Sylex versuchte erneut die Dunkelheit an einer Fingerspitze zu sammeln, doch es zeigte sich dasselbe Problem wie beim letzten Mal. Sobald er zu viel an einem Ort hatte, verteilte es sich wieder über seine Hände. Verbissen versuchte er es wieder und wieder, doch es wollte einfach nicht funktionieren.
Es klopfte. „Herein.“ raunzte Sylex aggressiver, als er eigentlich wollte. Die Tür öffnete und Drew sah herein. Sie sah ihn fragend an. „Komm ruhig rein. Ich versuche nur gerade etwas, dass nicht klappt.“ Drew kam herein und schloss die Tür hinter sich. Sie setzte sich einfach auf sein Bett.
„Was tust du hier?“ „Mich verstecken.“ Ihr schiefes Grinsen hätte ihn beinahe getäuscht, doch er sah in ihren Augen, dass sie genervt und erschöpft war. Wundern tat es ihn nicht, immerhin hatte sie die letzten drei Tage wirklich einiges zu tun gehabt, mehr als er je für andere tun würde. Sie hatte aber neben ihren Pflichten als Hausvorstand auch noch die Pflichten einer normalen Schülerin.
„Du kannst hier bleiben.“ Sie lächelte ihn dankbar an und ließ sich nach hinten aufs Bett fallen. Sylex wand sich wieder seiner selbstauferlegten Übung zu, doch er schaffte es noch immer nicht. Das er es vor Drew, die ihr Element problemlos beherrschte, nicht schaffte, war ihm peinlich, doch er überwand sich im weiter zu kommen.
Das Drew aufgestanden war, bemerkte er erst, als sich ihre Hände im seine rechte schlossen und die Fingerspitzen aneinander drückte. Als sich die Fingerspitzen berührten ging es aufeinander leichter, die Dunkelheit an der Berührungsfläche zu sammeln. Überrascht, aber auch dankbar sah er Drew an, die aufmunternd lächelte.
„Du bist unglaublich gut. Kein Wunder, dass Professor Opata so viel von dir hält.“ Murmelte Drew leise, doch Sylex hörte es und das Kompliment machte ihn stolz, was ihn doch etwas wunderte. Bisher hatte es ihn ne zuvor stolz gemacht, wenn ihn jemand für seine Leistungen gelobt hatte. Das er so klug war, hatte ihm Lob von seinen Lehrern und ab und an auch von den Betreuern gebracht, doch nie hatte ihn diese stolz gemacht.
Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er die Übung wiederholt und nach mehrfach Wiederholung versuchte er die Finger wenige Millimeter von einander zu lösen. Es gelang ihm erstaunlich gut und die Dunkelheit sammelte sich erneut an allen Fingerspitzen. Der kleine Triumph sorgte dafür, dass er nun sämtliche Dunkelheit erneut an einer Fingerspitze sammeln wollte.
Es war immer noch anstrengend, doch er wollte es nun unbedingt schaffen und konzentrierte dich beinahe grimmig. Es dauerte, was er gar nicht bemerkte, zu sehr war er konzentriert, doch er schaffte es. Begeistert sah er auf die angesammelte Dunkelheit und freute sich, dass er es geschafft hatte.
Er sah zu Drew und stockte überrascht. Sie lag auf seinem Bett und schlief. Auf Sylex Lippen breitete sich ein softes Lächeln aus, als er sie so friedlich dort schlafen sah. Er bemerkte nicht mal, dass die Dunkelheit sich verflüchtigte. Leise stand er auf, trat ans Bett und strich ihr über die Haare, die sich unglaublich weich unter seinen Fingern anfühlten.
Als sie leise seufzte, zog er hastig die Hand zurück und hoffte, dass er sie nun nicht aufgeweckt hatte. Er hatte Glück, denn sie wachte nicht auf, sondern drehte nur den Kopf ein wenig. Sylex atmete auf und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch, wo er sich eines der Bücher nahm, die Professor Opata ihm hatte geben lassen.
