48th - Gamechanger

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ERIN

Eigentlich hatte ich nie wirklich Lust mir Football-Spiele anzusehen, weil mich Sport generell ziemlich langweilte, aber dieses Mal war es eine Ausnahme. Sam ging voraus und sah sich suchend nach freien Plätzen um, während ich aufgeregt meine Handballen aneinander rieb und den Blick auf das leere Feld gerichtet hatte.

"Lucia, hier drüben!" Ich drehte den Kopf irritiert in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. Meine Freunde taten es mir gleich. Claire, eines der Cheerleader, die mit Lucia (und mir) unter einer Decke steckten, winkte uns mit einem strahlenden Lächeln zu. Neben ihr waren 5 freie Plätze in der ersten Reihe, direkt vor den Absperrungen zwischen Tribüne und Spielfeld. Fragend sah ich zu Lucia. Die, wie ich feststellen musste, schon lange nicht mehr neben mir stand. Sie saß schon halb auf einem der Sitze, als ich erst realisierte, dass sie sich aus unserer Formatierung gelöst hatte. Brav folgten Sam, Elvis und ich ihrem Beispiel und ließen uns neben ihr nieder. 

"Ihr wollt doch sehen, was passiert." Claire schaute hinterlistig in die Runde bevor sie uns ein weiteres 1-Millionen-Dollar Lächeln schenkte und uns den Rücken zukehrte. Ich ließ einen frustrierten Atem aus und sah in den bewölkten Himmel hoch. 

"Du solltest eigentlich viel besser drauf sein", nörgelte Lucia, als sie merkte, wie angespannt ich war. Ich sah zu ihr und presste die Lippen aufeinander. 

"Ich will nur nicht, dass ihr alle meinetwegen Ärger bekommt", murmelte ich und schob einen Kieselstein mit meiner Schuhspitze hin und her.

"Hör doch auf. Ich tu das für dich. Die anderen tun das für sich selbst. Außerdem willst du doch sicher auch nicht, dass er so weiter macht." Ich schloss die Augen und nickte stumm. 

"Na, siehst du", erwiderte meine Freundin mit weichem Unterton. Ich holte nochmal tief Luft und öffnete wieder die Augen. Vor uns wärmten sich die Cheerleader gerade auf. Izz drehte sich zu uns um und zwinkerte mir hinterhältig zu. Etwas nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum. So genau hatte mir Lu auch nicht erklärt, was genau sie nun mit den Cheerleadern ausgeheckt hatte. Zudem hatte sie gemeint, sie hätte noch ein Ass im Ärmel, von dem sie mir lieber nichts sagen wollte, weil ich den Plan nicht sonderlich gefallen würde. Ich rutschte nervös auf meinem Sitz herum und ließ den Blick wandern. Als ich Hunter am anderen Ende der Tribüne entdeckte, während er sich mit Rowan unterhielt, wandte ich schnell den Blick ab. Dennoch merkte ich wie meine Augen sofort wieder in seine Richtung flogen. Sein Blick lag bereits auf mir, als er wieder in meinem Blickfeld war und ich zuckte innerlich zusammen. Wir hatten einander aufgegeben, ich hatte mich in ihm verloren und dennoch stand er dort drüben, nur ein paar Meter entfernt von mir, als wäre nichts gewesen, während ich verzweifelt versuchte mich über Wasser zu halten. Wieso konnte ich mich nicht selbst wieder finden? Wieso hatte ich mich in diese Position gebracht, in der ich ihn brauchte? Ich vermisste ihn, verdammt nochmal. Manchmal so sehr, dass ich vergaß zu atmen, was in meinen Augen lächerlich war und nur noch mehr zu der beschissenen Gesamtsituation beitrug. Er sah kurz auf den Boden bevor er wieder den Kopf hob und mich bitter anlächelte. Bemitleidete er mich etwa? Auch wenn es ihm leicht zu fallen schien, über mich hinweg zu kommen, würde ich wohl noch ein bisschen mehr Zeit brauchen. Ich spürte es immer noch. Es tat weh, ihn nicht mehr an meiner Seite zu haben war ein Verlust für mich. Die Tatsache, dass es bei ihm nicht genauso war, machte das Ganze auch nicht gerade besser. Ohne äußerlich auf seine Geste zu reagieren, starrte ich ihn an. Er versuchte meinem emotionslosen Starren mit den Augen auszuweichen und wandte dann schließlich seine Aufmerksamkeit wieder Rowan zu. Zähneknirschend drehte ich den Kopf in die entgegengesetzte Richtung, um nicht mehr in Versuchung zu kommen. Elvis, der neben mir saß, hatte beide Hände zu Fäusten geballt und starrte mit toten Augen auf das Feld hinaus. Ich folgte seinem Blick und entdeckte Annie. Annie, mit der Rowan zusammen war, um zu verstecken, dass er eigentlich schwul war und Annie, wegen der Elvis die Sache mit Rowan beendet hatte. Vorsichtig legte ich meine rechte Hand auf den Handrücken von Elvis linker Hand und fing seinen Blick ein, als er verwirrt zu mir aufsah. Ich hatte komplett vergessen, dass er auch erst vor kurzem eine Trennung durchgemacht hatte. Ihm ging es vermutlich auch nicht besser als mir. Trotzdem kümmerte ich mich nur um meine Probleme, während er mein besagtes Problem sogar auf meine Bitte hin in seinem Keller schlafen ließ. Ich war schon ein ziemlich selbstsüchtiges Miststück. Ich versuchte eine anständige Entschuldigung in meinem Kopf zusammen zu stellen, aber auch wenn ich die Worte auf der Zuge hatte, konnte ich sie nicht zu etwas Sinnvollem zusammenhängen. Elvis legte den Kopf schief und der Ausdruck in seinen Augen wurde weicher. Er nickte mit einem kleinen Lächeln. Er hatte verstanden was ich sagen wollte, ohne dass ich überhaupt ein Wort äußern musste. 

PLAYING PRETENDWo Geschichten leben. Entdecke jetzt