Cuckoo

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"Sag mal spinnst du Tee?" knallte mir Amber an den Kopf nachdem ich ihr von meiner Aktion mit den Pillen gestern erzählt hatte. "Das ist wahnsinnig und das weißt du. Nur weil Bam dich jetzt so lange bequatscht hat, heißt es nicht, dass du das wirklich so durchziehen musst." hielt sie mir vor Augen. Ich zuckte mit den Schultern. "Dann nenne mir doch ein Argument was dagegen spricht." konterte ich. Sie überlegte, man konnte ihre Zahnräder förmlich rattern hören.  Ich nippte von meinem Weinglas. Ich schielte aus dem Balkon, in Ambers, Jaes und Kiras Wohnung, und sah der Sonne beim untergehen zu. Mein Mann saß mit dem meiner besten Freundin in der Stube und sah mit Jae irgendeinen schlechten Fantasyfilm, warend beide eine Dose Bier in den Händen hielten und redeten. Die Glastür die Balkon von Stube trennte war geschlossen, so das wir kein Gespräch der jeweils anderen mitbekamen.

Amber blieb still. "Es gibt keins siehst du? Ich bin mental und körperlich fit, ernähre mich ausgewogen und Gesund  und führe ein glückliches Leben mit perfekter Ehe und gut erzogenen Kindern, was will ein drittes Kind mehr?" führte ich sie aus ihren Gedanken zurück. Sie konnte nur mit dem Kopf schütteln. "Macht doch was ihr wollt, aber wenn alles im Chaos ausatet komm nicht zu mir und jammere 'Amber wieso hast du nichts dagegen gesagt' weil genau das habe ich vorhin grade." schüttelte sie von sich und zuckte mit den Schultern.

Schweigen entstand, in dem jeder seinen Gedanken nachhing und in die Ferne sah. "Sag mal?" kam es plötzlich von meiner besten Freundin. "Kann es sein das Kira was mit Soo hat? Weil die beiden hängen in letzter Zeit ziemlich viel ab und das macht mich stutzig." Ich lachte. "Nein. Bestimmt nicht. Jungsoo hat vorgestern mit einem Mädchen telefoniert und so wie es sich anhörte, sind sie zusammen, wollen es aber noch keinem sagen und nur Kira weiß etwas." stellte ich richtig. Amber fielen die Augen fast raus. "Denkst du sie ist mit auf diesem Ausflug wo sie eigentlich schon lange wieder da sein sollten? harkte sie nach und blinzelte ein paar mal. "Bestimmt. Er meinte Freitag, er sieht sie am Samstag, also muss sie dabei sein." vermutete ich schulterzuckend. "Jungsoo... Als ob er eher in einer Beziehung wäre, als Jia oder Kira. Ich meine, er ist so schüchtern." Amber hatte genau die selben Gedankengänge wie ich heute, gestern und vorgestern. Die Tür zum Balkon wurde aufgezogen und wie aufs Stichwort tauchten unsere Kinder bei uns auf und begrüßten uns.  Dabei entging mir nicht, wie mein Soo mitten im Dauersommer von Hawaii einen riesigen Schal aus Wolle trug und darunter fast kaputt ging.

"Nehm doch den Schal ab Soo. Es ist zwar etwas kühl, aber den brauchst du bestimmt nicht hier." sprach Amber meinen Gedanken aus und sah mich mit einem Blick an, der verlauten ließ, dass wir beide wussten, dass meinem Sohn nicht zum zittern kalt war, sonder er einfach verzweifelt versuchte enstandene Souvenirs zu verstecken. Jungsoo schüttelte den Kopf und hustete gespielt. "Er hat sich erkältet Mom." redete Kira ihn raus, was er mit einem weiteren falschen Husten unterstützte. Ich beließ die Lüge erstmal so und hörte zu was die drei so zu erzählen hatten, doch je älter sie wurden, um so maulfauler wurden sie auch und meinten alle drei, dass es toll und cool war. Sie verschwanden an ihren Vätern vorbei in Kiras Zimmer und schmissen die Tür zu.

BamBam erschien in der Tür und sah ziemlich durch den Wind aus. Die geröteten Wangen ließen verlauten, dass er schon ziemlich etwas intus hatte. "Wieso um alles in der Welt hat Soo einen Schal um?" versuchte er nicht schwerwiedend zu lallen. "Erkältung." gaben Amber und ich die Lüge zeitgleich weiter und zuckten mit den Schultern. "Tai? können wir nach Hause? Um mich dreht sich alles und fühlt sich so babbelig an." Jap. Er hatte definitiv einen im Kessel, aber gewaltig. In einem Schluck hatte ich meinen Wein leer. Entschuldigend sah ich Amber an, die nur nickte und wie ich aufstand. Sie holte meine Kinder aus dem Zimmer, während ich BamBam dabei half seine Schuhe und die Jacke anzuziehen. Jae lag bereits schnarchend auf dem Sofa, was meine besten Freundin mit einem genervten Laut vernahm.

