ERIN
Schon komisch, was es doch für einen Unterschied machte, ob man nun die offizielle Freundin vom Captain des Schwimmteams war oder nur sein billiges Flittchen. Mein soziales Ansehen hatte sich in den letzten paar Stunden, seit Hunters kleiner Theatervorstellung so sehr verbessert, dass mich sogar igendwelche fremden Leute auf dem Flur grüßten und mich höflich anlächelten. Was die damit bezwecken wollten, war mir nach wie vor ein Rätsel, da es die selben Leute waren, die mich noch heute morgen herablassend angesehen hatten und mehr oder weniger auffällig hinter meinem Rücken über mich geredet hatten. Diese Schule war schon verdammt seltsam. Vermutlich war ich jetzt dazu verpflichtet ein Cheerleader zu werden, ein dauerhaftes Lächeln zu flanieren und mir die Haare wasserstoffblond zu färben, wenn ich schon einen Sportler "datete". Bald würden die Leute sich wieder daran erinnern, dass ich mich nicht wirklich an ihre steriotypische Rangordnung anpasste und somit durch das von ihnen errichtete Raster fallen würde, zusammen mit Lucia und Hunter.
Ich öffnete meinen Spind um meine Bücher hinein zu packen, bevor ich mich mit Lucia an ihrem Auto traf, als mir ein Zettel vor die Füße fiel, der aus meinem Fach gerutscht war. Zuerst schob ich die Büchern hinein, dann ging ich in die Hocke um den Zettel vom Boden aufzufischen.
Nach der Schule in der Besenkammer
neben dem Biosaal
- H
Ich fing an zu grinsen und sah mich im Gang um, während ich die Nachricht in meine hintere Hosentasche schob. Die paar wenigen Leute die auf dem Gang standen, hätten sich nicht weniger für mich interessieren können, was eine erfrischende Abwechslung war. Ich schlug meinen Spind zu und warf meinen Rucksack über meine Schulter. Dann machte ich mich auf den Weg zur Besenkammer neben dem Biosaal.
*****
Ich öffnete die Tür der Abstellkammer und starrte in den dunklen Raum. Aus irgendeinem Grund war diese Besenkammer ziemlich groß und da es kein Fenster gab, konnte ich absolut nichts sehen. Verwirrt zog ich die Augenbrauen zusammen und machte einen Schritt ins Nichts.
"Hunter?", fragte ich leise und tastete nach dem Lichtschalter. Da umfasste jemand mein Handgelenk und zog mich weiter in den Raum. Die Tür fiel hinter mir zu und somit war nun auch das letzte bisschen Licht verschwunden. Hunter wirbelte mich herum und presste mich hart an ein Regal. Die Bretter drückten sich in meinen Rücken und ein paar Sachen die auf dem Regal standen, fingen an zu wackeln, weil ich mit so viel Schwung dagegen geprallt war. Das Erste was mir auffiel war sein Geruch. Etwas in mir zog sich zusammen.
"Hey, nicht so hart, ja?", presste ich irritiert hervor und unterdrückte das Gefühl in meinem Magen, bevor Hunter seine Lippen auf meine drückte und seine Hände an meiner Taille herunter gleiten ließ. Das Zweite was mir auffiel war sein Geschmack. Das war nicht Hunter. Seine Lippen fühlten sich ganz anders an. Entsetzt riss ich die Augen auf und stieß den Jungen mit aller Kraft von mir. Er fing an zu lachen und ich fauchte durch zusammen gepresste Zähne.
"Ach komm, ein bisschen Spaß darf man doch wohl noch haben", flötete eine bekannte Stimme. Ich versuchte krampfhaft sie zuzuordnen. Der Junge war immer noch zu nah, ich spürte die Wärme seines Körpers nicht weit von mir entfernt. Schnell hechtete ich zur Tür und stieß sie auf. Der Junge lachte wieder. Diesesmal traf das Licht vom Gang sein Gesicht und ich hob trotzig das Kinn an. Widerling.
"Gefällt dir was du siehst?", stichelte Travor mit einem provozierenden Grinsen. Er kam einen Schritt auf mich zu und ich wich zurück.
"Fahr zur Hölle, Travor", erwiderte ich mit geballten Fäusten und schlug die Tür der Besenkammer mit einem lauten Knall zu. Angewidert verzog ich das Gesicht und wischte mir perplex mit dem Handrücken über den Mund. Er war immer noch da, auf meiner Zunge, in meinem Mund. Ich schüttelte den Kopf um dunkle Gedanken zu vertreiben.
