ERIN
"Mit Hunter also?", stach Lucia mit einer provokant gehobenen Augenbraue nach. Ich lehnte an meinem Spind und teilte ihr gerade mit, dass ich nicht warten würde, bis sie mit Misses Weller über ihre letzte Arbeit gesprochen hatte, weil Hunter mich heute nach Hause brachte.
"Ja...", erwiderte ich mit zusammengekniffenen Augen. Meine beste Freundin war schwer zu lesen. War sie... skeptisch? Lucia hob ihren Zeigefinger und fing an mit ihrer anderen Hand in ihrer Tasche herum zu kramen.
"Was machst-"
"Mach die Augen zu", unterbrach sie mich. Ich tat was sie sagte, wenn auch etwas misstrauisch.
"Mach deine Hand auf." Ich streckte ihr meine Hand hin und sie gab mir etwas.
"Okay." Verwirrt öffnete ich meine Augen und sah was sie mir gegeben hatte. Ein Kondom.
"Dein Ernst?", fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Lucia lachte.
"Wir wissen beide, dass ihr es brauchen werdet." Sie zwinkerte mir zu und zog nochmal zwei weiter Kondome aus ihrer Tasche.
"Wieso hast du so viele-" Lucia fing an den Kopf zu schütteln und ich verstummte.
"Ich mein ich wäre sehr gerne Patentante, aber jetzt ist das noch ein bisschen früh." Ich holte tief Luft und nickte.
"Schon verstanden. Danke." Ich schob die drei Kondome in meine hintere Hosentasche und umarmte meine Freundin.
"Ich muss los." Sie schlug mir auf den Arsch und ich streckte ihr die Zunge raus.
"Bis später."
*****
Ich stieß die Haupteingangstür auf und stellte fest, dass es nieselte. Genervt zog ich mir die Kapuze auf und machte den Reißverschluss an meiner Sweatshirtjacke zu. Ein Junge und ein Mädchen die unter der Überdachung standen, starrten mich mehr oder weniger offensichtlich an. Mittlerweile war ich es schon gewohnt, aber es nervte trotzdem.
"Was denn?", fragte ich mit bissigem Unterton. Die beiden drehten sofort ihre Köpfe weg. Hunters Auto stand auf seinem Stammplatz vor der Sporthalle, von Hunter noch keine Spur. Ich zog am Türgriff der Beifahrertür und hoffte, dass sie offen war. Natürlich war sie das nicht. Ich lehnte mich an die Seite des Mustangs und sah über den Parkplatz.
"Bis morgen, Coach." Ich drehte meinen Kopf zur Sporthalle und sah, wie Hunter das Gebäude verließ und mich breit angrinste.
"Wartest du schon lang?" Ich schüttelte den Kopf. Hunter schloss sein Auto auf und ich zog die Beifahrertür auf. Gerade als ich mich in den Wagen setzten wollte, fiel mir Hunters Gesichtsausdruck auf. Verwirrt drehte ich mich um und sah Elliott, der gerade die Schule verließ. Seine Gesichtszüge waren hart und seine Schultern angespannt. Von Reece wusste ich, was in der dritten Stunde passiert war und ich hatte ein verdammt schlechtes Gewissen.
"Erin-"
"Ich weiß schon." Ich sah zu wie mein Bruder seine Autoschlüssel aus seiner Aktentasche zog und auf sein Auto zu ging. Frustriert senkte ich den Kopf und fuhr am Rahmen der Autotür mit meiner Hand entlang.
"Ich denke du solltest-" Hunter brach ab und ich hob den Kopf, um ihn anzusehen. Ich wollte hier bleiben. Obwohl eigentlich nicht hier. Bei Hunter - ich wollte bei Hunter bleiben.
"Ich schreib dir." Er nickte knapp und ich lief schnell zu Elliott, bevor er davon fahren konnte.
Als ich die Beifahrertür des VWs meines Bruders aufriss, sah er mich entgeistert. Ich lies mich auf den Sitz neben ihm fallen. Dann wandte er den Blick ab und startete das Auto, ohne ein Wort an mich zu verschwenden. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Er wusste nicht genau, was Hunter und ich taten, außer wenn er extra jemanden gefragt hatte, aber ich wusste, dass es ihn hart getroffen haben musste.
Wir fuhren gerade an der Mall vorbei, als ich die Stille nicht mehr aushalten konnte.
