Einbruch der Nacht

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Sylex lag auf seinem Bett und beschäftigte sich mit den Büchern über das Beherrschen, die er noch lesen sollte um sich zu verbessern. Er wollte sich verbessern und er wollte von seinem Können her näher an seine Freunde herankommen, doch dafür musste er sich quälen. Das Training, das ihm der Professor aufgab, wurde immer härter und immer öfter war er kurz vor dem Verzweifeln, doch er hatte noch nie aufgegeben und darauf war er stolz.

Mit einem Mal fühlte er etwas, was er auf diese Art noch nie gespürt hatte. Es war etwas wie eine Welle, die ihn überrollte. Er fühlte sich danach erfrischt und überraschend stark. Das Buch aus der Hand legend setzte er sich erst auf und warf einen Blick zum Fenster, dann stand er fasziniert auf.

Man sah rein gar nicht außerhalb des Gebäudes. Die meisten Fenster waren mit Vorhängen verhängt und ließen so kein Licht nach außen und da sämtliche Lichtquellen am Horizont nicht strahlten, war die Schule und wie diese die gesamte Welt in eine undurchdringliche Finsternis getaucht. Selbst das Licht, das aus seinem Fenster fiel, wurde schon nach nur wenigen Zentimetern wieder verschluckt.

Er sollte sich wohl unwohl fühlen, zumindest wenn man nach dem Verhalten aller anderer auf dem Gelände ging, doch er fühlte sich wohl. Er fühlte sich sogar sicherer als normalerweise und das überraschte ihn dann schon etwas, immerhin sagten alle, dass sie sich so schlecht fühlten und sogar Angst hatten. Und so gut hatte er selbst sich den Tag über ja auch nicht gefühlt.

Aber nun, wo die Dunkelheit alles einhüllt und kein Licht mehr es schafft die Dunkelheit zu durchdringen, da fühlte er sich geborgen. Leise musste er lachen. Scheinbar hatte er doch mehr als nur das Element der Dunkelheit. In diesem Haus schien er auf jeden Fall richtig zu sein.

Ob Drew wohl auch so fühlte wie er? Er ging zur Zimmertür und nach nebenan, doch auf sein Klopfen wurde nicht reagiert. Nach einem kurzen Stirnrunzeln öffnete er die Tür und fand das Zimmer dunkel vor. Seine Freundin war nicht hier.

Da sie am Nachmittag gemeinsam zurück ins Haus gekommen waren und sie nicht erwähnt hatte, dass sie nochmal weggehen wollte, machte er sich Sorgen um sie. Sie war zwar die Person, die mit der undurchdringlichen Dunkelheit am ehesten zurechtkommen würde, doch er wollte nicht, dass sie alleine draußen war.

Ceran und Aaron waren bei den Bedingungen sicher nicht mehr außerhalb ihrer Häuser, immerhin konnten sie sich überhaupt nicht orientieren, und Sylex konnte sich nicht vorstellen, mit wem sich Drew sonst so spät am Abend noch hätte treffen sollen. Er sagte sich selbst, dass er nicht überreagieren sollte, dass sie sicher gleich mit einer logischen Erklärung auftauchen würde, doch das tat sie nicht.

Nach einer halben Stunde hatte er nicht mehr die Ruhe einfach herum zu sitzen und auf sie so zu warten, weshalb er aufstand und das Licht wieder löschte, als er das Zimmer verließ. Durch die schwarze Nacht waren die meisten auf ihren Zimmern und so dauerte es nicht lange, bis Sylex sämtliche Räume des Hauses durchsucht hatte.

Das Ergebnis gefiel ihm gar nicht. Drew war nicht auffindbar, dass hieß, sie musste noch irgendwo draußen oder in einem der anderen Häuser sein. Sicher, seine Freundin war alles andere als wehrlos, aber er würde sie trotzdem suchen gehen. Irgendwie ergriff eine innere Unruhe von ihm Begriff, als er diesen Entschluss gefasst hatte und zur Eingangstür ging.

Aus Sicherheitsgründen durfte diese nie verschlossen sein, damit man im Notfall flüchten konnte. Drew hatte es ihm einmal erklärt und gemeint, dass es auf Grund ihrer Kräfte eigentlich unnötig war, weil man einfach die Kräfte nutzen könnte, um die Tür zu zerstören. Aber niemand beschwerte sich, weil viele Pärchen es sich nicht unnötig schwer machen wollten, hatte sie mit einem Augenzwinkern hinzugefügt.

Damals hatte er es nicht als wichtig angesehen, doch heute war er froh darum. Ob er die Kraft oder die Konzentration aufgebracht hätte, die Tür zu öffnen, gerade in einer Situation, in der er sich um Drew sorgte, bezweifelt er stark. So konnte er aber einfach durch die Tür in die Finsternis schlüpfen.

Dort überrannte es seine Sinne förmlich. Er konnte nichts sehen, doch es fühlte sich an, als könnte er spüren, was um ihn herum war. Was sich wo befand und auch die kleinsten Bewegungen schien er auf der Haut zu spüren und in seinem Kopf bildete sich langsam ein Bild.

Dieses war jedoch deutlich genauer, als was er tatsächlich mit den Augen sah. Er nahm den Baum nicht nur so wahr, wie er ihn gesehen hätte, sondern spürte jeden Ast, jedes Blatt, auch wenn es eigentlich verdeckt wäre. Das Gefühl verwirrte ihn und versetzte ihn gleichzeitig in Euphorie.

Allerdings war dort noch etwas. Ein Sog, ein Drang, der ihn zu einer ganz bestimmten Stelle zu locken schien. Es war hart, dagegen anzukämpfen, doch der Gedanke an Drew ließ ihn kämpfen. Vielleicht war sie auch hier raus gekommen und dem Ruf gefolgt, der ihn nun auch noch mit den lieblichsten Stimmen zu rufen schien.

Er könnte sich dort ja wenigstens einmal umsehen, immerhin hatte er eh keine Ahnung, wo er mit seiner Suche anfangen sollte. Somit könnte er auch dort anfangen, er hatte eh keine bessere Idee. Somit gab er dem Drang nach und folgte über das Schulgelände.

Überrascht blieb er stehen, als er die Quelle gefunden hatte. Er hatte nicht gewusst, was die Quelle war, aber wenn er gefragt worden wäre, den Tempel hätte er ganz sicher nicht genannt. Doch vor genau diesem Kuppelförmigen Gebäude stand er nun und noch immer spürte er den Drang die Quelle zu suchen.

Obwohl er eigentlich das Gebäude und alles, für das es stand, nicht mochte, wollte er jetzt herausfinden, was ihn so anzog. Also ging er die letzten paar Schritte bis zur Tür und zog die einen Spalt an. Was er dadurch sah, war etwas, dass er niemals erwartet hätte. Hätte man es ihm gesagt, hätte er den anderen ausgelacht.

Doch nun sah er es direkt vor seinen Augen.

Gegen den DrachenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt