Kapitel 9

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Im Takt nickend und mit geschlossenen Augen stand Jonathan neben Davis, der vor dem Mischpult saß und unseren aufgenommen Song abspielen ließ.

Letztendlich wurde es doch zu einer eher Pop-lastigen Nummer, die einen zum tanzen ansteckenden Beat hatte. Alles passte plötzlich zusammen. It ain't me war definitiv ein Song für den Club. Ein wenig gab es einem sogar das Gefühl von Urlaub, auch wenn der Text von etwas ganz anderem handelte. Ganz klassisch ging es um eine kaputte Beziehung. Wo ich wohl die Inspiration davon her hatte...

,,Es ist... Es ist verdammt gut!", lobte unser bester Freund uns und Davis und ich grinsten uns breit an. Wir saßen für diesen Song über 24 Stunden in diesem verdammten Studio, hatten zum Frühstück uns die letzten Reste unserer Bestellung vom Chinesen reingezogen, was leicht ekelig war, doch es hatte sich gelohnt. Wir zogen uns gegenseitig in eine Umarmung und Davis wuschelte mir durch meine unordentlichen Haare, was ich mit einem Lachen quittierte. ,,Ich denke wir sollten nach Hause. Gegen eine Dusche hätte ich jetzt nichts einzuwenden.", sagte ich in die Runde. Bevor ich mir jedoch meine Jacke schnappen konnte, wurde ich festgehalten.

,,Warte", kam es von Jonathan, ,,Was machen wir jetzt mit dem Song?"

Etwas verwirrt schaute ich ihn an und löste mich von seinem Griff. ,,Was macht man denn mit Songs so, Jonathan? Ihr habt sicher andere Künstler hier unter Vertrag, die sich über so einen erstklassigen Song freuen würden."

,,Aber es ist deine Stimme auf dem Band." Wollte er etwa dieses Spiel spielen?

,,Songs werden dauernd neu aufgenommen oder verkauft. Das ist total normal in dieser Branche. Ich dachte du kennst dich aus." Ich schlug den Kragen meiner Jeansjacke zurück und führte weiterhin einen kleinen Starr-Wettkampf mit Mister Es-ist-aber-deine-Stimme-auf-dem-Band.

Bevor ich mir meine Tasche schnappte und mich verabschieden wollte sagte Jonathan noch: ,,Du weißt was ich meine." Natürlich wusste ich was er meinte. Er wollte es so wie es ist veröffentlichen. Er wollte unseren Song mit meiner Stimme veröffentlichen, obwohl ich ihm es erst noch gestern gesagt hatte, dass ich es nicht wollte. Ich hob nur meine Hand und winkte den beiden Jungs beim herausgehen zu.

Mistress Harper kräuselte wie immer ihr Nase, wenn sie mich sah, doch ich achtete nicht mehr auf sie, sondern steuerte den Aufzug an, der mich hier rausbrachte.

Zusammen mit Naomi saß ich auf ihrem kleinen Sofa und wir löffelten beide eine Schüssel Eiscreme. Während ich meinen Teller festhielt, stand Naomis einfach auf ihrem immer runder werdenden Bauch. Toni wohnte nicht mehr in der Wohnung, sie hatte es ihm genau drei Tage nach unserem Gespräch gebeichtet und er ist ohne ein Wort ausgezogen. Jedoch nahm er sie zum Schluss noch einmal in den Arm und wünschte ihr nur das Beste.

Um ehrlich zu sein hätte ich anders reagiert, wenn man mir gesagt hätte, dass das Baby, von dem ich gedacht hatte, dass es mein eigenes sei, eigentlich von jemand anderes war. Doch Toni war ein ausgeglichener und ruhiger Typ, auch wenn er jeden Anlass dazu hätte einen Aufstand zu machen.

,,Ich hasse Jenny.", schmatzte meine beste Freundin und deutete mit dem großen Löffel auf den Bildschirm. Wir schauten, zum gefühlten hundertsten Mal, Gossip Girl. Einer Schwangeren sollte man keinen Wunsch abschlagen, denn als ich vorschlug doch vielleicht Crown zu gucken, heulte sie fast. Hormone.

Nickend stimmte ich ihr zu und schob mir erneut einen Löffel des Schokoladeneis rein. Mein Handy summte und ich öffnete es und schaute flüchtig auf den Bildschirm, auf dem erneut Jonathans Name aufblinkte. Mein Kopf fiel in den Nacken und mir entwich ein genervtes Stöhnen. Naomi sah mich fragend an, bevor ich mir den Schalter schnappte und auf Pause drückte. ,,Jonathan textet mich seit einer Woche zu."

Ihr Löffel fiel ihr aus der Hand und sie entschuldigte sich schnell. Verwirrt zog ich die Augenbrauen zusammen. ,,Und was ist das Problem?", fragte sie hastig und rührte im geschmolzenen Eis rum.

,,Ständig versucht er mich zu überreden nochmal über den Song zu reden, um ihn rauszubringen, doch ich will nicht. Es gibt genug andere Künstler, die sich darüber freuen würden so etwas zu veröffentlichen.", erklärte ich. Nickend stimmte sie mir zu, doch sah mich schließlich fragend an: ,,Welcher Song?"

,,Davis und ich haben ihn geschrieben. Ich glaube er hat ihn mir sogar geschickt." Wieder nahm ich mir mein Handy zur Hand und scrollte durch unseren Chatverlauf, bevor ich die Audio fand und sie Naomi vorspielte. ,,Das ist echt gut!"

,,Der Song ist ja nicht einmal das Problem. Jonathan ist einfach stur und wird es niemals auf sich sitzen lassen, dass ich es nicht will." Ich raufte mir die Haare. Es tat gut Dampf abzulassen.

,,Aber wieso willst du es denn nicht? Du bist gut und früher hättest du nicht einfach gesagt, dass du es nicht willst."

Kurz überlegte ich. Sie hatte ja Recht. Als wir klein waren, war es immer mein Traum gewesen ein Star zu sein, doch jetzt? Jetzt sah alles anders aus. Ich war erwachsen, mehr oder weniger. ,,Liegt es an Harry?", fragte sie vorsichtig und legte umständlich die Schüssel zur Seite und platzierte ihre Hände auf ihrem Bauch.

,,Er-", ich atmete kurz ein, um weiter sprechen zu können, ,,Er kam manchmal echt fertig nachhause und redete für einige Stunden nicht. Ich glaube der Druck hat ihn manchmal echt fertig gemacht. Und- Ich denke es war eine Panikattacke, die er einmal hatte. Glaub mir, dass willst du nicht miterleben. Er war komplett blass, hat gezittert und seine Augen verdrehten sich ständig nach hinten. Man steht ständig unter Beobachtung und ich will nicht, dass es mit mir auch passiert."

Während ich Naomi das alles erzählt hatte, streichelte sie mir ständig über meinen Arm. Ich wollte nicht über Harry reden, aber es tat gut ihr alles zu erzählen.

,,Aber wer sagt, dass das alles mit dir passieren wird? Du bist stark und Harry war weitaus jünger, als er in dieses Business gesteckt worden ist. Du bist nicht Harry."

17.03.2017 (995 Wörter)


Song:
Tell your friends
The weekend


The Story of my broken heart I German Harry Styles FanfictionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt