Das erste Mal

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„Wo gehen wir hin?“ Sylex war neugierig, denn noch immer waten Aaron und Ceran bei ihnen und dabei gingen sie schon wieder zurück zu ihrem Haus. „Mittagessen. Wir sind bei euch eingeladen, dass ist erlaubt. Wir würden euch ja auch gerne mal einladen, doch unsere Hauskameraden würden das sicher nicht gutheißen.“ Man merkte Aaron an, dass ihm das nicht passte. Allerdings schien er eher auf sein eigenes Haus sauer zu sein.

„Wir essen fast immer bei euch. Da herrscht einfach die freundlichste Stimmung. Allen gegenüber.“ Fügte Ceran noch hinzu und folgte Drew in saß Haus der Dunkelheit. Sylex bemerkte sofort, dass sie sich hier auskannten und wohlfühlten.

Niemand schien sich an den Gästen zu stören. Es war eher so, als wäre das normal. Im Speisesaal entdeckte Sylex Svex Freundin, die ihrem Freund gerade etwas von seinem Teller stahl, und zwei Jungen aus dem Feuerhaus. Sie waren vielleicht 15, saßen bei den Gleichaltrigen und spielten nebenher ein Kartenspiel.

Diesmal gab es nur ein Gericht, nicht wir beim Frühstück. Es war eine Spezialität der Wandervölker des Nordens, Kartoffeln mit Bohnen und Fleisch als Eintopf. Im Norden gab es wild wachsende Kartoffeln und Bohnen, sodass es eine Nahrungsgrundlage der Nomaden war.

Sylex mochte das Gericht nicht besonders. Er verzog nur kurz das Gesicht, als er es bekam, setzte sich neben Ceran und begann still zu essen.

„Drew.“ Der Hausvorstand hob den Kopf und sah ein Mädchen, das Sylex auf 16 Jahre schätzte, auf sich zukommen. „Professor Hibixi diskriminiert uns schon wieder.“ Fragend hob Drew eine Augenbraue und sah das Mädchen an. „Er lässt uns die Stellen aus dem Geschichtsbuch vorlesen, die den Krieg mit dem Drachen beschreiben. Nur uns, keinen aus den anderen Häusern.“

Drew seufzte. Ihr und auch allen anderen war klar, was das Problem damit war. Es war wirklich nicht in Ordnung und gerade bei diesem Professor trat es häufiger auf.

„Ich werde mit ihm reden, Smira.“ Versuchte sie das aufgebrachte Mädchen zu beruhigen und mit einem Lächeln klappte das auch. „Danke Drew. Du bist echt die Beste.“ Smira strahlte und eilte dann wieder zu ihren Klassenkameraden. Drew dagegen wand sich wieder ihrem Teller zu und wegen ihres Gesichtsausdruck nahm Sylex an, dass sie nicht sonderlich begeistert war mit dem Professor sprechen zu müssen.

„Ist das immer so?“ „Was? Das Dunkelelementare diskriminiert werden? Ja, leider. Wir haben das große Glück Drew in unserem Jahrgang zu haben, die auch in den anderen Häusern überraschend beliebt ist. Das was du heute morgen erlebt hast ist echt harmlos. Bei den anderen Stufen ist das wesentlich schlimmer.“ Meinte Ceran.

„Nymin ist der einzige, der Drew hasst und das wohl nur, weil sie ihm einen Korb gegeben hat. Mit seiner Einstellung hat saß aber niemanden gewundert. Er hasst Dunkelelementare so heftig, dass ist wirklich widerlich.  Niemand weiß wirklich warum, denn weder er noch seine Familie haben je gelitten. Aber er hasst euch schon seit er an der Schule ist. Nur Drew hat er eine Zeitangaben begehrt. Bis zu dem Korb. Jetzt hasst er sie ganz besonders.“ Aaron zuckte mit den Schultern und legte sein Besteck weg.

Drew war die einzige der Gruppe, die jetzt noch aß und die drei Jungs warteten darauf, dass sie fertig wurde. „Du hast jetzt mehr oder weniger Einzelunterricht mit dem Mädchen, dass auch neu zu euch gekommen ist.“ Lachte Aaron und Ceran verdrehte nur die Augen.

„Bevor du fragst, ja. Aaron hat manchmal solche Anfälle von Kindlichkeit und er kann dann echt anstrengend werden. Aber er hat Recht. Schon lustig, dass es nur so selten Nachzügler bei der Dunkelheit gibt.“ Es stimmte, was Ceran sagte. Die Dunkelelementaren bekamen nur selten Zuwachs durch Spätgefundene.

Drew wer fertig und gemeinsam brachte die Gruppe ihre Tabletts weg. Gemeinsam mit einigen jüngeren verließen sie das Gebäude. Von überallhin hörten sie Gespräche, nur die Vierergruppen schwieg, fühlte sich damit aber wohl. Alle in der Gruppe hatten das Gefühl dass die anderen sie auch ohne Worte verstanden und Sylex hatte zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl akzeptiert zu werden wie er war.

„Da wären wir. Viel Spaß.“ Aaron grinste wie verrückt, während Drew nur die Augen verdrehte. Sie schien das Verhalten von Aaron zwar gewohnt zu sein, möchte es aber keinesfalls.

„Wir sehen uns später. Mach dir keinen Kopf, es ist nicht so schlimm.“ Versuchte Ceran ihn aufzumuntern, bevor die drei gehen, damit sie zu ihrem eigenen Unterricht nicht zu spät kommen. Sylex drehte sich um und ging durch die Tür.

In dem kleinen Raum dahinter war zu diesem Zeitpunkt nur Juja. Diese sah ihn überrascht an, versuchte dann aber ein Lächeln. Sylex bemerkte aber, dass sie nur versuchte ihre Angst vor ihm zu verbergen. Er lächelte selbst leicht, setzte sich dann auf den Boden und lehnte sich an die Wand. Seine Gedanken beschäftigten sich mit Drew, Aaron und Ceran, die ihn einfach aufgenommen hatten, trotz seiner furchteinflößender Ausstrahlung.

Sie hatten ihre eigenen machtvollen Auren, doch sie machten anderen keine Angst, ganz im Gegensatz zu ihm. Trotz allem gaben sie ihm eine Chance, sahen ihn als Freund und nicht als potenziellen Feind. Er war besser aufgenommen worden, als er je angenommen hatte. Wenn er die Chance hätte, seine Kräfte früher erhalten zu haben, er hätte sie ergriffen. Hier fühlte er sich Zuhause.

„So ihr beide seid also die beiden Neulinge. Ihr werdet einen Crashkurs bekommen um euch möglichst schnell den Erstklässlern anzuschließen. Wenn ihr zu gut für einen Kurs werdet, werdet ihr in die nächst höhere Klasse versetzt.“ Erläuterte der Professor, der hereingekommen war. Sylex sah ihn an, während seine Gedanken rasten. Wenn er gut genug sein würde, würde er bald mit den Gleichaltrigen lernen.

In diesem Moment fiel sein Entschluss. Er würde alles tun um so schnell wie möglich besser zu werden. Egal wie hart es werden würde, er würde das durchstehen und mit den anderen lernen, würde wie Drew und die anderen kämpfen können.

„So. Wir beginnen mit der ersten Übung. In dieser Kiste herrscht Dunkelheit. Das Papier ist Diffusionspapier. Ihr sollt nichts anderes tun als die Dunkelheit durch das Papier zu ziehen und zu verdichten. Versucht sie zu spüren und zu leiten.“ Der Professor deutete auf zwei Kisten, die auf dem Boden standen und die oben aus Papier waren.

Sylex setzte sich vor dem einen in den Schneidersitz und legte eine Hand auf das Papier. Mit geschlossenen Augen versuchte er die Dunkelheit zu erspüren. Er erinnerte sich an das Gefühl, dass er gehabt hatte, als er Drew beim verändern der Dunkelheit gesehen hatte. Die samtene Macht, das überwältigende Kribbeln im Inneren.

Kaum hatte er das Gefühl wieder heraufbeschworen, spürte er ein Pulsieren unter den Fingern. Das Pulsieren schien ihn freudig zu begrüßen und sich zu freuen, als er es zu sich heran zog. Es schlang sich um seine Finger, schmiegte sich an seine Haut und schien ihn nicht mehr loslassen zu wollen. Sylex öffnete die Augen und sah, dass seine Hand von Dunkelheit umgeben war.

„Sehr gut. Bitte Drew darum, dass sie die diese Bücher gibt.“ Der Professor reichte Sylex einen Zettel. „Du kannst gehen. Ich werde jetzt der jungen Dame helfen.“ Sylex war damit zufrieden, nahm seine Tasche und ging mit dem Zettel in der Hand zum Haus der Dunkelheit.

Gegen den DrachenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt