„Heute Nacht ist die schwarze Nacht." Allein dieser Satz von Aaron erklärte sämtliche Zustände an der Schule. Jeder ging nur in Gruppen herum, man sprach nur leise und wispernd und beeilte sich in Häuser zu kommen. „Das ist doch so ein Schwachsinn, wie sich alle verhalten." Die Clique stand an den Fenstern ihres Klassenzimmers und sah hinunter auf den Hof.
„Sicher ist es das, Sylex, aber Menschen sind nicht rational. Sie sind Wesen, die durch ihre Gefühle geleitet werden. Gefühle bilden sich, wenn sie die Situation erkennen, in der sie sich befinden, oder wenn sie darüber gehört haben. So sind wir und so werden wir auch immer sein." Kam es von Ceran, der verächtlich schnaubte.
Aaron dagegen schien sich zu amüsieren. Auf seinen Lippen lag ein freches Grinsen und es wurde immer breiter, wenn eine besonders große Gruppe oder eine, die sich besonders eng zusammen drängte, durch sein Blickfeld lief. Drew, die auf der Fensterbank saß und sich an der Scheibe anlehnte, sah im Gegensatz zu den anderen dreien in den Himmel, der von dunklen Wolken bedeckt wurde.
Ihr schien das ganze Theater nichts auszumachen, sie war ruhig und entspannt wie immer. Sylex beneidete seine Freundin darum, denn auch wenn er es nicht zugab, er fühlte sich schon etwas unwohl, auch wenn er das nicht zeigte. Woher diese Unruhe kam, konnte er nicht sagen, vielleicht griff die Nervosität der anderen auf ihn über, vielleicht war es auch eine Vorahnung.
Aaron zeigte auch eine Reaktion, aber die war komplett gegensätzlich. Er war aufgekratzter und zu deutlich mehr Dummheiten aufgelegt als sonst, während Ceran, wie Drew, sich absolut nichts anmerken ließ. Würde man es nur anhand dieser zwei beurteilen, wäre es ein ganz normaler Tag.
„Wir könnten sie mit irgendwas bewerfen und sie erschrecken. Heue würden sie bestimmt ganz besonders quietschen." Schlug Aaron vor und vor dem Fenster bildete sich eine Wasserkugel. „Aaron, nein!" kam es bestimmt von Drew, die nun den Kopf drehte und den anderen ansah. Der zog eine Grimasse und ließ das Wasser wieder verschwinden ohne jemanden nass zu machen.
„Aber heute wäre..." „Aaron, wir wollen die Leute nicht vollständig verschrecken. Das gehört sich nicht, vor allem nicht für uns als Hausvorstände. Und lass die kleinen in Ruhe, die machen sonst noch ins Bett." Allein die Vorstellung war widerlich und alle vier verzogen die Gesichter. Nein, das wollten sie nicht haben, zumal die kleinen dann wieder zu ihnen rennen würden um sich auszuheulen.
„Einen Vorteil hat das ganze ja." Die Augen der anderen drei wanderten zu Ceran und es war Drew, die eine Augenbraue nach oben zog und damit lautlos die Frage stellte, die den anderen auf der Zunge lag. „Die schwarze Nacht macht uns alle gleich. Alle Elementaren und Menschen fürchten sich davor und das vereint alle." Erklärte Ceran.
Die Argumentation war nachvollziehbar und an sich kein falscher Ansatz, doch die Menschen würden das nie so sehen. Die Gemeinsamkeiten, die sie alle hatten, würden niemals von allen als solche Gesehen werden. Man wollte sich ja schließlich von den anderen abheben und eine eigene Gruppe sein, auch wenn dies nicht wirklich einen Grund zu haben schien.
„Allein unsere Biologie sollte uns vereinen, aber Menschen suchen lieber Unterschiede als Gemeinsamkeiten." Warf dazu nun auch Aaron ein und Sylex wurde hellhörig. „Wie meinst du das? Warum sollte unsere Biologie uns verbinden? Das hat doch rein gar nichts damit zu tun."
„Wir teilen alles in Gruppen und was gleich aufgebaut ist, das gehört in die selbe Gruppe. Letztendlich sind wir Elementaren exakt identisch wie die Menschen aufgebaut. Neben den kleinen Abweichungen, die jedem Menschen zu seiner Einzigartigkeit verhelfen, sind wir gleich. Und trotzdem schließen wir einander aus, teilen uns in Gruppen und sehen nicht ein, dass wir doch die gleichen Lebewesen sind."
„Du warst ja die ersten Klassen nicht da, das ist Grundstoff der hier vermittelt wird. Man hat es ständig und immer und es nervt nach dem dritten Mal, aber die wollen sicher gehen, dass wir das auch ja verinnerlicht haben." Ergänzte Ceran noch Aarons Ausführung und Sylex begriff.
„Also sind alle Menschen gleich, ob Elementare oder nicht?" „Ja. Ich meine, allein die Einordnung als Elementare ist überflüssig. Letztendlich besagt sie ja nur, dass wir die in uns herrschenden Kräfte an die Oberfläche holen können. Immerhin hat..." „ja jeder Mensch die theoretischen Voraussetzungen. Boylej'sche Gesetz." Beendete Sylex grinsend Aarons Satz und erinnerte sich an seine erste Unterrichtsstunde an dieser Schule.
„Richtig. Somit sind wir überhaupt nicht anders als die, die uns Elementare nennen. Wir können die Kräfte benutzen, sie nicht. Und dieser kleine Unterschied liegt meist in der fehlenden Bereitschaft. Und das ist dann aber schon alles." Bestätiget Aaron nochmal und wand sich dann wieder dem Geschehen auf dem Hof zu.
„Es gibt also wirklich keinen Unterschied?" „Nein." Ceran schüttelte grinsend den Kopf. „Wir führen eine Diskussion über die Biologie des Menschen, während alle anderen sich vor einem Naturwissenschaftlichen Phänomen fürchten. Ich denke, in diese Gesellschaft werden wir uns nicht mehr komplett integrieren." Murmelte er leise.
Sylex konnte dem nur zustimmen und eigentlich war er auch froh darum. Er hob sich vom Rest ab und konnte tun, was immer er tun wollte, weil er trotzdem nicht alleine war. Die anderen waren an seiner Seite und unterstützten ihn, so wie er sie unterstützen würde. Diese Freundschaft war für ihn noch immer etwas Besonderes und das würde wohl auch immer so bleiben.
Bei anderen hatte er gesehen, wie Freundschaften auseinanderbrachen und er hatte sich vorgenommen, diese erhalten zu wollen. Nicht nur, weil er Drew mit allem was er hatte liebte, sondern vor allem, weil ihm Situationen wie dieser wichtig waren. Wenn sie einfach miteinander diskutierten, ohne das einer beleidigend wurde. Sie verstanden einander und das war für ihn so wichtig.
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Gegen den Drachen
FantasyIn einer Welt, in der manche Menschen die Kraft haben ein Element zu kontrollieren, müssen diese an gesonderte Schulen gehen um niemandem gefährlich zu werden. So auch der Einzelgänger Sylex, der später als alle anderen erst entdeckt wurde. Er kann...
