ERIN
Als ich meine Augen öffnete, war es schon hell im Zimmer. Lucia lag neben mir, wie immer mit Armen und Beinen von sich gestreckt, sodass ich fast von der Bettkante fiel. Langsam rappelte ich mich auf und suchte nach meiner Brille. Als ich sie auf dem Nachttisch zusammen mit meinem Handy ausfindig gemacht hatte, nahm ich beides an mich. Schon drei am Nachmittag?
8 verpasste Anrufe und 13 Nachrichten.
Scheiße! Ich hatte vergessen Elliott zu sagen, dass ich nicht gekidnappt und bzw oder ermordet worden war. Schnell rief ich ihn zurück. Er nahm sofort ab und ich schluckte, als seine aufgebrachte Stimme an mein Ohr drang.
"Erin! Was fällt dir ein? Wo zur Hölle bist du?"
"Keine Sorge, alles-"
"Keine Sorge? Willst du mich verarschen? Thomas war heute Morgen da und wollte mit dir reden. Er hat gesagt, dass ihr eine Verabredung hattet, also dachte ich du bist absichtlich nicht zurück gekommen und bei Lucia geschlafen hast. Dann ist Misses Espinoza aufgetaucht und hat nach ihrer verschollenen Tochter gefragt. Ich musste der armen Frau sagen, dass ich keine Ahnung habe wo meine rücksichtslose Schwester und ihre Tochter sich herum treiben." Elliot holte tief Luft und ich schloss meine Augen.
"Tut mir leid, Elliott. Wirklich. Du kannst Lucias Mom sagen, dass es uns gut geht und wir bald nach Hause kommen." Ich richtete meinen Blick auf meine beste Freundin, die immer noch wie ein Stein schlief.
"Wo seid ihr?", fragte mein Bruder etwas ruhiger.
"Ich kann euch abholen", fügte er hinzu und ich konnte klar an seiner Stimme hören, dass es weniger ein Angebot, als eine Aufforderung war.
"Wir sind bei-" Mein Handy piepte und ich nahm es vom Ohr weg, nur um zu sehen wie sich mein Bildschirm verabschiedete und schwarz wurde. Kein Akku mehr. Sollte das ein Scherz sein?
"Willst du mich eigentlich verarschen?", stieß ich in einem schrillen Ton hervor. Hastig sprang ich auf und tapste auf die Zimmertür zu. Als ich gerade die Klinke runter drücken wollte, fiel mir auf, dass mir eine Hose fehlte. Scheiß drauf! Ich trat nur in einem von Hunters übergroßen T-Shirts auf den Gang nach draußen und sah mich verwirrt um. Es gab 5 Türen neben der, durch die ich gerade gekommen war. Und welche war nun die zu Hunters Zimmer? Ich beschloss mich auf mein Gefühl zu verlassen und wählte die Tür am Ende des Gangs. Als ich hinein lugte entdeckte ich ein großes Doppelbett, das so ziemlich den halben Raum ausfüllte. Die Wände waren cremefarben und vor den großen Decke-zu-Boden Fenstern hingen schwere Vorhänge, die zum großen Perserteppich vor meinen Füßen passte. Dem Zimmer fehlte jegliche Art von Persönlichkeit, obwohl ich ein paar vereinzelte Bilderrahmen an den Wänden entdeckte. Ich nahm an, dass es das Zimmer von Hunter Eltern war, was in anderen Worten so viel hieß wie "verschwinden". Langsam zog ich die Tür zu und überlegte welche ich als nächstes nehmen sollte.
Ich wählte die direkt neben mir. Vorsicht öffnete ich die Tür und streckte den Kopf durch den Spalt. Irritiert stutzte ich. Es war das Zimmer eines Mädchens. Ein bisschen unordentlich, überall Klamotten, das ungemachte Bett voll mit Kissen. Die Wand rechts von mir war komplett zutapeziert mit einer Fotokollage. Das mussten hunderte von Bildern sein. Wie in Trance betrat ich den Raum und ging auf die Bilderwand zu. Erst jetzt fiel mir die dicke Staubschicht auf, die alles bedeckte. Ich sah nochmal durch dem Raum. Das Zimmer sah nicht verlassen aus. Auf dem Bett lag ein dunkellilanes Kleid und ein schwarzes Spitzencardigan, so als hätte jemand geplant das noch anzuziehen, bevor sie gegangen war. Vor dem Bett auf dem Fußboden lag eine Schere neben ein paar ausgeschnittenen Bildern, die wohl auch noch an die Wand gehört hatten. Jemand hatte hier gelebt und sie war schon lange nicht mehr zurück gekommen. Irgendwas im hinteren Teil meines Kopfes schickte eine Warnmeldung und ich bekam eine Gänsehaut. Langsam ging ich rückwärts aus dem verlassenen Raum und zog die Tür mit einem Ruck zu.
Ich musste nur Hunter finden und das am Besten so schnell wie möglich. Wie durch ein Wunder war das dritte Zimmer, das ich betrat, das Richtige. Die Wände waren grau gestrichen und durch die Fenster kam viel Licht, was den Raum angesichts der trostlosen Wandfarbe etwas fröhlicher wirken ließ. Vor dem größten Fenster stand ein riesiges Bett mit zerwühlter Bettwäsche. Aber dummerweise lag keiner darin, weshalb ich laut aufstöhnte. Ich war wirklich kurz davor einfach das Zimmer nach einem Ladekabel abzusuchen, aber das wäre unhöflich und ich würde das auch nicht wollen. Außerdem war ich nicht sicher, ob ich überhaupt wissen wollte, was Hunter in seinen Schubladen versteckte. Ich lies meinen Blick nochmal kurz durch den Raum wandern und fasste alles auf, was mein Gehirn in so kurzem Zeitraum aufnehmen konnte. Hunter schien ordentlich zu sein. Es lag nichts wo es nicht hinzugehören schien. Auf dem Regal neben der Tür standen Trophäen für gewonnene Schwimmwettbewerbe und ein paar Medaillen hingen an der Wand darüber. Gegenüber auf der großen, dunklen Kommode standen Bilderahmen, die ich mir fast näher angeschaut hätte, aber ich hatte Wichtigeres zu tun. Neben dem Bett auf dem Boden waren ein paar Bücher aufeinander gestapelt. Sonst gab es nichts Besonderes zu erwähnen, bis auf die großen Band-Poster, die an der Wand über dem kleinen Sofa hingen, das in der Ecke hinter der Tür zusammen mit einem Fernsehr und einem Glastischchen stand. Schnell ging ich aus dem Zimmer, bevor ich doch noch anfing, alles zu überanalysieren. Vielleicht war er ja unten. Ich brauchte wirklich nur ein Ladekabel oder ein Telefon, das ich benutzen konnte. Unsicher stieg ich die kühlen Treppenstufen nach unten.
Als ich am Fuß der Treppe angekommen war, blieb ich kurz planlos stehen. Dieses dämliche Penthouse war zu riesig um jemanden zu finden, wenn man sich nicht auskannte. Plötzlich hörte ich jemanden reden. Verwirrt sah ich mich um. Dann entdeckte ich eine Doppeltür, neben der zum Esszimmer, in dem ich mit Hunter und unseren Vätern gegessen hatte, durch die die Stimme zu kommen schien. Nervös ging ich auf sie zu und klopfte höflich. Als ich die rechte Tür dann aufzog und den Kopf ins Zimmer streckte richteten sich direkt 20 Augenpaare auf mich.
Da stand ich nun - ohne Hose - auf den kalten Mamorfliesen eines Hauses, das nicht mir gehörte und wurde von 20 älterne Damen in makellosen Outfits und perfekten Frisuren verurteilt, die seelenruhig an ihren Teetassen sippten.
Wundervoll.
*****
Ich weiß schon, dass es kurz ist, aber es kommen noch zwei Kapitel, also ist es ja eigentlich egal.
Danke fürs lesen, peeps.
Btw an alle die mir auf Snapchat folgen - sorry.
adorablemalia
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PLAYING PRETEND
Teen FictionJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