Im Haus angekommen, verfrachtete ich meinen Mann auf das Sofa und lief zu der Etage meiner Kinder, die fleißig dabei waren ihre Tasche auszupacken. Als ich in Jungsoos Zimmer schielte, sah ich, dass er seinen Schal abgenommen hatte, unter dem er tatsächlich wie ein Regenbogenfisch schimmerte. Sie musste ja wirklich tüchtig gewesen sein. Ich ließ ihn in ruhe, noch sollte er nicht auflaufen wegen seinem Geheimnis, dass sollte er uns selber verraten.

Jia lief mir auf dem Flur über den Weg, auf den Armen Berge an Klamotten und Bettzeug, was sie über die eine Nacht alles mitgeschleppt hatte. "Ich helf dir Mäuschen." bot ich ihr an und nahm ihr etwas von ihrem Stapel auf den Armen ab. Sie lächelte erleichtert und lief mir voraus ins Bad, um den ganzen Stapel im Wascheeimer zuverstauen. Ich tat es ihr gleich. "Wie hast du Paps eigentlich kennengelernt? Das habt ihr uns nie erzählt." wollte meine Tochter wissen und lehnte sich gegen den Türrahmen im Badezimmer, um mir den Weg zu versperren.

Ich seufzte. "Jia. Das ist eine wirklich lange Geschichte, es ist spät und ihr habt morgen wieder Schule." redete ich mich heraus und schob sie mit mir aus dem Zimmer. "Ihr vertröstet uns immer, als würdet ihr nicht wollen, dass wir erfahren, wie es zu uns gekommen ist." Jungsoo tauchte, wieder mit Schal um den Hals, auf und sah mich erwartungsvoll an. "Wenn ihr euch morgen früh beeilt erzählen wir euch die Geschichte zum Frühstück." versprach ich und wuschelte dem wenig jüngeren durch die dunklen Haare, der mich nur skeptisch anfunkelte.

"Und mach den Schal ab Soo. Du holst dir den Tod in dieser tropen Hitze mit dem Ding." wies ich an und schob mich an meinen Kindern vorbei hoch ins Schlafzimmer. BamBam würde ich auf dem Sofa liegen lassen, es war ein Ding der Unmöglichkeit ihn hier hoch zu bringen. Ich knipste das Lich an und lief zum Schrank. Ein einfaches Top und eine kurze lockere Hose mussten als Schalfzeug ausdienen. Im Bad löste ich die Haare aus meinem Zopf, putzte mir die Zähne und lief schließlich zurück ins Zimmer, doch anstatt ins Bett, lief ich zur Glastür am anderen Ende des großen Raumes und trat in die angenehme Abendwärme hinaus. Das blauschimmernde Wasser des Infinitypools brachte seinen eigenen Schimmer an die Wände und tauchte den Balkon in seine ganz eigene Welt. Ich lief zum Geländer und sah am dunklen Strand entlang. Die Wellen brachen sich in unendlichen malen am Sand und brachten ein beruhigendes Rauschen mit sich, was die sonst völlige Ruhe füllte.

Die Atmosphäre erinnerte mich an den Tag unserer Hochzeit. Mitten in der Nacht schlichen wir uns aus dem lauten und bunten Wahn der Gäste um kurz unter uns zu sein. Nicht um irgendwelchen körperlichen aktivitäten nachzugehen, die uns nachgesagt wurden, sondern einfach nur um diesen ganzen Tag zu verarbeiten. Der Abend auf den Malediven hatte  BamBams und mein Leben auf ewig verbunden. Eng aneinander geschmiegt saßen wir so dicht am Wasser, dass die Wellen den Saum meines langen Kleides nass machten, doch das störte mich herzlich wenig. Amber ist uns mit einem der Photografen nachgerannt und hatte eines der schönsten Bilder von diesem Tag schießen lassen. Bam und ich saßen am Wasser, über uns der klare dunkle Himmel mit den weißen Sprenkeln der Sterne, zu erkennen waren allerdings nur unsere aneinander lehnenden Silhouetten. Das Bild hing auf einer Leinwand über der Couch in der Stube. Immer wieder, seit sie klein war schwärmte Jia, dass sie später auch mal ein solches Bild haben wollte.

Ein Schatten am Strand zog meine Aufmerksamkeit auf sich, der langsam und gelassen durch den Sand lief. Rein rechtlich durfte hier niemand sein, da es unser Privatstrand war und dies auch gekennzeichnet war, doch das schien dieser Person egal zu sein. Er, oder sie, schlenderte einfach weiter und schien auf unser Haus zu laufen zu wollen. Die Person schien mich gesehen zu haben, machte eine komische Handbewegung und rannte schließlich seinen Weg zurück. Vielleicht hatte er, oder sie nun mitbekommen, dass man sich hier auf Privatgrund befand.

Ein wenig besorgt von dem Ereignis ebend lief ich wieder ins Zimmer und schloss die Glastür hinter mir. Ich schaltete die Nachtlampe an, machte das große Licht aus und kuschelte mich in das, für mich alleine, viel zu große Bett.

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