"Elliott-" Ich stoppte, als ich sah, wie er das Lenkrad stärker griff und seine Knöchel weiß wurden. Langsam schloss ich meine Augen und holte tief Luft.
"Ich muss dir was sagen", murmelte ich kleinlaut. Ich wusste, dass er gerade nicht wirklich den Nerv dazu hatte, mir zuzuhören. Zuerst fing ich an, unnützes Zeug zu stammeln. Mein Gehirn war einfach komplett überfordert.
"Es ist nicht was du denkst. Ich versprechs dir." Elliott presste seine Lippen aufeinander.
"Was denke ich denn? Denke ich, dass du der Grund bist wieso mich heute alle seltsam angestarrt haben? Oder denke ich, dass du und Hunter... dass du mit Hunter... obwohl ich dich gewarnt habe und obwohl ich dir gesagt habe, dass er kein guter Kerl ist?", erwiderte mein Bruder kalt. Ich presste meine Zähne aufeinander.
"Das ist nicht fair", flüsterte ich leise. Elliotts Kopf schnellte in meine Richtung.
"Ach, es ist nicht fair?", fauchte er. Langsam wurde ich wütend.
"Nein. Nein, das ist es nicht. Woher willst du wissen wie Hunter ist-"
"Ich kenne Typen wie ihn-"
"Woher willst du wissen, was Hunter für ein Typ ist? Du. Kennst. Ihn. Nicht." Wenn wir nicht fahren würden, wäre ich aus dem Auto gesprungen.
"Ich kenne seinen Vater."
"Du willst mich verarschen. Bist du wie Thomas? Kann man das wirklich als Ansatz nehmen?", antwortete ich so ruhig wie möglich. Elliotts Ohren waren rot, was immer passierte, wenn er versuchte, seine Wut zu unterdrücken.
"Du kannst nicht- Ich bin alt genug um meine eigenen Entscheidungen zu treffen, Ell." Elliott antwortete mir nicht. Er schien mich nicht einmal zu hören. Nach einer gefühlten Ewigkeit räusperte er sich schließlich.
"Erin, ich will jetzt wirklich nicht mit dir darüber reden." Er nahm eine Hand vom Lenkrad und presste sie an seine Stirn. Mit wem wollte er denn sonst darüber reden?
"E-"
"Nein, warte. Eigentlich will ich gar nicht darüber reden, dass meine kleine Schwester einfach irgendeinen Idioten vögelt." Ich zuckte zusammen. Er hatte ruhig gesprochen, aber seine Worte waren wie ein Peitschenschlag. Meine Haut war aufgebrochen und mein Blut strömte aus der Wunde. Ich zog meine Nase hoch und rieb mir mit dem Ärmel über mein Auge, das verdächtig angefangen hatte zu jucken. Elliott war still. Wieder beide Hände am Steuer. Nach einer Weile sagte er wieder etwas.
"Tut mir leid, Erin. Es ist nur-" Er zögerte, bevor er seinen rechten Arm nach mir ausstreckte und ihn mir um die Schulter legte, mich an sich zog. Mein Kopf lag an seiner Schulter und ich merkte, dass mir Tränen übers Gesicht liefen. Es war vielleicht ein wenig lächerlich, wenn man die Situation von außen betrachtete, aber Elliott wollte mich vor allem und jedem beschützen. Er wollte nicht, dass ich erwachsen wurde. In vielen Aspekten war er der Vater, der Thomas nie für mich gewesen war, und ich verstand wieso es ihn so hart traf.
"Es tut mir wirklich leid, dass ich so reagiert habe, Erin. Ich war nur etwas-"
"Hör auf", murmelte ich. Elliott knirschte mit den Zähnen, aber sagte nichts weiter. Ich richtete mich auf und schloss meine Augen. Ich wollte es ihm nicht übel nehmen, aber dennoch tat ich es. Zumindest ein wenig. Er würde irgendwann damit aufhören müssen, mich immer in Schutz nehmen zu wollen. Aber ich wollte nicht das die Sache hier zwischen uns stand. Ich hätte mir die Haare vom Kopf reißen können so frustriert war ich. Einmal wieder hatte ich keine Ahnung was genau ich eigentlich wollte.
*****
Ich gönn mir grad nen Mitternachtssnack und schau Türkisch für Anfänger. Life is good.
adorablemalia
DU LIEST GERADE
PLAYING PRETEND
Fiksi RemajaJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