"Komm schon, Erin! Was hat er was ich nicht habe?", rief Travor mir in einem verspottenden Ton hinterher. Am liebsten hätte ich mich in den nächsten Mülleimer übergeben. Meine Schritte wurden schneller, mein Herzschlag auch. Bald hatte ich den Haupteingang erreicht und stürzte durch die Glastür nach draußen. Zwei Typen mit schwarzgefärbten Haaren und Piercings starrten mich etwas irritiert an, wandten sich dann aber wieder ihrem Gespräch zu. Ich schleppte mich weiter, über den Parkplatz und bis zu Lucias Jeep. Sie sang laut zu irgendeinem Nirvana Lied mit und hatte den Kopf an den Sitz zurück gelehnt. Ihre Augen waren geschlossen und sie lächelte, während sie den Text mit sang. Ich zögerte als ich meine Hand auf die Klinke der Beifahrertür gelegt hatte. Dann holte ich tief Luft und zog sie auf. Lucia öffnete sofort ihre Augen und sah zu mir. Das Lächeln schwand und sie bekam einen besorgten Gesichtsausdruck.
"Erin?" Ich schluckte hart und ließ mich auf den Sitz neben sie fallen. Lucia sah mich immer noch prüfend an. Ich presste meine Lippen zusammen, weil ich nicht wusste ob meine Unterlippe beben würde, wenn ich es nicht tat. Für ein paar Sekunden hörte ich mir nur come as you are, bevor ich meine Worte wieder fand.
"Travor hat mich reingelegt", murmelte ich beschämt. Ich hätte es wissen sollen. Langsam zog ich seine Nachricht aus meiner Hosentasche und reichte sie Lucia. Meine Freundin faltete sie langsam auf und ich sah zu wie sie die Worte las. Einmal. Zweimal. Bevor sie das Stück Papier zusammen knüllte und es aus dem weit geöffneten Autofenster warf.
"Ich dachte der Zettel wäre-"
"Von Hunter. Schon klar", unterbrach sie mich. Sie hatte ihre Augenbrauen zusammen gezogen und ihren nachdenklichen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Ich fühlte mich immer noch widerlich. Hastig öffnete ich die Beifahrertür und spuckte auf den Boden. Das half auch nicht. Frustriert fuhr ich mir durch die Haare und schloss meine Finger in meinem Nacken zusammen.
"Hat er dich geküsst?", fragte Lucia vorsichtig. Ich zog die Nase hoch und nickte.
"Eigentlich hat er eher versuchte mich mit seiner Zunge zu ersticken", biss ich hervor. Ich hatte den drang meinen kompletten Körper abzuschrubben um das Gefühl von seinen Händen auf mir los zu werden. Lucia drehte sich zu mir und sah mir ausdrucklos in die Augen.
"Das bedeutet Krieg", sagte sich schließlich mit einem Unterton, der vielleicht etwas besorgniserregend gewesen wäre, wenn ich nicht auch voll und ganz dahinter stehen würde. Lucia reichte mir einen Flasche Wasser und startete den Jeep. Dann zog sie zwei Zigaretten aus der Packung auf ihrem Armaturenbrett und reichte mir eine. Ich protestierte nicht einmal und steckte sie mir zwischen die Lippen, während meine beste Freundin mir die Kippe anzündete. Ich wollte ihn nur aus meinem Mund vertreiben.
*****
Sorry, ich weiß, es ist kurz, aber mehr ging nicht. Ich schau mal, ob ich am Wochende schreiben kann, aber im Moment hab ich eben einfach 0 Zeit. Danke für euer Verständnis!
Hoff es hat euch gefallen bzw. es war nicht zu langweilig. Ich geb mein Bestes.
Frage des Tages: Kaffee oder Tee?
Danke fürs lesen. Cuuu <3
adorablemalia
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PLAYING PRETEND
Novela JuvenilJeder Mensch macht Fehler. Ich hatte nur nicht erwartet, dass meiner Hunter heißen würde. Da schläft man einmal (mehrmals) mit einem (dem) Typen und schon ist dein ganzer Ruf am Arsch. Oder viel mehr wäre dein Ruf am Arsch, wenn er und alle anderen...