Er vertiefte sich in den Theorien der Dunkelelementaren und deren Kräfte. Doch langsam begann sein Kopf zu pochen. Sylex runzelte die Stirn, fasste sich an den pochenden Kopf und rieb die Haut. Letztendlich gab er es auf, klappte das Buch zu und streckte sich. Nach kurzem Nachdenken beschloss er sich etwas zu trinken und zu essen zu holen.
Auf der Treppe begegnete er Zissa, einer 17 Jährigen, die ihm einen, in ihren Augen wohl sexy, Blick zu warf, doch Sylex nahm den Blick als aufdringlich und nuttenhaft wahr. Er wollte einfach an ihr vorbei gehen, doch sie hielt ihn am Oberarm fest und drückte diesen zwischen ihren Brüsten an sich. „Du bist doch der Neue, oder?“ Sylex brummte zustimmend, wollte aber eigentlich nur weg.
„Du siehst nicht so aus, als hättest du gerade etwas zu tun. Wir könnten…“ „Ich habe etwas zu tun.“ Würgte Sylex sie rücksichtslos ab, schob sie von sich und ging in die Küche. Dort traf er auf die Köchin, d ihm nur zu gerne zwei Wasserflaschen und etwas Obst gab. Obwohl es in einer halben Stunde Abendessen gab, allerdings war es den oberen Klassen auch freigestellt, ob sie zum Essen erschienen oder sich etwas mit auf ihre Zimmer nahmen.
Als er beladen wieder nach oben gehen wollte, entdeckte er Aaron, der gerade herein kam. „Willst du zu Drew?“ Aaron grinste. „Nein. Aber selbst wenn, ich wüsste, wo ich suchen müsste.“ Er verschwand an Sylex vorbei die Treppe nach oben. Der sah ihm erst verwundert hinterher, doch dann hatte er eine Vermutung.
Er meinte, dass Aaron eine geheime Beziehung führte, was ihn wirklich amüsierte. Dass ausgerechnet Aaron eine geheime Beziehung führte, obwohl er doch offiziell mit Drew befreundet und eh ständig in ihrem Haus war, doch er beschloss sich da nicht einzumischen. Es ging ihn ja eigentlich auch nichts an.
„Du da! Neuer!“ Sylex verdrehte die Augen. Diese Bezeichnung hasste er schon jetzt und dabei hatte er sie erst ein paar Mal gehört. „Was?“ blaffte er den Jungen an, von dem er das Gefühl hatte, er wüsste, wie er hieß. „Du bist doch so eng mit Drew, du weißt doch sicher wo sie ist.“ „Nein. Weiß ich nicht.“ Log Sylex ihn gefühllos an, drehte sich um und verschwand in seinem Zimmer.
Drew schlief noch immer und Sylex begann sich zu fragen, ob sie über alles, was in dem Haus vor sich ging Bescheid wusste. Wenn sie es tatsächlich wusste oder auch nur einen Bruchteil davon, dann wüsste sie wirklich viel. Da schien sie eine gute Schülerin zu sein und das sie eine gute Kriegerin war hatte er ja selbst gesehen.
Doch Sylex fiel auf, dass ihm das nichts über Drew als Person sagte. Sie war still, hilfsbereit, belesen und schien keinen unterschied zwischen Menschen und den verschiedenen Elementaren zu machen. Er runzelte die Stirn und trank etwas. In dem Moment, in dem sein Blick wieder auf die schlafende Drew fiel, beschloss er mehr über sie heraus zu bekommen.
DU LIEST GERADE
Gegen den Drachen
FantasyIn einer Welt, in der manche Menschen die Kraft haben ein Element zu kontrollieren, müssen diese an gesonderte Schulen gehen um niemandem gefährlich zu werden. So auch der Einzelgänger Sylex, der später als alle anderen erst entdeckt wurde. Er kann...
