34th - Bubblegum Bitch

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ERIN

Ich öffnete vorsichtig die Wohnungstür und streckte meinen Kopf durch den Spalt. Elliott stand am Herd und kochte Spagetti mit Tomatensoße, wenn ich mich nicht komplett irrte. Er trug seine Schürze und summte ein AC/DC Lied. Thunderstruck um genau zu sein. Nora besiedelte das Sofa. Sie war sehr vertieft in ihre absolute Lieblingsserie, Desperate Housewives, die sie mit einer übertriebenen Besessenheit vergötterte. Sie hatte schon lange sicher gestellt, dass sowohl El als auch ich mindestens eine Staffel gesehen hatten, damit wir wussten wovon sie sprach. Als ich mir nachts mal Wasser aus der Küche holen wollte, hatte ich gehört, wie sie meinen Bruder dazu zwang, ihr zu versprechen, dass sie niemals so viele Kinder haben würden wie Lynette - zu viele nämlich- weil sie sonst den Verstand verlieren würde. Hach ja, Nora.

Langsam schob ich die Tür weiter auf. Die Verlobte meines Bruders drehte ihren Kopf in meine Richtung, als ich ganz ins Apartment trat und die Tür hinter mir zu fiel.

"Oh, da bist du ja", sagte sie schnell, bevor sie den Kopf wieder zum Fernsehr drehte. Elliott sah kurz über seine Schulter zu mir. Er musterte wortlos meine feuchten Haare und meine hektisch übergezogenen Klamotten. Ich presste meine Lippen aufeinander und verschränkte die Arme hinter meinem Rücken.

"Könntest du bitte den Tisch decken, Erin?" Er sah wieder nach vorn und widmete seine Aufmerksamkeit erneut dem Herd. Vermutlich sollte ich ihm erklären woher ich kam und wieso- Nein, das sollt ich definitiv nicht. Ich nahm den Haargummi von meinem Handgelenk und machte mir einen provisorischen Dutt-Pferdeschwanz-Hybrid, dann ging ich zum Geschirrschrank und nahm drei Schüsseln heraus.

HUNTER

Ich stand grad an einer roten Ampel und trommelte im Takt zu dem Lied, das aus den Lautsprechern dröhnte, mit den Fingern auf dem Lenkrad herum, als plötzlich etwas vom Rücksitz auf den Boden fiel. Zuerst dachte ich mir nichts dabei und sah ungeduldig zum roten Licht über meinem Kopf hoch.

"I'm Miss SugarPink, liquor, liqour lips! Hit me with your sweet love! Steal me with a kiss! I'm Miss SugarPink, liquor, liqour lips!  I'm gonna be a bubblegum bitch! I'm gonna be a bubblegum bitch!" Irritiert drehte ich mich um.

"Was zur-?" Auf dem Boden hinter dem Beifahrersitz lag ein Handy. Ich versuchte es aufzufischen, aber der Autofahrer hinter mir fing an zu hupen. Schnell drehte ich mich um und sah, dass die Ampel schon lange wieder grün war. Ich fuhr sofort los, da er nicht sehr freundlich ausgesehen hatte. Das Handy klingelte weiter und meine Musik lief ebenfalls auf Lautstärke Ohrenschaden. Ich dachte mein Kopf würde platzen. Mit angespanntem Kiefer machte ich meine Musik aus. Wer würde denn so lang durchhalten ohne ungeduldig zu werden, wenn man nicht ran ging.

"Oh, dear diary, I met a boy- He made my dull heart light up with joy- Oh dear diary, we fell apart- Welcome to the life of Electra Heart!"

Das wars jetzt! Ich fuhr rechts ran und schnallte mich ab. Als ich das Handy in der Hand hielt, leuchtete der Bildschirm mir hell ins Gesicht. So hell, dass ich meine Augen zusammen kniff und den Blick abwenden musste. Wer hatte denn seinen Bildschirm so verdammt hell eingestellt? Ah, ja - Erin. Sonst war hier kein Mädchen in meinem Auto gewesen. Ich blinzelte und versuchte meine Augen an das Licht zu gewöhnen. Mom. Auf dem Bildschirm stand Mom. Natürlich, wer sonst wäre so hartnäckig. Ich zögerte. Sollte ich wirklich an ihr Handy gehen, wenn ihre Mutter anrief? Ich konnte sie ja schlecht weg drücken. Bevor ich irgendwas machen konnte, wurde mir die Entscheidung sowieso abgenommen - sie hatte aufgelegt. Ich atmete erleichtert auf und ließ Erins Handy auf meinen Beifahrersitz fallen. Es vibrierte wieder und ich verzog das Gesicht, weil ich dachte, dass es gleich wieder klingeln würde, aber stattdessen kam nur eine Nachricht. Ich schnallte mich wieder an und bog bei der nächsten Straße links ab, um wieder zu Erins Haus zurück zu fahren.

PLAYING PRETENDWo Geschichten leben. Entdecke jetzt