze Fahrt über hatte sie nicht gesprochen, dafür weinte sie jetzt aber nicht mehr. Als ich am Randstein neben ihrem Wohnhaus hielt, zögerte sie bevor sie ausstieg.

"Wirklich, Hunter. Danke." Ihre Stimme war rau und man hörte, dass sie geweint hatte. Ich drehte den Kopf in ihre Richtung und sah sie mit zusammen gezogenen Augenbrauen an.

"Mach ich doch gern." Sie sah mich unsicher an. Dann umarmte sie mich nochmal schnell. Ich schloss meine Augen und schluckte. Ich war in Schwierigkeiten. Als sie ihre Arme zurück zog und mich unsicher anlächelte, fuhr ich mir frustriert übers Gesicht.

"Gute Nacht, Erin." Sie nickte und stieg aus.

"Gute Nacht, Hunter." Dann schlug sie die Beifahrertür zu und ging auf den Eingang zu. Bevor sie im Gebäude verschwand, drehte sie sich nochmal zu mir um. Jetzt wusste ich es. Die Sache, die mir vorher nicht einfallen wollte. Ohne ihre Brille sah sie aus wie Blue.

*****

Ich update alle 2 Tage. Denk ich. Also wenn ichs zeitlich hinkrieg.

Ich sitz grad in Mathe pls save me.

Hoff euch gefällts. Oke then.

Bye. Love you all.

adorablemalia

PLAYING PRETENDWo Geschichten leben. Entdecke jetzt